Das Gelände ist etwa so groß wie ein heutiges Fußballfeld

Das Gelände ist etwa so groß wie ein heutiges Fußballfeld

Größte byzantische Weinfabrik der Welt entdeckt

Südlich von Tel Aviv entdecken Archäologen eine Anlage, in der vor 1.500 Jahren Wein hergestellt wurde. Dieser war seinerzeit in Europa begehrt.

JAVNE (inn) – In Israel ist eine 1.500 Jahre alte byzantinische Weinfabrik in der Größe eines modernen Fußballfeldes ausgegraben worden. Sie zeigt, wie Winzer die Nachfrage nach hochwertigem Weißwein deckten, der in der gesamten antiken Welt beliebt war. In der Stadt Javne, etwa 23 Kilometer südlich von Tel Aviv gelegen, konnten fünf Weinpressen nach Angaben der Israelischen Altertumsbehörde einst rund 2 Millionen Liter pro Jahr produzieren.

Das Gelände der ehemaligen Weinfabrik aus der Vogelperspektive

Das Gelände der ehemaligen Weinfabrik aus der Vogelperspektive

Jede Weinpresse war 225 Quadratmeter groß, wobei jeweils noch ein Trittboden dazu gehörte. Dort wurden die Trauben barfuß zerkleinert, um die Flüssigkeit zu extrahieren. Ebenso wurden Fächer für die Gärung des Weins gebaut. Daneben fanden sich zwei riesige achteckige Fässer zum Sammeln des Weins.

Die steinernen Strukturen sind so gut erhalten, dass es immer noch leicht ist, sich den Weinherstellungsprozess vorzustellen – von der Plattform, auf der sich die Traubenstapel unter ihrem eigenen Gewicht auftrennen und den Saft für die erlesensten Weine freisetzen, über den Boden, auf dem die Trauben gestampft werden, bis hin zu den Auffangwannen.

Von Gaza ins Ausland verschifft

Dutzende von großen und dünnen Weinkrügen, die in großen Brennöfen vor Ort hergestellt wurden und bis zu 25 Liter fassen können, wurden ebenfalls gefunden. Solche Krüge mit Deckel konnten stabil in Öffnungen gesteckt werden, die noch erhalten geblieben sind.

Diese seien als „Gaza-Gefäße" bekannt und seien von den nahe gelegenen Häfen Aschkelon und Gaza ins Ausland verschifft worden, hieß es aus der Altertumsbehörde. Solche Krüge wurden in ganz Europa gefunden – ein Beweis dafür, dass der Wein sehr begehrt war.

Diese Amphoren wurden bei der Ausgrabung entdeckt

Diese Amphoren wurden bei der Ausgrabung entdeckt

Jon Seligman, einer der Ausgrabungsleiter, erklärte, dass Wein in der Antike ein weit verbreitetes Getränk war, das sowohl Kindern als auch Erwachsenen serviert wurde. Er wurde oft als Ersatz für Wasser verwendet, das nicht immer sicher zu trinken war, oder als Zusatzstoff zur Verbesserung des Geschmacks und des Nährwerts.

„Fünf riesige Weinpressen direkt nebeneinander zu haben, zeigt, dass es hier ein industrielles Design gibt“, sagte Seligman. „Es ist unmöglich, zu wissen, wie der Wein damals geschmeckt hat.“ Er wies darauf hin, dass antike Texte das Getränk als einen leichten Weißwein beschrieben, der „angenehm im Geschmack“ war.

Riesige Anlage

Nach Angaben der Altertumsbehörde handelt es sich um die größte „Weinfabrik“ in der damaligen Zeit. Die Anlage umfasst eben die fünf prächtigen Weinpressen, Lagerhäuser für die Reifung und Vermarktung des Weins und Öfen zum Brennen der Tonamphoren, in denen der Wein gelagert wurde. Hinzu kommen Zehntausende von Fragmenten und intakte irdene Amphoren, also aus Ton, sowie ein gut geplanter Zugang zwischen den Einrichtungen.

Die Ausgrabungen sollen wieder zugeschüttet werden, um sie vor den bevorstehenden Winterregen zu schützen. Doch ist geplant, sie zu renovieren und im nächsten Jahr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ein Bericht in den Fernsehnachrichten nannte auch wunderbar geschnitzte steinerne Nischen. Sie zeigen, wie wohlhabend die Besitzer der Weinpresse waren. Ebenso hieß es, dass die freien Flächen in der „Weinfabrik“ so riesig waren, dass sie dem damaligen Sanhedrin (Hohen Rat) genügend Platz boten, um dort zu tagen.

Der Sanhedrin war eine Versammlung von 71 Gelehrten, später Rabbiner, die in jeder Stadt als Tribunal dienten. Im Jerusalemer Sanhedrin wurde Jesus zum Tode verurteilt und zu Pontius Pilatus geschickt. Dieser sollte als römischer Statthalter das Urteil aussprechen und vollstrecken, da die jüdische Bevölkerung unter römischer Besatzung dazu nicht befugt war.

Von: Ulrich W. Sahm