Haredim greifen ultra-orthodoxen Soldaten an

JERUSALEM (inn) – Dutzende strenggläubige Juden haben am Dienstagabend im Jerusalemer Stadtteil Mea Schearim einen ultra-orthodoxen Soldaten angegriffen. Die Polizei kam dem Mann zu Hilfe. Premierminister Benjamin Netanjahu und Verteidungsminister Mosche Ja‘alon verurteilten den Vorfall.
Ein ultra-orthodoxer Soldat wurde von anderen Strenggläubigen angegriffen.

Der Soldat sei auf dem Weg zu Verwandten gewesen, die in dem ultra-orthodoxen Stadtteil lebten. Die Haredim hätten Steine nach dem jungen Mann geworfen, der sich in ein nahe liegendes Gebäude flüchtete, um die Polizei zu alarmieren. Außerdem habe er seine Uniform gegen Zivilbekleidung getauscht, berichtet die Tageszeitung „Yediot Aharonot“. Die Polizei nahm vier der Angreifer wegen Störung des Friedens fest und versuchte, die Menschenmenge auseinanderzutreiben.
Nach dem Vorfall hätten sich mehrere Strenggläubige auf der Straße versammelt, gegen den Soldaten protestiert und die Polizisten als „Nazis“ beschimpft, schreibt „Yediot Aharonot“.
Netanjahu verurteilte den Angriff und sagte: „Wir werden eine harte Linie gegen jeden verfolgen, der versucht, Bürger einzuschüchtern, welche die Staatspflicht erfüllen.“ Die beste Antwort auf solche „Gesetzesbrecher ist die Anzahl an ultra-orthodoxen Soldaten, die in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist und weiter steigen wird“.

„Abscheulich und abstoßend“

Ja‘alon bezeichnete die Attacke als „abscheulich und abstoßend“. Der Vorfall müsse ernst genommen werden. „Wir können gewalttätigen Hooligans nicht erlauben, den Frieden von jungen Haredim zu bedrohen, die sich entschieden haben, der israelischen Armee beizutreten“, sagte er. „Sie müssen ohne Toleranz zur Rechenschaft gezogen werden und wir werden diesen Trend mit Strenge bekämpfen. Ich appelliere an die Führer der Ultra-Orthodoxen, die Gewalt zu verurteilen und solche Phänomene energisch auszuradieren“, fügte Ja‘alon hinzu.
Auch einige Rabbiner der Strenggläubigen verurteilten die Proteste. Es sei ein Akt voller Hass, Blasphemie, Scham und Blamage gewesen, der nicht jüdisch und unorthodox sei. „Der Fakt, dass wir uns in der Neun-Tages-Periode vor Tischa Be‘Av befinden, in der wir der Zerstörung des Tempels gedenken, wirft ein beschämendes und hasserfülltes Licht auf diesen Vorfall“, heißt es in einer Mitteilung der Rabbiner. „Es ist für die ultra-orthodoxe Gemeinschaft an der Zeit, die Angreifer zu denunzieren“, fügten sie hinzu.

Krisensitzung geplant

Finanzminister Jair Lapid sagte, die „andauernde Aufstachelung zu diesen gewaltsamen Angriffen gegen strenggläubige Soldaten, so wie der ernste Vorfall heute in Jerusalem, ist beängstigend und sollte von jedem verurteilt werden“. Er plane, eine Krisensitzung mit dem Minister für öffentliche Angelegenheiten Jitzak Aharanowitsch abzuhalten, um zu überlegen, wie die Polizei solche Vorfälle verhindern könnte.
Die Gewalt und Hetze gegen ultra-orthodoxe Soldaten hat in den vergangenen Wochen zugenommen (Israelnetz berichtete). Grund dafür könne die öffentliche Diskussion über die Einbeziehung der Strenggläubigen in die israelische Armee sein, schreibt „Yediot Aharonot“.

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