Amit Re'em beim Ritualbad in Gethsemane

Amit Re'em beim Ritualbad in Gethsemane

Erster Fund aus der Zeit Jesu in Gethsemane

An dem Ort, wo Jesus laut dem Neuen Testament seine letzten Stunden vor Verrat und Kreuzigung verbrachte, wird erstmals ein Relikt aus der zweiten Tempelperiode entdeckt. Über mehrere Ecken könnte dies mit den biblischen Angaben zusammenpassen.

JERUSALEM (inn) – An der vermuteten Stelle des neutestamentlichen Gartens Gethsemane haben Archäologen ein Tauchbad für rituelle Waschungen gefunden. Es ist der erste Fund an dem Ort aus der Zeit des Zweiten Tempels in Jerusalem. Die vier Evangelien berichten, dass Jesus sich nach dem letzten Abendmahl und vor seiner Kreuzigung nach Gethsemane zurückzog. Dort rang er im Gebet mit Gott und wurde danach verraten und verhaftet.

Der Leiter der Israelischen Altertumsbehörde für den Bezirk Jerusalem, Amit Re'em, erklärte am Montag: „Erstmals haben wir archäologische Belege, dass hier zur Zeit des Zweiten Tempels, als Jesus lebte, etwas war.“ Zwar liefere der Fund keine direkte Bestätigung für die neutestamentlichen Berichte. Jedoch deute er darauf, dass sich zu jener Zeit eine Ölpresse an der Stelle befand. Das wiederum würde gut zur christlichen Überlieferung passen.

Jüdische Gesetze für Ölherstellung

Die Entdeckung von Ritualbädern, sogenannten Mikwes, sei an sich nichts Besonderes, sagte Re'em gegenüber der Online-Zeitung „Times of Israel“. Davon seien in Israel mittlerweile Dutzende, wenn nicht Hunderte, bekannt. Doch zur Zeit Jesu müsse Gethsemane ein Feld mit Olivenbäumen außerhalb der Stadtmauer gewesen sein. Wahrscheinlich habe sich dort auch eine Olivenpresse befunden, obwohl bisher keine Anzeichen dafür gefunden wurden – „Gethsemane“ bedeutet auf Althebräisch „Kelter der Öle“. Das Ritualbad hänge zusammen mit der notwendigen rituellen Reinheit im landwirtschaftlichen Kontext.

Die meisten Bäder würden entweder in Häusern reicher Einzelpersonen oder in einst landwirtschaftlichen Gebieten gefunden. Re'em erläutert: „Laut dem jüdischen Gesetz muss man rituell rein sein, um Wein oder Öl zu verarbeiten. Die Wahrscheinlichkeit ist also groß, dass hier zur Zeit Jesu eine Ölpresse stand.“ Die Archäologen bestimmten das Alter des Bades unter anderem mittels Stratigraphie, der Untersuchung von Erdschichten.

Warnung vor Enthusiasmus

Im nächsten Schritt werden laut Re'em Mörtelproben genommen. Auf Mikroskopie spezialisierte Archäologen sollen sie dann auf Pollenstaub von Olivenbäumen untersuchen. Re'em warnt jedoch: Selbst wenn das Vorhandensein einer Ölpresse nachgewiesen werden könne, sei dies kein Beweis für den Wahrheitsgehalt der Evangelien.

Möglich wurde der Fund des Bades durch Bauarbeiten an einem Tunnel, der die römisch-katholische „Kirche aller Nationen“ vor der Konstruktion eines neuen Besucherzentrums mit dem Kidrontal verbinden soll.

Von: tk