Einfach zu Hause einnehmen: Bei einer Impfung per Tablette wäre kein speziell geschultes Personal zur Verabreichung nötig

Einfach zu Hause einnehmen: Bei einer Impfung per Tablette wäre kein speziell geschultes Personal zur Verabreichung nötig

Mit neuen Mitteln gegen das Coronavirus

Eine israelische Firma will Corona-Impfungen revolutionieren: In Form einer Tablette wäre das Vakzin schneller zu produzieren, einfacher zu lagern und angenehmer zu verabreichen. Tests sollen zeitnah beginnen. Bei einem anderen israelischen Mittel ist die Produktion bereits angelaufen.

JERUSALEM (inn) – Die israelisch-amerikanische Firma Oramed mit Sitz in Jerusalem will einen Corona-Impfstoff in Form einer Pille auf den Markt bringen. Am Wochenende verkündete die Firma eine Kooperation mit dem indischen Impfstoffhersteller Premas Biotech. Sie haben ein Gemeinschaftsunternehmen namens Oravax gegründet. Oramed wird die orale Darreichungsform bereitstellen und Premas den Impfstoff.

Orameds Technologie erlaubt es, dem Körper Stoffe über den Mund zuzuführen, die sonst per Spritze verabreicht werden. So läuft etwa bei der amerikanischen Arznei- und Lebensmittelbehörde FDA gerade ein Zulassungsverfahren in der 3. Phase für Insulinkaspeln von Oramed zur Behandlung von Diabetes des Typs 1 und 2.

Viele Vorteile

Der Impfstoffkandidat von Premas richtet sich gleich gegen drei Strukturproteine des Coronavirus. Damit greift er nicht nur die „Krone“ an, also das Oberflächenprotein von Sars-CoV-2, wie die Stoffe von Biontech und Moderna. Dadurch soll das Vakzin „sehr viel resistenter gegen Varianten des Coronavirus sein“, sagte der Geschäftsführerer von Oramed, Nadav Kidron, gegenüber der Zeitung „Jerusalem Post“.

Laut Kidron ist die geplante Schluckimpfung nicht nur schneller und günstiger herzustellen als die Stoffe der Konkurrenz. Bei oraler Darreichung träten gemeinhin weniger Nebenwirkungen auf. Zudem könnten die Tabletten bei Kühlschanktemperaturen verschifft und sogar bei Raumtemperatur gelagert werden. Hinzu komme: „Eine COVID-19-Schluckimpfung könnte die Menschen dazu befähigen, sie bei sich zu Hause einzunehmen.“

Hoffen auf baldige Tests

Oravax will im zweiten Quartal dieses Jahres mit einer ersten klinischen Studie beginnen. Es bewirbt sich unter anderem für Tests in den USA, Israel und der EU. Zudem hofft die Firma auf Zulassungen in Afrika. Der Kontinent könnte aufgrund der einfachereren Logistik besonders von der Impftablette profitieren.

Derweil ist es um einen anderen, bereits im Februar 2020 angekündigten israelischen Schluckimpfstoff des Forschungszentrums Galiläa still geworden. Die „Jerusalem Post“ berichtet, dass sie auf wiederholte Anfragen nach einem Zwischenstand keine Antwort erhalten habe. Zudem berichtet die israelische Tageszeitung „Ha'aretz“, dass der Chef des Instituts für Biologische Forschung, Schmuel Schapira, überraschend im Mai seinen Posten aufgibt. Die Forschung des israelischen Instituts an einem Corona-Impfstoff war seit Längerem ins Stocken geraten.

Spray gegen Corona

Ein anderes Mittel ist hingegen schon weiter: In Israel ist die Massenproduktion für das Nasenspray Enovid angelaufen. Es soll 99,9 Prozent aller Viren abtöten. Laut Erfinderin Gilly Regev hätte das Spray einen Großteil der Pandemie verhindern können. Nun hoffe sie, dass das Nasenspray „viele Leben von Menschen rettet in den Ländern, die noch auf einen Impfstoff warten“.

Enovid wurde von der kanadischen Firma Sanotize entwickelt, die Regev mitbegründete. Für Israel hat es bereits eine Zulassung. Auch in Neuseeland und Großbritannien strebt die Firma eine Genehmigung an.

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Zusätzlicher Nutzen

Es ist sozusagen ein Desinfektionsmittel für die Nase und schützt die Atemwege vor allen Arten von Infektionen. Als zentraler Wirkstoff dient Stickstoffmonoxid. Normalerweise wird dieses in Gasflaschen an Krankenhäuser geliefert. Sanotize habe die vergangenen zwölf Jahre an einem Weg gearbeitet, es flüssig verabreichen zu können, sagte Regev der Online-Zeitung „Times of Israel“. Alle eingesetzten Komponenten würden auch in der Lebensmittelindustrie verwendet und seien sicher. In der Produktionsstätte nahe Tel Aviv sollen schon bald bis zu eine Million Fläschchen monatlich vom Band laufen.

Vergangene Woche gaben Sanotize und die Stiftung der Ashford- und Sankt-Petrus-Krankenhäuser des britischen Gesundheitssystems die Ergebnisse weiterer klinischer Studien bekannt. Diese zeigen, dass Enovid auch bei einer bestehenden COVID-Erkrankung Dauer und Schwere des Verlaufs mindern kann.

Derzeit meldet Israel 14.403 aktive Corona-Infektionen. Darunter gelten 500 Fälle als schwerwiegend. Die Rate positiver Testergebnisse liegt bei 1,7 Prozent. Seit Beginn der Pandemie sind 6.131 Israelis in Zusammenhand mit COVID-19 gestorben.

Von: tk