Josef Mengele auf einem Ausweisdokument im Jahr 1956 in Buenos Aires

Josef Mengele auf einem Ausweisdokument im Jahr 1956 in Buenos Aires

Wie der Mossad KZ-Arzt Mengele jagte

Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad hat Adolf Eichmann vor Gericht bringen können. Warum es ihm beim KZ-Arzt Josef Mengele nicht gelang, zeigt die Recherche eines israelischen Journalisten, der als Erster die Mossad-Akte des „Todesengel von Auschwitz“ auswerten durfte.

TEL AVIV (inn) – Der israelische Investigativjournalist Ronen Bergmann hat erstmals Einsicht in die Akte des israelischen Auslandsgeheimdienstes Mossad erhalten, welche die jahrzehntelange Jagd nach dem KZ-Arzt Josef Mengele dokumentierte. In der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ zeichnet der Journalist das Bild einer gescheiterten Operation nach, die der Mossad über Jahrzehnte „erstaunlich lange schleifen ließ“.

Bis heute ist die Mossad-Akte von Mengele, der im Vernichtungslager Auschwitz für grausame medizinische Experimente an Kindern verantwortlich war, geheime Verschlusssache. Der „Todesengel von Auschwitz“ ist unter dem Namen „Melzer“ abgelegt. Nach mehrjähriger Recherche hat Bergmann die Akte nun aber lesen und auswerten dürfen. Im Januar erscheint dazu sein Buch „Der Schattenkrieg: Israel und die geheimen Tötungskommandos des Mossad“.

Hilflosigkeit des Mossad

Mengele besorgte sich nach Kriegsende Papiere auf den Namen Dr. Josef Memling und tarnte sich in Deutschland als gewöhnlicher Kriegsgefangener. Drei Jahre lebte er unbehelligt in Europa. Im Herbst 1948 floh er dann aus Angst vor der Entdeckung nach Südamerika. Laut Bergmann half ihm dabei ein Netzwerk aus ehemaligen SS-Angehörigen, das seine Kontakte beim Internationalen Roten Kreuz einsetzte.

Die Hilflosigkeit des Mossad schildert Bergmann beispielsweise anhand einer Episode um den 16. März 1983 herum. Der Geheimdienst hatte die Hoffnung, dass Mengeles Sohn Rolf den Vater an dessen Geburtstag kontaktieren würde. Die beiden hatten nur selten Kontakt. Aber im Falle eines Anrufs des Sohnes gab es einen ganzen Plan, mit welchen Tricks der Mossad den Aufenthaltsort Mengeles herausfinden wollte. Zu diesem Zeitpunkt war Mengele aber seit Jahren tot. Im Februar 1979 verstarb er bei einem Badeunfall.

Deutsche Botschaft schwieg über Aufenthaltsort Mengeles

In der Akte steht auch ein Gespräch des deutschen Botschafters in Argentinien. Der wurde zu Mengeles Scheidung im Jahr 1956 befragt, ob er denn nicht wisse, wer Mengele sei, weil die Scheidungsunterlagen in der Botschaft eingingen. Der Botschafter habe geantwortet: „Ich habe aus dem Auswärtigen Amt in Bonn die Anweisung erhalten, mich nicht zu diesem Thema zu äußern.“ Erst im Februar 1959 erließ die Staatsanwaltschaft Freiburg Haftbefehl gegen Mengele.

Im Jahr 1961 empfahl der damalige Generalstaatsanwalt von Hessen, Fritz Bauer, dem Mossad laut der Akte eine Entführung Mengeles. Bauer tat sich in der Nachkriegszeit als Vorreiter in der Verfolgung nationalsozialistischen Unrechts hervor. Er war an der Auslieferung von Adolf Eichmann nach Israel beteiligt und federführend beim ersten Auschwitzprozess in Frankfurt am Main 1963. Aber Bauer sah offenbar Anfang der 1960er-Jahre keinen legalen Weg für Mengeles Auslieferung aus Südamerika. Eine Entführung hielt er für die einzige Möglichkeit, an den KZ-Arzt heranzukommen.

„Mir hoben ihm gefunen, dem kleine Dreck!“

Als der Mossad Mengele am 23. Juli 1962 in einer Farm in São Paulo aufgespürt hatte, sagte der Agent Zvi Malchin auf Jiddisch ins Funkgerät: „Dus is er! Mir hoben ihm gefunen, dem kleine Dreck!“ Aber es gab aus der Zentrale keine Erlaubnis für den Zugriff. Der israelische Geheimdienst war zu dieser Zeit durch viele Operationen im Nahen Osten überlastet. Die Operation in São Paulo verschob sich und Mengele war später nicht mehr auf der Farm zu finden.

Auch als der Mossad Mengele 1962 in Argentinien wiedergefunden hatte, setzte er nur einen einzigen Agenten, Benjamin Rotem, auf ihn an. Dessen Entführungsplan wurde aber abgelehnt. Fast ein Jahrzehnt gab es keine weiteren Bemühungen. Journalist Bergmann bezeichnet die Jagd des Mossad nach Mengele in den folgenden Jahrzehnten als „seltsam planlos“. Deutsche und brasilianische Ermittler fanden letztlich heraus, dass Mengele verstorben war.

Von: mm

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