Hamas-Delegation aus Bulgarien ausgewiesen

SOFIA (inn) – Bulgarische Sicherheitskräfte haben am Freitag eine Hamas-Delegation des Landes verwiesen. Die Vertreter der in der EU als Terrorgruppe eingestuften Organisation hätten keine offizielle Einladung der Regierung gehabt, hieß es.
Die Delegierten der Hamas mussten vorzeitig aus der bulgarischen Hauptstadt Sofia abfliegen.

Die drei Hamas-Vertreter waren am Mittwoch in Bulgarien eingetroffen. Zwei Tage später sei ihnen mitgeteilt worden, dass sie ihren geplanten fünftägigen Besuch vorzeitig beenden sollten. Nach ihren Angaben führten die Sicherheitskräfte im Hotelzimmer der Palästinenser eine Razzia durch. Die radikal-islamische Gruppe vermutet hinter dem Schritt Druck aus Israel. Die Gesandtschaft habe das Land offiziell betreten. Kurz nach der Aufforderung verließen die Hamas-Anhänger Bulgarien. Dies meldet die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma‘an“.
Der Botschafter der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO), Ahmed Madbuh, sagte, das Außenministerium habe ihm gegenüber sein Bedauern über die Anwesenheit der Hamas-Delegation geäußert. Dass eine Razzia stattgefunden habe, dementierte das Ministerium. Es habe eine „ruhige Diskussion“ mit den Gesandten gegeben.
Die Sprecherin des Außenministeriums, Vessela Tscherneva, betonte am Donnerstag gegenüber der Tageszeitung „Jerusalem Post“: „Bulgarien ist Teil der EU-Politik, bei der die Hamas als Terror-Organisation eingestuft wird.“ Die Palästinenser befänden sich „auf einem privaten Besuch bei einer NGO“ in Sofia.
Die Einladung kam vom „Zentrum für Globale und Nahoststudien“. Dessen Leiter Mohammed Abu Assi sagte der bulgarischen Nachrichtenseite „Dnevnik.bg“, der Besuch solle „Bulgariens Image in der arabischen Welt verbessern“. Denn in der vergangenen Woche habe die Regierung „einen groben Schnitzer gemacht“, als sie die Hisbollah für den Anschlag von 2012 in Burgas mit sechs Todesopfern verantwortlich machte (Israelnetz berichtete).
Die Hamas hatte der Reise nach Bulgarien eine hohe Bedeutung zugemessen. Sie sprach vom ersten Besuch in einem EU-Land seit 2003, als die Organisation auf den Terrorindex gesetzt wurde. Ein Vertreter der Partei, Ahmad Jussef, äußerte am Freitag, die Länder der Europäischen Union hätten „keine Vorbehalte dagegen, die Hamas von der Terrorliste zu nehmen“. Ausnahmen seien Deutschland und die Tschechische Republik. „Es gibt mehr als ein Land in Europa, das Hamas-Abgeordnete empfängt, und dies ist ein gutes Zeichen.“ Genaueres dürfe er jedoch hierzu nicht sagen.

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