Durch welchen Teil des Tunnelnetzwerks die Journalisten geführt wurden und ob sie sich nahe der Grenze befanden oder weiter im Innern des Gazastreifens, konnten sie anschließend nicht sagen. Mit verbundenen Augen waren ein Reporter, ein Kameramann und ein Fotograf in einem Fahrzeug der Hamas zu dem Tunnel transportiert worden.
Es sei jedoch naheliegend, dass sich der Tunnel weiter entfernt von der Grenze befunden habe, da Israel erklärt hatte, alle Tunnel in zwei bis vier Kilometer Entfernung von der Grenze zerstört zu haben. „Wir sprechen heute zu euch aus einem dieser Tunnel, die Israel angeblich zerstört hat. Unsere Männer operieren immer noch in diesen Tunneln, die für alle Vorfälle präpariert sind“, sagte einer der maskierten und bewaffneten Hamas-Kämpfer.
Die Männer der Hamas führten die Reporter durch enge Gänge, die kaum breiter als einen Meter gewesen seien, berichtet die Tageszeitung „Yediot Aharonot“ von den Erlebnissen der Reuters-Mitarbeiter. Über eine schmale Metallleiter seien sie einen engen Schacht hinabgestiegen. „Es fühlt sich wie zu Hause an“, habe einer der Hamas-Mitglieder gesagt. „Die Kämpfer graben diese Tunnel mit ihren eigenen Händen, genauso wie sie auch ihre Häuser bauen. Deshalb leben sie hier mit dem gleichen Komfort und in der gleichen Sicherheit wie in ihren Häusern“, sagte er.
Die Decke des Tunnels sei hoch genug gewesen, um aufrecht gehen zu können. Der Boden sei teilweise betoniert, zum Teil aber auch schlammig gewesen. Den Reportern war es unmöglich, die Länge des Tunnels abzuschätzen. Es habe jedoch viele Abzweigungen in verschiedene Richtungen gegeben. Den Männern fiel außerdem auf, dass kein Verkehrslärm oder Lärm israelischer Drohnen zu hören gewesen sei.
Nach israelischen Angaben werden die Tunnel der Hamas dafür genutzt, Waffen zu lagern und zu transportieren und Kämpfer außer Sichtweite der israelischen Luftwaffe zu bringen. Einer der Hamas-Vertreter erklärte, seine Organisation werde ihr Waffenarsenal weiter aufstocken und ihr Untergrundnetzwerk ausbauen. „In Friedenszeiten treffen wir Vorbereitungen und im Krieg nutzen wir, was wir fertiggestellt haben.“
Die Tunnel sind getrennt von den „Schmuggeltunneln“, durch die Waren zwischen dem Gazastreifen und Ägypten ausgetauscht werden. Ägypten habe diese Tunnel vor Beginn des Gazakriegs weitestgehend zerstört, meldet „Yediot Aharonot“.