Holocaust-Film im Iran zu sehen

PARIS (inn) - Der französische Dokumentarfilm "Shoa" von Regisseur Claude Lanzmann ist erstmals in die Sprachen Arabisch, Türkisch und Farsi übersetzt worden. Das neunstündige Werk ist nun seit Montag auf zwei Satellitensendern im Iran zu sehen, die von Kalifornien aus senden.

In dem Dokumentarfilm aus dem Jahr 1985 kommen zahlreiche Zeitzeugen zu Wort. Nun haben erstmals auch Iraner die Möglichkeit, den Film zu sehen. Die Fernsehstationen "Pars TV" und "Channel One" zeigen ihn auf Farsi in 50-minütigen Folgen, fünfmal pro Woche. Satellitenschüsseln seien im Iran zwar verboten, allerdings würden Verstöße nur selten verfolgt, heißt es der Tageszeitung "Jerusalem Post" zufolge.

Die Übersetzungen erfolgten auf Initiative des "Aladin-Projektes" der UNESCO. Die Gruppe habe zwei Mal erfolglos versucht, den iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad davon zu überzeugen, sie in Teheran eine Pressekonferenz zum Mord an den Juden während des Zweiten Weltkrieges abhalten zu lassen, sagte Abe Radkin, Geschäftsführer des "Aladin-Projektes" laut dem Bericht. Er fügte hinzu: "Wenn die iranische Regierung zustimmt, den Film auf einem öffentlichen Kanal zu zeigen, würden wir das begrüßen."

Der Film soll im April außerdem auf Türkisch auf einem Filmfestival in Istanbul gezeigt werden. Später soll er auch im offiziellen türkischen Fernsehen ausgestrahlt werden. Ursprünglich sollte "Shoa" zudem im ägyptischen Fernsehen zu sehen sein. Aufgrund der Unruhen in dem Land wurden die Pläne jedoch zunächst auf Eis gelegt. "Wir werden eine Weile warten, bis es die Situation in den arabischen Ländern zulässt, den Film zu zeigen. Wir brauchen eine friedliche Atmosphäre für diese Botschaft", so Radkin.

Das "Aladin-Projekt" wurde im Jahr 2009 ins Leben gerufen. Auf der Internetseite der UNESCO heißt es: "Das Projekt wird von Israel finanziell unterstützt. Es soll zur Annäherung der Kulturen und insbesondere auch zum Dialog zwischen Juden und Muslimen beitragen." Im Rahmen der Initiative wird unter anderem Literatur zum Holocaust ins Persische, Arabische und Türkische übersetzt und ins Internet gestellt. Die Verantwortlichen wollen damit gegen die in muslimischen Ländern verbreitete Leugnung des Holocaust und gegen Vorurteile gegenüber Juden vorgehen.

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