Herzlicher Empfang: Präsident Rivlin freut sich über den Besuch der Tochter von Judenretter Karrer
Herzlicher Empfang: Präsident Rivlin freut sich über den Besuch der Tochter von Judenretter Karrer

„Tief im Herzen der Geschichte des jüdischen Volkes“

Staatspräsident Rivlin hat den griechischen Judenretter Karrer gewürdigt. Dessen Tochter besuchte in dieser Woche Israel – und wurde in der Residenz des Präsidenten herzlich empfangen.

JERUSALEM (inn) – Während der Nazibesatzung bewahrte Bürgermeister Lukas Karrer alle Juden der griechischen Insel Zakynthos vor der Deportation. Nun hat sich der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin persönlich bei der Familie bedankt. Am Dienstag empfing er in Jerusalem die Tochter des Judenretters, Lena Karrer, die auch unter dem Namen Eleni Kriezi-Apostoli bekannt ist.

Rivlin sagte laut einer Mitteilung des Präsidialamtes: „Wir wollen Ihnen für die wichtige Tat Ihrer Familie danken. Euer Heldenmut ist ein äußerst gutes Beispiel, das zeigt, wozu die Menschheit fähig ist. Euer Handeln zugunsten der Juden befindet sich tief im Herzen der Geschichte des jüdischen Volkes.“ Die Griechin äußerte ihre große Wertschätzung dafür, dass sich das Staatsoberhaupt gegen jegliche Art der Diskrimierung einsetze.

Nur zwei Namen auf der Liste

Im September 1943 hatte der deutsche Kommandant der Insel Zakynthos den Bürgermeister aufgefordert, ihm eine detaillierte Liste aller Juden auszuhändigen. Doch Karrer beriet sich mit dem damaligen griechisch-orthodoxen Bischof Chrysostomos. Daraufhin gaben sie dem Besatzer einen Zettel, auf dem sich lediglich zwei Namen fanden – ihre eigenen. Gleichzeitig rieten sie den Juden, sich in den Häusern von Christen auf den Hügeln zu verstecken.

Der Befehl der deutschen Besatzer wurde aufgehoben. Als sie im Oktober 1944 von der Insel abzogen, waren alle 275 Juden unversehrt. Für ihre Rettungstat erhielten Karrer und Chrystostomos 1978 den Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“. Es ist die höchste Auszeichnung, die das jüdische Volk verleiht.

Zakynthos wurde 1953 von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Dieses zerstörte auch die sephardische Synagoge. 1992 ließ der Rat der jüdischen Gemeinden in Griechenland am ehemaligen Standort des Gebetshauses zwei Marmorstelen errichten. Sie erinnern an den Bischof und an den Bürgermeister, die während der Nazizeit außergewöhnliche Zivilcourage zeigten. (eh)

Von: eh

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