Hochrangige Palästinenser stellen Arafat Ultimatum

RAMALLAH (inn) – Eine Gruppe von 14 hochrangigen Palästinensern hat vor etwa einer Woche PLO-Chef Yasser Arafat ultimativ aufgefordert, einen Premier zu ernennen. In einem Brief drohten sie damit, andernfalls eine alternative palästinensische Führung aufzustellen.

Wie die in arabischer Sprache erscheinende israelische Wochenzeitung „Kul al-Arab“ am Freitag berichtete, haben die Repräsentanten einen Brief an Yasser Arafat formuliert, in dem sie ihm ein Ultimatum stellen. Das Blatt beruft sich dabei auf eine hochrangige palästinensische Quelle in Ramallah. Zu den Unterzeichnern zählt auch Arafats offizieller Stellvertreter im Amt des PLO-Vorsitzenden, Mahmoud Abbas, der unter seinem Kampfnamen Abu Mazen bekannt ist.

Die Gruppe habe sich zuerst an den amerikanischen Konsul in Jerusalem, Ron Schlicher, gewandt, schreibt Chefredakteur Sohir Andreus. Dieser sollte sich beim israelischen Premier Ariel Sharon dafür einsetzen, daß sie in die belagerte Mukata gehen und Arafat den Brief persönlich übergehen dürfen. Der Regierungschef lehnte den Antrag jedoch ab. Die Palästinenser schickten darauf den Brief per Telefax nach Ramallah.

Arafat habe den Brief gelesen und seinen Getreuen mitgeteilt, dies sei ein Umsturzversuch und eine schwere Verletzung für das palästinensische Volk und für ihn persönlich. Der Vorgang sei mit den Amerikanern abgesprochen, und er habe nicht vor, sich dem Ultimatum zu beugen. Außerdem habe der PLO-Chef Zweifel an der Echtheit des Briefes ausgedrückt, heißt es weiter in dem Bericht.

Der Informant der arabischen Zeitung habe betont, dies sei in der Tat die erste Herausforderung an Arafat in bezug auf seine Führung. Er gehe davon aus, daß seine Vertrauensleute darauf reagieren würden. Den Schußangriff auf das Haus Nabil Amrs am vergangenen Dienstag werte er bereits als Teil dieser Reaktion. Dabei hatten maskierte Männer aus einem Auto in Abwesenheit des ehemaligen palästinensischen Ministers für Parlamentarische Angelegenheiten auf dessen Haus in Ramallah geschossen. Amr hatte zuvor Arafat offen kritisiert und sich für die Wahl eines Ministerpräsidenten eingesetzt.

Abu Mazen habe Morddrohungen erhalten, berichteten israelische Zeitungen. Er halte sich derzeit im Ausland auf.

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