In Magdala entdeckt: Die älteste bekannte Abbildung der Menorah im Tempel von Jerusalem
In Magdala entdeckt: Die älteste bekannte Abbildung der Menorah im Tempel von Jerusalem
Die Ausgrabungsstätte im Heimatort von Maria Magdalena
Die Ausgrabungsstätte im Heimatort von Maria Magdalena
In Magdala befand sich eine der wenigen entdeckten Synagogen aus der Zeit des zweiten Tempels.
In Magdala befand sich eine der wenigen entdeckten Synagogen aus der Zeit des zweiten Tempels.
Das Versammlungshaus war mit Mosaiken geschmückt.
Das Versammlungshaus war mit Mosaiken geschmückt.
Die Rosette erinnert an das Allerheiligste im Jerusalemer Tempel.
Die Rosette erinnert an das Allerheiligste im Jerusalemer Tempel.
Säulen der Synagoge dienten während des Aufstandes 68 n. Chr. zur Befestigung von Magdala.
Säulen der Synagoge dienten während des Aufstandes 68 n. Chr. zur Befestigung von Magdala.
Der Fischladen war direkt an das Grundwasser angeschlossen.
Der Fischladen war direkt an das Grundwasser angeschlossen.
Auf dem Ausgrabungsgelände entsteht eine kleine Kirche für die Pilger.
Auf dem Ausgrabungsgelände entsteht eine kleine Kirche für die Pilger.
Pater Kelly benutzt die Nachbildung des Fischerbootes als Predigtkanzel.
Pater Kelly benutzt die Nachbildung des Fischerbootes als Predigtkanzel.
Dieses rituelle Tauchbad wurde durch Grundwasser gespeist.
Dieses rituelle Tauchbad wurde durch Grundwasser gespeist.
Die Kinder der freiwilligen Helfer lernen, Mosaiken zu basteln.
Die Kinder der freiwilligen Helfer lernen, Mosaiken zu basteln.

Magdala, die neue heilige Stätte am See Genezareth

Maria Magdalena ist aus dem Neuen Testament als eine treue Nachfolgerin Jesu bekannt. Nun haben Archäologen einzigartige Fundstücke in ihrer Heimatstadt Magdala freigelegt.

Am Strand des Sees Genezareth war schon mit dem Bau eines weiteren Hotels sechs Kilometer nördlich von Tiberias begonnen worden. Betonsäulen wurden nahe dem Ufer in den Boden gerammt, bis die Altertumsbehörde den Archäologen Arfan Nadschar beauftragte, nach dem Rechten zu schauen und zu prüfen, ob das Hotel auf historischem Untergrund errichtet werden sollte. Nadschar ist Moslem und stammt aus Dabburija, einem Dorf am Fuß des Berges Tabor in Galiläa. Zwanzig Jahre lang hat er im biblischen Skythopolis bei Beit Schean das „Pompeji“ des Landes Israel ausgegraben und konserviert. Die Stadt ist im Jahr 749 nach Christus durch ein Erdbeben völlig zerstört worden.

Der neue Auftrag, das biblische Magdala neben dem noch unfertigen Hotelneubau freizulegen, wurde für Nadschar zur „Herausforderung meines Lebens“. Er legte nicht nur die kleine Hafenstadt Magdala mit dem griechischen Namen Taricheae frei, sondern entdeckte auch eine antike Synagoge, die bereits vor der Zerstörung des zweiten Tempels in Jerusalem durch die Römer im Jahr 70 nach Christus existiert hat. Sie ist etwas Besonderes, weil bislang nur sieben so alte Synagogen bekannt sind, etwa auf Massada am Toten Meer, auf dem Herodion nahe Bethlehem, in Jericho, in Modi‘in am Rand der Küstenebene und in Gamla auf den Golanhöhen.

Diese „Synagogen“, „Häuser der Zusammenkunft“, waren keine heiligen oder gottesdienstlichen Stätten, sondern Lehr- und Versammlungshäuser mit steinernen Bänken und in der Mitte einem steinernen Podest für Torahrollen. „Jeder weiß, dass Jesus in dieser Gegend herumzog und predigte“, erklärt Nadschar. Aber in Kapernaum ist die Synagoge aus der Zeit Jesu nur als Schicht schwarzer Basaltsteine unter dem später errichteten byzantinischen Prachtbau zu erkennen.

