Neben der Balsampflanze ist auf dem Amethyst ein Vogel abgebildet – vermutlich eine Taube

Neben der Balsampflanze ist auf dem Amethyst ein Vogel abgebildet – vermutlich eine Taube

Balsam – ein biblisches Geheimnis

Ein vor 2.000 Jahren verlorengegangener Edelstein gibt Aufschluss auf eines der bestgehüteten Geheimnisse der Bibel. Er zeigt einen Baum, aus dem Balsam gewonnen wurde.

JERUSALEM (inn) – Balsam war eine Pflanze, aus der Menschen in biblischer Zeit ein betörendes Parfum gewannen. Dieses wurde für teures Geld in die ganze damalige Welt exportiert. Auch die berühmte Kleopatra liebte es. Bis heute ist unbekannt, aus welchem Baum dieses Parfum hergestellt wurde. Seit Jahren versuchen Forscher, diesem Balsam vor allem in Ein Gedi am Toten Meer auf die Spur zu kommen.

Jetzt haben Archäologen in einem Abflusskanal unter dem großen Zugang zum Tempelberg in Jerusalem einen 10 Millimeter großen lilafarbenen Amethyststein gefunden. Er hatte sich offenbar im 1. Jahrhundert nach Christus vom Ring eines reichen Juden gelöst und war in den Abwasserkanal gefallen. In den Stein eingeritzt ist die erste bekannte Abbildung der Balsampflanze, mitsamt ihren Blättern und Früchten.

Herstellung von Parfüm, Weihrauch und Medizin

Mit dem Amethyst können die Forscher nun erneut nach der seltenen Pflanze suchen und so vielleicht eines der berühmtesten und bestgehüteten Geheimnisse der Bibel lüften. Die Pflanze, deren moderner wissenschaftlicher Name commiphora gileadensis lautet, war in der Mischna-Zeit als „Balsam von Gilead" (tzari auf Hebräisch), „Balsambaum" (nataf) oder „Persimone" bekannt. Sie wurde zur Herstellung von Parfüm, Weihrauch und Medikamenten verwendet. Erstmals ist diese Pflanze nun auf einem Siegelstein abgebildet entdeckt worden.

Balsam wird in der Bibel mehrfach erwähnt. So heißt es etwa in 1. Mose 37,25 über Josefs Brüder: „Und sie setzten sich nieder, um zu essen. Indessen hoben sie ihre Augen auf und sahen eine Karawane von Ismaelitern kommen von Gilead mit ihren Kamelen; die trugen kostbares Harz, Balsam und Myrrhe und zogen hinab nach Ägypten.“

Von: Ulrich W. Sahm