Hamas doch gegen Zwei-Staaten-Lösung

NEW YORK / GAZA (inn) – Die Hamas hat dementiert, eine Zwei-Staaten-Lösung im Konflikt mit Israel anzustreben. Am Dienstag hieß es zunächst, der palästinensische Außenminister Mahmud Sahar habe einen entsprechenden Brief an UN-Generalsekretär Kofi Annan geschickt – nun sieht es danach aus, als existierten zwei verschiedene Versionen dieses Briefes.

Ein palästinensischer Vertreter bei den Vereinten Nationen erklärte am Dienstag, dass Sahar in einem Brief an Annan eine Zwei-Staaten-Lösung befürworte. Doch ein Hamas-Vertreter in Gaza sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters einen Tag später, es sei der falsche Brief abgesandt worden.

Sahar habe Änderungen am ursprünglichen Brief vorgenommen. Dabei habe er unter anderem den Bezug auf die Zwei-Staaten-Lösung entfernt. Dennoch sei die alte Version des Briefes an Annan abgeschickt worden, der auf den 4. April datiert ist. “Ein solcher Satz wurde in diesem Brief nicht verwendet”, sagte Sahar gegenüber Reuters.

Der palästinensische Beobachter bei den UN, Rijad Mansur, hatte am Dienstag im Hauptquartier der UN Journalisten eine inoffizielle Übersetzung des Briefes präsentiert. Die Wortwahl deute auf einen Sinnungswandel innerhalb der Hamas hin, erklärte der Palästinenser.

In Gaza hingegen zirkulierte offenbar die geänderte Version des Briefes. Darin ist der Bezug auf die Zwei-Staaten-Lösung gelöscht. Welche Version Annan vorgelegt wurde, ist bislang unklar. Der Sprecher Annans, Stephane Dujarric, sagte, der UN-Generalsekretär habe nur einen Brief erhalten, und ihm sei kein Widderruf bekannt. “Wir haben die Presseberichte heute morgen gelesen. Der Brief, den wir haben, ist der, den wir gestern bekommen haben.” Sonst sei nichts von der Hamas gekommen, so Dujarric.

Sahar schreibt in dem Brief unter anderem, seine Regierung wolle “mit den Vereinten Nationen und den Ländern der Welt zusammenarbeiten… um Frieden und Stabilität zu erreichen, die auf einer umfassenden und gerechten Lösung gründen”. “Wir hoffen, dass manche Länder ihre Position und ihre vorschnellen Beschlüsse überdenken, besonders das Vorhaben, die Hilfe einzustellen”. Statt einer “Sprache der Drohung” zu benutzen, sollten die Länder den Dialog aufnehmen.

Bereits am Sonntag herrschte Verwirrung über die Haltung Sahars zu einer möglichen Zwei-Staaten-Lösung. Er wünsche sich eine “Weltkarte ohne Israel”, hatte Sahar gegenüber der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua gesagt. Er wolle jedoch nicht ausschließen, dass die Hamas einer vorläufigen Zwei-Staaten-Lösung zustimmen werde. Wenig später gab das Büro Sahars bekannt, dass diese Äußerungen in dem Interview verdreht worden seien. Bei der ersten Sitzung des neuen palästinensischen Kabinetts am Mittwoch sprach sich der Außenminister zudem für ein “Palästina vom Meer bis zum Jordan” aus.

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