Mutmaßliche Predigtstätte Jesu

In dem 68 nach Christus zerstörten Magdala fand Nadschar eine Stadt, deren zentraler Versammlungsraum anhand der gefundenen Münzen exakt datiert werden konnte. Im Jahr 30 war die mit Fresken und Mosaiken geschmückte Synagoge fertig. „Wenn Jesus im Jahr 33 in Jerusalem gekreuzigt wurde, und vorher, wie das Neue Testament berichtet, mit seinen Jüngern durch Galiläa zog, ist klar, dass er auch hier in Magdala in diesem Raum gepredigt hat“, erklärt Nadschar, an der Stelle stehend, wo Jesus vor 200 Versammelten gepredigt haben dürfte.

Ein wahres „Geschenk“ war für den Archäologen die Entdeckung des „Tisches“, eines behauenen Steins, der symbolisch den damals in Jerusalem noch stehenden Tempel nachbildete. Nadschar zeigt auf die „älteste je gefundene originalgetreue Menorah (siebenarmiger Leuchter) und sämtliche Tempelgeräte“. Oben drauf ist eine Rosette in den Stein gehauen. „Sie symbolisiert das Allerheiligste im Tempel“, sagt Nadschar. Manche Motive auf dem Stein geben den Forschern noch Rätsel auf. Im Mosaikboden des Raumes, hinter den Steinbänken, ist neben Mäandern auch eine solche Rosette mit bunten Steinchen eingelassen.

Nadschar führt seine Besucher zu einer 2.000 Jahre alten Ladenstraße: „Magdala war berühmt für seinen eingesalzenen Fisch.“ Die Archäologen haben viele Fischgräten gefunden. In jedem der fünf identisch großen Läden entlang der antiken Straße sind steinerne Stufen zu sehen. Unten steht Wasser, das hier für das Bearbeiten der Salzfische geschöpft wurde. „Das ist Grundwasser vom See Genezareth“, sagt Nadschar.

Bis zur Einweihung der Stätte durch den lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fuad Twal, einen Tag nach dem Papstbesuch in Israel Ende Mai, sollen noch Tafeln aufgestellt werden, um die Steine und Treppen in ein lebendiges Erlebnis zu Handwerk und Leben in Jesu Zeit zu verwandeln.

Kirchlein für Pilger entsteht

Der vielsprachige Pater Eamon Kelly ergänzt Nadschars Ausführungen. Er zeigt ein noch unfertiges Kirchlein mit 200 Sitzplätzen. Anstelle des Altars steht da eine in Deutschland mit libanesischem Zedernholz gefertigte Nachbildung eines Fischerbootes, wie es vor 2.000 Jahren auf dem See Genezareth verwendet wurde. Die Mosaiken in vier Kapellen mit 50 Sitzplätzen für jeweils eine Busladung Pilger, und vor allem die marmornen Säulen in dem Kirchlein, sind Frauen aus der Bibel gewidmet, darunter natürlich Maria Magdalena. Sie war neben Maria, der Mutter Jesu, die wohl wichtigste Frau im Leben Jesu und stammte aus Magdala, wie ihr Name verrät. Im Neuen Testament wird sie öfter erwähnt als mancher Apostel. Pater Kelly zeigt auf eine Säule ohne jeden Namen: „Diese Säule ist allen Frauen gewidmet. Pilgerinnen sind gerührt, umarmen die Säule und lassen sich mit ihr ablichten.“ Neben dem Kirchlein zeigt uns der Pater noch Überreste des alten Hafens.

Abschließend treffen wir Elisabeth aus Fulda und andere Volontäre, die unter anderem aus Südamerika, Norwegen, Schweden und den Niederlanden kommen. Pater Kelly spricht alle in ihrer Muttersprache an, während sich die jungen Leute „deutsches Brot“ mit Hummus schmieren und mit Schinken und Schnittkäse belegen. 800 Freiwillige aus aller Welt haben in den vergangenen Jahren bei den Ausgrabungen geholfen.

Mikwe mit Grundwasser

Auf dem Weg zum Eingang verweist Nadschar noch auf Ruinen von Häusern der „wohlhabenden Bewohner Magdalas“. In jedem Haus gab es ein rituelles Tauchbad, eine Mikwe, wie sie fromme Juden damals wie heute für die rituelle Reinigung benötigen. „Außer einer Mikwe bei Köln in Deutschland sind dieses die einzigen Tauchbäder der Welt, die mit Grundwasser gefüllt sind“, erklärt der muslimische Experte für jüdische Sitten und biblische Geschichte.

Im kleinen Café mit Tischen und Stühlen für die Besucher, die jetzt schon kommen, um die neue Attraktion am See Genezareth zu erkunden, weist Elisabeth die kleinen Kinder der Volontäre ein. Sie lernen, auf Pappkartons mit Klebstoff selber Mosaikbilder zu basteln, mit kleinen Steinchen, Scherben und Muscheln, die in Plastikbehältern vor ihnen auf den Tischen stehen.

Von: Ulrich W. Sahm

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