Die Überreste der Fabrik geben den Archäologen Aufschluss auf die Seifenherstellung in frühislamischer Zeit

Die Überreste der Fabrik geben den Archäologen Aufschluss auf die Seifenherstellung in frühislamischer Zeit

Ausgegrabene Seifenfabrik verarbeitete Olivenöl

In der Beduinenstadt Rahat entdecken Archäologen die Überreste einer 1.200 Jahre alten Seifenfabrik. Der Fund ist eine Besonderheit, weil die bislang bekannten Anlagen einer späteren Zeit entstammen.

RAHAT (inn) – Eine Seifenfabrik aus der islamischen Zeit haben Archäologen der Israelischen Altertumsbehörde (IAA) in der Wüste Negev freigelegt. Dabei erhielten sie Unterstützung von Schülern. In der 1.200 Jahre alten Anlage wurde einst Seife aus Olivenöl hergestellt.

Der Komplex besteht aus einem großen Gebäude mit Säulen, das nach Erkenntnis der Archäologen einer wohlhabenden Familie gehörte. Diese habe offenbar von der Seifenherstellung gelebt – mit örtlichem Verkauf und möglicherweise auch mit Export. Die harten Bedingungen in der Wüste mit Wind und Sandstürmen machten schon damals eine gute Hygiene notwendig.

Laut Mitteilung der IAA enthält der Komplex in Rahat alles, was für die Seifenherstellung nötig war. Dafür wurde Olivenöl mit Asche von Salzkraut vermischt, die Pottasche und Wasser enthält. „Die Mischung wurde etwa sieben Tage lang gekocht, bevor das flüssige Material in ein flaches Becken gegossen wurde. Dort wurde die Seife etwa zehn Tage lang gehärtet, bis sie in Streifen geschnitten werden konnte.“ Anschließend wurden die Seifenstücke noch zwei Monate getrocknet.

Olivenöl statt Schweineschmalz

Die industrielle Seifenherstellung begann im Mittelalter in Europa. Christen verwendeten dafür Schweineschmalz, das leichter zu verarbeiten ist als Olivenöl. Doch der Schmalz ist für Muslime tabu. Die Expertise für die Verarbeitung des Olivenöls haben Araber von Generation zu Generation weitergegeben und bis heute bewahrt. Eine moderne Fabrik in Nablus führt die antiken Methoden fort.

An der Ausgrabungsstätte in der Beduinenstadt Rahat soll ein neues Stadtviertel entstehen. Bürgermeister Fahis Abu Sahiben kündigte an, die Fundstücke in einem Besucherzentrum auszustellen – für Touristen und örtliche Interessenten. In einem Video der IAA betonte er: „Diese Stadt hat islamische Wurzeln, und wir sind stolz auf diese Wurzeln.“

Dies sei das erste Mal, dass eine so alte Seifenfabrik entdeckt wurde, heißt es in der Mitteilung der Altertumsbehörde. „Dadurch können wir den traditionellen Herstellungsprozess der Seifenindustrie nachempfinden. Aus diesem Grund ist es ziemlich einmalig. Wir sind mit den großen Zentren zur Seifenproduktion aus einer viel späteren Periode vertraut – der osmanischen Periode. Sie wurden in Jerusalem, Nablus, Jaffa und Gaza entdeckt.“ Diese osmanische Zeit begann im Jahr 1517.

Ein vertrautes und ein unbekanntes Spiel

Auch zwei alte Spiele haben die Ausgräber entdeckt: Das eine ist ein Mühlespiel, wie es von Ausgrabungen aus der Römerzeit im 2. und 3. Jahrhundert bekannt ist. Das andere Spiel heißt „Hunde und Schakale“ oder auch „58 Löcher“. Die ursprünglichen Regeln sind nicht mehr bekannt. Es wurde im alten Ägypten gespielt und verbreitete sich etwa 2000 vor der Zeitrechnung im Mittelmeerraum und in Mesopotamien.

Das Mühlespiel war bereits in der Römerzeit bekannt

Das Mühlespiel war bereits in der Römerzeit bekannt

Bei der Ausgrabung haben die Archäologen mit der örtlichen beduinischen Gemeinde zusammengearbeitet, schreibt die Onlinezeitung „Times of Israel“. Auch die Behörde für die Entwicklung und Ansiedlung der Beduinen im Negev war beteiligt.

Von: eh

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