Gilad Schalit: Fünf Jahre in den Händen der Hamas

JERUSALEM (inn) - In Israel wurde am Wochenende mit zahlreichen Veranstaltungen an den vor genau fünf Jahren von Palästinensern verschleppten Soldaten Gilad Schalit erinnert. In Herzlija ließen sich Prominente für eine Stunde in eine Zelle sperren. Die Eltern und der Bruder des Entführten ketteten sich unter dem Motto "Eine Familie in Gefangenschaft" selbst an einen Zaun vor der Residenz von Israels Premier Benjamin Netanjahu.

Am Sonntag hielten die Eltern Gilads eine Pressekonferenz in Jerusalem ab. "Wir sagen dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu: Sie haben nicht das Mandat, um Gilad zum Tode zu verurteilen", so Noam Schalit, der Vater des Entführten laut der Tageszeitung "Jerusalem Post". Er warf dem Premier "Sturheit und Hartnäckigkeit" in der Angelegenheit vor. Dieses Verhalten sei "eine große Bedrohung für die nationale Stärke und die Werte des Staates". Netanjahu sei nicht in der Lage, Druck auf die Hamas auszuüben, kritisierte Schalit weiter. Er kündigte an, die Kampagne für die Freilassung seines Sohnes zu verstärken. Unterstützung habe er dafür von Seiten hochrangiger Sicherheitsvertreter.

Rund 3.000 Personen hatten sich am Samstag nahe der Residenz Netanjahus versammelt, um für die Freilassung Schalits zu demonstrieren und Druck auf den Premier auszuüben. Die Aktion solle Netanjahu zeigen, dass "seine politische Zukunft direkt im Zusammenhang mit dem Wohlergehen und der Freilassung Gilads steht", sagte einer der Organisatoren gegenüber der Tageszeitung "Jerusalem Post".

Bei Kerem Schalom an der Grenze zum Gazastreifen hatten sich am Samstag ebenfalls Hunderte Israelis versammelt. Sie verlasen einen Brief von Gilads Großvater. Dieser warf Netanjahu in dem Schreiben vor, das Leben seines Enkels zu gefährden.

In der Mittelmeerstadt Herzlija beteiligten sich 24 Prominente an einer Protestaktion. Sie ließen sich für jeweils eine Stunde in eine behelfsmäßige, dunkle Zelle sperren. An der Aktion beteiligten sich unter anderem der ehemalige Mossad-Chef Danni Jatom, die früheren Chefs des Inlandsgeheimdienstes Schabak, Ami Ajalon und Carmi Gilon, der Schriftsteller Meir Schalev sowie israelische Schauspieler und Sportstars. Die Veranstaltung wurde auf Video aufgezeichnet und live übertragen.

Auch im Ausland wurde an Schalit gedacht. Die USA riefen die Hamas dazu auf, den Gefangenen sofort freizulassen. Frankreichs Botschafter Christophe Bigot überbrachte Gilads Familie einen Brief vom französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy, der an den Entführten adressiert ist. "Ich kann nicht akzeptieren, dass Ihnen einfache Kommunikation nicht gestattet wird", schreibt Sarkozy. Er rief die Hamas dazu auf, Vertreter des Roten Kreuzes zu Gilad zu lassen. UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon verlangte ebenfalls die Freilassung des israelischen Soldaten und sicherte die Unterstützung der UN in dieser Sache zu.

Unterdessen betonten Hamas-Vertreter, Schalit werde nur durch den geforderten Gefangenenaustausch freikommen. Sie machten Netanjahu für das Scheitern der bisherigen Verhandlungen verantwortlich. Laut Hamas-Führer Mahmud al-Sahar gebe es derzeit keine Verhandlungen über eine Freilassung. Die radikal-islamische Organisation veröffentlichte Fotos eines Schauspielers, der den gealterten und ergrauten Schalit darstellen soll. Dieser sitzt in einer winzigen Zelle. An deren Wänden ist unter anderem zu lesen: "Rettet mich um jeden Preis" und "Ich vermisse meine Mutter".

Schalit wurde am 25. Juni 2006 bei einem Überfall auf einen Armeestützpunkt in den Gazastreifen verschleppt. Das bislang letzte Lebenszeichen ist ein Video vom September 2009.

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