Der Arabische Wolf ist vom Aussterben bedroht

Der Arabische Wolf ist vom Aussterben bedroht

Angriffe von Wölfen häufen sich

Wölfe laufen in der Regel weg, wenn sie einen Menschen sehen. Doch in der Judäischen Wüste häufen sich die Angriffe der Wildtiere auf Menschen. Teile des Naturparks Ein Gedi wurden deswegen geschlossen. Eine beachtliche Mitschuld an dem veränderten Verhalten der Tiere trägt der Mensch, wie die Naturparkbehörde betont.

JERUSALEM (inn) – In den vergangenen vier Monaten gab es in der Judäischen Wüste in Südisrael mindestens zehn Angriffe von Wölfen auf Menschen. Nun wurden Teile des Naturparkreservats Ein Gedi geschlossen.

Der letzte Angriff erfolgte am Montag in der Nähe des Flussbetts Nahal David. Mitarbeiter der israelischen Naturparkbehörde suchen derzeit nach dem Tier. Fast alle zehn Angriffe richteten sich gegen kleine Kinder, wie die Tageszeitung „Ha'aretz“ berichtet.

Chaim Berger, ein Experte, der das Verhalten der Wölfe analysiert hat, erklärte, die Gefahr sei ernst. Die Tiere griffen nicht an, um zu drohen oder zu spielen, sondern sähen in den Kindern Beute. Berger verglich das Verhalten der Wölfe in Israel mit dem in anderen Ländern. Dabei stellte er fest, dass das Phänomen in den USA weitestgehend unbekannt ist, obwohl es dort deutlich mehr Wölfe gibt. Allerdings hätten die Menschen in Israel bislang kein besonderes Bewusstsein im Zusammenleben mit wilden Tieren, wie dies in den USA oder Kanada der Fall sei.

Wölfe passen sich an

Dem Verhalten der Wölfe in Israel liege ein langer Prozess einer gefährlichen Akklimatisierung zugrunde, erklärte Berger laut „Ha'aretz“. Sie hätten gelernt, dass es nicht nur nicht notwendig sei, den Menschen zu fürchten, sondern dass dieser durchaus eine Nahrungsquelle sein könne. „Stellen sie sich einen Wolf vor, der einige Tage keine Nahrung gefunden hat. Dann kommen Menschen an und grillen, der Duft breitet sich im ganzen Wadi aus. Der Wolf verbindet also Menschen mit Nahrung. Da gibt es einen Prozess der Anpassung“, sagte Berger.

Der erste Wolfsangriff in diesem Jahr ereignete sich im Mai nahe der Felsenfestung Massada. Eine Familie mit zwei kleinen Kindern zeltete zusammen mir anderen Menschen in der Gegend. „Plötzlich kam ein Tier herein, das aussah wie ein Hund, aber ich wusste, das ergibt keinen Sinn“, erzählte Schilhav Ben David. Sie habe geschrieen und versucht, das Tier zu vertreiben. Es reagierte jedoch kaum. Erst als weitere Personen dazukamen, verzog sich das Tier. Da habe sie erkannt, dass es sich um einen Wolf handelte.

Wenige Stunden später sei der Wolf zurückgekommen. Sie habe ihre Tochter schreien hören und das Tier über dem Mädchen gesehen. „Ich bin gerannt, habe sie geschnappt. Da waren Blut und Abdrücke von den Zähnen in ihrem Rücken“, sagte Ben David weiter. Der Wolf habe das Mädchen nicht angreifen, sondern als Beute wegschleppen wollen. Ihre Tochter sei die Kleinste unter den anwesenden Kindern gewesen.

Nach diesem Fall gab es neun weitere Angriffe. Fast alle richteten sich gegen Kleinkinder oder Babys. Bei einem der jüngsten Vorfälle habe ein Wolf nahe Ein Gedi ein Baby geschnappt. Es lag auf dem Bauch seines Vaters am Lagerfeuer. Keiner der Anwesenden hatte den heranschleichenden Wolf bemerkt. Dem Bericht zufolge verliefen alle Attacken glimpflich, mit leichten Verletzungen für die Kinder.

„Ein Wolf, der keine Angst hat, ist ein Wolf, der angreift.“

Berger selbst hatte bei einer Wanderung mit seiner Familie in der Judäischen Wüste eine Begegnung mit einem Wolf. Das Tier habe sich den Zelten der Familie genähert und sei trotz Anwesenheit der Menschen nicht weggelaufen. „Es kann nicht sein, dass ein Raubtier in deiner Nähe steht und dich nicht fürchtet. Wenn er keine Angst hat, musst du Angst haben. Ein Wolf, der keine Angst hat, ist ein Wolf, der angreift“, so Berger.

Dies waren nicht die ersten Angriffe von Wölfen in Israel. Bereits im Jahr 2008 hatte es bei Massada einen Fall gegeben, bei dem ein Wolf versucht hat, ein drei Jahre altes Mädchen zu verschleppen. Die Naturparkbehörde sprach damals von einem Einzelfall und kündigte an, Campingplätze einzuzäunen. Dies sei jedoch bislang nicht geschehen.

Nach den jüngsten Vorfällen hat Berger die Behörde aufgefordert, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Unter anderem sollten Warnschilder aufgestellt werden. Das Füttern wilder Tiere müsse untersagt werden. Wanderer sollten zudem über die richtige Lagerung von Lebensmitteln und die Müllentsorgung auf Zeltplätzen unterrichtet werden. Ferner schlug er vor, Wölfe mit Sendern auszustatten, um ihre Bewegungen zu verfolgen. Ferner sprach sich Berger für einen Rund-um-die-Uhr-Einsatz von Rangern aus. Diese sollten in der Lage sein, Wölfe ohne tödliche Schusswaffen zu vertreiben.

Mensch trägt Mitschuld

Gilad Gabbai von der Naturparkbehörde bestätigte die zehn Angriffe. Er wies jedoch die Vorwürfe zurück, laut denen seien Behörde die Gefahr ignoriere. Wölfe, die Menschen angreifen, würden verfolgt, betonte er. Außerdem griffen die Ranger mittlerweile zu sogenannten Paintballgewehren. Diese dienten zur Vertreibung und farbigen Markierung der Tiere. Allerdings seien Wanderer mit schuld an dem veränderten Verhalten der Wölfe, da sie diese fütterten. Gabbai forderte die Öffentlichkeit dazu auf, in dieser Sache zu kooperieren und den Anweisungen der Naturparkbehörde zu folgen. Er wies darauf hin, dass in der Judäischen Wüste etwa 20 Wölfe lebten und nur wenige davon an den Angriffen beteiligt seien.

Arabischer Wolf vom Aussterben bedroht

Schätzungen zufolge leben in Israel insgesamt 100 bis 150 Arabische Wölfe. Diese Unterart des Grauwolfs ist mit einem Gewicht von 18 bis 20 Kilogramm die leichteste und auch die kleinste Wolfsart. Die meisten Tiere kommen in den Wüsten in Südisrael vor. Doch auch auf den Golanhöhen und in Galiläa leben einige Wölfe.

Der Arabische Wolf ist neben Israel auch in Syrien, Jordanien und den Wüstengebieten der Arabischen Halbinsel heimisch. Die Population gilt aufgrund der Nachstellungen durch den Menschen als stark bedroht.

Von: dn

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