Die radikal-islamische Hamas-Organisation würde eine Friedensvereinbarung mit Israel akzeptieren, sagte Jussef gegenüber der israelischen Onlinezeitung „Times of Israel“: „Es ist unser Recht, gegen eine Vereinbarung zu sein, die Mahmud Abbas anbringt, […] aber ich betone hier: Wir werden das Ergebnis eines nationalen Referendums akzeptieren und die Entscheidung der Mehrheit.“
Der palästinensische Präsident Abbas hatte versprochen, jede Vereinbarung mit Israel durch ein internationales Referendum bestätigen zu lassen. Dieses würde auch Palästinenser in der Diaspora einschließen.
Bislang hat die Hamas jegliche Vereinbarungen mit Israel oder die Anerkennung des Staates abgelehnt. Der Hamas-Führer betonte in seinem Büro in Ramallah zudem, es könnte Frieden geben, wenn Israel den Rückzug zu den „Grenzen von 1967“, also den Waffenstillstandslinien von 1949, akzeptiere. Andere Hamasführer forderten in der Vergangenheit jedoch immer wieder die Vernichtung Israels und einen Palästinenserstaat vom Jordan bis zum Meer.
Jussef: Hamas bereit für Waffenstillstand
„Wenn Israel die Rechte unserer Nation akzeptiert und eine Gründung des palästinensischen Staates mit voller Souveränität, wie die anderer Völker, erlaubt, ist meiner Einschätzung nach Frieden möglich. Bis jetzt ignoriert Israel das Recht der palästinensischen Nation.“ Die Hamas wolle einen palästinensischen Staat mit den „Grenzen von 1967“ mit voller Souveränität gründen. Weiter sagte Jussef: „Die Besatzungsmacht muss die Gebiete, die sie 1967 besetzt hat, verlassen.“
Jussef unterstrich: „Die [Hamas-]Bewegung ist bereit, eine Vereinbarung über eine Hudna [Waffenstillstand] mit der Besatzungsmacht zu unterschreiben, auf die sich beide Seiten für einen bestimmten Zeitraum einigen.“
Innerpalästinensische Versöhnung nötig
Vor einem Abkommen mit Israel sei jedoch zuerst eine innerpalästinensische Versöhnung nötig, sagte Jussef und betonte, dass in Gefängnissen der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) derzeit rund 150 Hamas-Mitglieder einsäßen. Die PA müsse diese Häftlinge freilassen. Dies sei eine Voraussetzung, damit neue Wahlen in einer „angemessenen Atmosphäre“ stattfinden könnten. Weitere gewünschte Vorstöße seien, „dass die Hamas-Büros wieder geöffnet werden, das PA-Parlament zu einem normalen Betrieb zurückkehrt und die Hamas die Genehmigung bekommt, Kundgebungen und Versammlungen abzuhalten“. Jussef betonte wiederholt: „Die Hamas wird die Wahlergebnisse akzeptieren, die für Gaza einbezogen – wenn sie mit der Versöhnung einverstanden sind natürlich.“
Die Hamas sei bereit für neue Wahlen, um die Kluft zwischen Fatah und Hamas zu überwinden. Die islamische Organisation erinnert immer wieder daran, dass Abbas keine Legitimität mehr habe, da seine Amtszeit 2009 abgelaufen ist.
Auch zehn Jahre nach der Ermordung von Scheich Ahmad Jassin, dem geistigen Oberhaupt der Hamas-Bewegung, habe Israel immer noch nicht die Lektionen seiner Handlungen verinnerlicht, sagte Jussef. „Die Hamas ist stärker geworden seitdem Jassin ermordet wurde. Die Bewegung existiert und handelt und kann nicht ignoriert werden.“ Der Hamas-Vertreter wurde laut der „Times of Israel“ vor zwei Monaten aus einem israelischen Gefängnis entlassen.
Jussef ist Vater des „Sohnes der Hamas“
Jussef, einer der Gründer der Hamas, ist bekannt als der Vater von Mosab Hassan Jussef. Sein Sohn, ein Ex-Islamist, konvertierte zum Christentum und wurde durch sein autobiografisches Buch „Sohn der Hamas“ bekannt. Während der zweiten Intifada arbeitete er mit dem israelischen Geheimdienst zusammen und half dabei, Terroranschläge gegen Israelis zu verhindern. Heute lebt Mosab Hassan Jussef in den USA. Seine Familie hat ihn enterbt.