Hamas will Holocaust-Unterricht an Schulen verhindern

GAZA (inn) - Die Hamas-Regierung im Gazastreifen will verhindern, dass Kinder an Schulen der Vereinten Nationen über den Holocaust unterrichtet werden. Am Dienstag forderte sie Schüler auf, die Klassenräume zu verlassen, falls das Thema zur Sprache komme.

Das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge (UNRWA) hatte beschlossen, das Thema "Holocaust" in seinen Lehrplan aufzunehmen. Das Werk unterhält mehr als 220 Schulen im Gazastreifen, an denen rund 200.000 Kinder unterrichtet werden.

Bildungsminister Mahammad Aschkul kündigte laut der palästinensischen Nachrichtenagentur "Ma´an" an, sein Ministerium werde Unterricht über den Holocaust "nie erlauben". Der britischen Tageszeitung "The Guardian" zufolge teilte das Ministerium für die Angelegenheiten von Flüchtlingen in einer Stellungnahme mit, der Lehrplan "vergiftet die Gedanken unserer Kinder". Es sei ein "verächtliches Vorgehen", Studien über den Holocaust in Flüchtlingslagern abzuhalten, und diene "dem zionistischen Gebilde". Ziel sei es, "eine Wirklichkeit zu schaffen und Geschichten zu erzählen, um die Metzelei gegen das palästinensische Volk zu rechtfertigen". Die UNRWA sollte sich vielmehr auf die Menschenrechte der palästinensischen Flüchtlinge konzentrieren.

UNRWA-Sprecher Chris Gunnes betonte hingegen, die palästinensischen Kinder verdienten eine Bildung, die weder zerrissen noch politisch sei. Er teilte mit, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte seit 2002 Teil des Lehrplanes an UN-Schulen ist, bislang war das Thema Holocaust jedoch ausgeklammert worden.

Laut "The Guardian" war der frühere UNRWA-Direktor John Ging eine der Schlüsselfiguren, die sich dafür eingesetzt hatten, dass auch der Holocaust in den Lehrplan mit aufgenommen wurde. Die Forderung hatte er damit begründet, dass über alle Faktoren unterrichtet werden müsse, die zur Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte geführt hätten. Er hatte betont, palästinensische Kinder müssten die Ungerechtigkeiten des 20. Jahrhunderts verstehen, den Holocaust eingeschlossen, um für ihre eigene Sache kämpfen zu können. Er sei sich dessen bewusst gewesen, dass die Hamas die Pläne ablehnen würde. Gegenüber "The Guardian" hatte er im vergangenen Dezember erklärt: "Es gibt einen Wettstreit um den Einfluss hier (in Gaza). Wir müssen diese Herausforderung meistern."

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