SYDNEY / JERUSALEM (inn) – Beim Terroranschlag von Sydney stellte er sich einem Attentäter in den Weg und wurde durch mehrere Schüsse verwundet. Nun ist der Israeli Gefen Bitton in seine Heimat ausgeflogen worden, wo er weiter im Krankenhaus behandelt werden soll.
Der 30-Jährige hatte sich am 14. Dezember zunächst in Sicherheit gebracht, als die beiden Attentäter das Feuer auf feiernde Juden am Bondi-Strand eröffneten. Doch als er sah, wie der aus Syrien stammende „Held“ Ahmed al-Ahmed einem Terroristen mit bloßen Händen entwaffnete, eilte er ihm zur Hilfe.
Auf einem Video ist der Israeli zu sehen – aber nicht, was danach mit ihm geschah. Erst dank eines Freundes konnte der „Held mit dem lila Oberteil“ darin identifiziert werden.
Bitton erlitt Verletzungen am Bauch und im Beckenbereich. In einem australischen Krankenhaus wurde er achtmal operiert, er lag zwei Wochen im Koma. Mittlerweile hat sich sein Gesundheitszustand so verbessert, dass er transportfähig ist. Den medizinischen Flug hatte der israelische Botschafter in Australien, Amir Maimon, mit dem Außenministerium vorbereitet. Das berichtet die Zeitung „Yediot Aharonot“.
Unbeschränktes Aufenthaltsrecht verliehen
Bitton arbeitete seit drei Jahren mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung in Australien. Vor seinem Abflug stattete ihm der Innenminister von New South Wales, Tony Burke (Labor), einen Besuch ab. Dabei verkündete er dem Israeli, dass dieser von nun an ein unbeschränktes Aufenthaltsrecht habe.
„Gefen ist ein Held“, sagte Burke der britischen Zeitung „Daily Mail“. „Ohne auch nur einen Augenblick an seine persönliche Sicherheit zu denken, eilte er Ahmed al-Ahmed zur Hilfe.“ Mit dem unbeschränkten Aufenthaltsrecht habe er nun eine Sorge weniger. „Ich sagte ihm, dass Australien mit ihm ein besserer Ort ist, und er willkommen ist, für den Rest seines Lebens hierher zu kommen.“
Bei dem Terroranschlag auf eine Chanukkafeier hatten die Attentäter Sajid und Naveed Akram 15 Menschen ermordet. Der Vater Sajid wurde erschossen, sein Sohn Naveed verletzt. Er befindet sich nach einem Krankenhausaufenthalt im Gefängnis. Gegen ihn liegen 50 Anklagepunkte vor, darunter Mord in 15 Fällen.
Kommission zum Umgang mit Antisemitismus angekündigt
Indes gab der australische Premierminister Anthony Albanese (Labor) bekannt, dass sich ein staatlicher Untersuchungsausschuss mit den Auswüchsen des Antisemitismus befassen soll. Dazu gehöre auch der Anschlag vom Bondi-Strand.
Die Regierung habe die Rufe nach einer staatlichen Untersuchung gehört, sagte Albanese am Donnerstag auf einer Pressekonferenz. Er habe nachgedacht sowie jüdische Führungspersonen und Angehörige von Opfern getroffen. „Die Menschen, die am 14. Dezember am Bondi-Strand waren, um den ersten Abend von Chanukka in der Umarmung von Familie und Glauben zu feiern, hätten sicher sein müssen. Stattdessen wurden ihre Leben und Welten erschüttert.“
Eine staatliche Kommission zu Antisemitismus und Sozialem Zusammenhalt sei essentiell, fügte der Regierungschef hinzu. Diese solle sich auch damit befassen, wie die Regierung mit dem Anstieg von Antisemitismus seit dem Oktober 2023 umgegangen sei, entgegnete er auf eine Journalistenfrage.
Albanese zitierte aus dem Punkt A der Aufgabenstellung: „Antisemitismus angehen, indem man die Natur und das Überhandnehmen von Antisemitismus in Institutionen und Gesellschaft untersucht und seine Hauptantreiber in Australien prüft. Dazu gehören auch religiöser und ideologisch motivierter Extremismus und Radikalisierung, einschließlich der Vorgeschichte des antisemitischen Terrorangriffes von Bondi am 14. Dezember 2025.“ Es gehe auch darum, wie die Regierung auf Antisemitismus reagiere. Die Kommission solle zudem Empfehlungen aussprechen, um dem entgegenzuwirken und Manifestationen von Antisemitismus zu verhindern. (eh)
6 Antworten
Ein Syrer und ein Israeli gemeinsam gegen islamistischen Terror, ein schönes Symbol. Was Premierminister Albanese betrifft, der zunehmende Antisemitismus hätte ihm schon früher auffallen müssen. Zum Schutz des jüdischen Festes in Bondi Beach waren gerade einmal zwei Polizisten eingeteilt, berichtet die französische Presse. Hier, in Paris, stehen vor jedem jüdischen Kindergarten schwer bewaffnete Soldaten . Wobei ich mir manchmal denke, wenn da, Gott behüte, ein Islamist dabei ist…
Herr Bitton, ich verneige mich vor so viel Mut vor Ihnen. Es braucht Menschen wie Sie und Ahmed al-Ahmed. Es ist zudem eine noble Geste Israel, sie in das Land ihrer Väter, zur weiteren Behandlung zu fliegen ebenso dass ihnen der Australische Staat eine unbefristete Aufenthaltsmöglichkeit bietet.
Eine Kommission zu Antisemitismus… und zugleich marode australische Geheimdienste.
Das muss derjenige gewesen sein,welcher den Attentäter verfolgt und beworfen hat, womit auch immer.
So sieht spontane Zusammenarbeit im Augenblick höchster Gefahr aus.
SHALOM
Wenn auch längst überfällig, finde ich das Umdenken Albaneses gut. Wird sich zeigen, ob aus Druck nur dahingesagt, oder weil man die Gefahr jetzt endlich erkannt hat, um fünf NACH zwölf.
Gefen Bitton und Ahmed al Ahmed sei es gedankt, dass nicht noch mehr passiert ist. So selbstlos und mutig sind nur wenige. Australien ist MIT Bitton ein besserer Ort, aber ob es auch ein sicherer Ort ist…?
Ich wünsche Gefen Bitton gute Genesung im Israelischen Krankenhaus. Seine Heldentat wird ihm selber helfen, vielleicht erlebt er ja noch das PRO-ISRAELISCHE Zeitalter, das da kommen wird. Die Welt, auch Australien, lebt derzeit weiter in Finsternis. Aber für ihn möge alles gut werden !