Das Archiv enthält private und wissenschaftliche Dokumente.
Das Archiv enthält private und wissenschaftliche Dokumente.
Das Urheberrecht für alle Einstein-Fotos hat die Hebräische Universität.
Das Urheberrecht für alle Einstein-Fotos hat die Hebräische Universität.
Eine persönliche Widmung für den berühmten Physiker
Eine persönliche Widmung für den berühmten Physiker
Auch auf dem Außengelände begegnet man Einstein.
Auch auf dem Außengelände begegnet man Einstein.

Das Einstein-Archiv in Jerusalem

In Jerusalem haben Wissenschaftler Zugang zu zahlreichen Dokumenten rund um Albert Einstein. Denn der Nachlass des genialen Physikers wurde der Hebräischen Universität vermacht.

Albert Einstein, wohl das größte menschliche Genie aller Zeiten und Erfinder der allgemeinen Relativitätstheorie, hatte zu Lebzeiten, 1950, sein komplettes Archiv der Hebräischen Universität in Jerusalem testamentarisch vermacht. So kann man dort heute Einsteins private Bibliothek besichtigen und sehen, was ein typischer jüdischer Intellektueller Anfang des vorigen Jahrhunderts in seiner Bibliothek in Berlin stehen hatte, neben den üblichen Gesamtausgaben von Goethe, Schiller und Lessing. Hinzu kamen Bücher, die Einstein als Erwachsener in der Princeton Universität gesammelt hat. Viele Büchern enthalten persönliche Widmungen literarischer Größen seiner Zeit.

Für Wissenschaftler stehen zudem die handgeschriebenen 80.000 Manuskripte Einsteins zur Verfügung. Mit wissenschaftlichen Anmerkungen versehen, sollen sie in 30 großen Bänden veröffentlicht werden. Bisher sind nur 13 Bände erschienen. Die Herausgabe des Archivs steht in der Verantwortung von Cal-Tech in Kalifornien, in enger Zusammenarbeit mit dem Einstein-Archiv in Jerusalem. Das erklärte Archivdirektor Professor Hanoch Gutfreund.

Da sich der gesamte Einstein-Nachlass im Besitz der Hebräischen Universität befindet, muss eigentlich bei jeder Darstellung des Wissenschaftlers und bei der Verwendung von Fotos die Jerusalemer Universität um Genehmigung gebeten werden. Zusätzlich ist das Urheberrecht von Einstein-Fotos durch die Erben der Fotografen geschützt, etwa das berühmte Bild, wie er die Zunge ausstreckt,.

Das Archiv gelangte in den achtziger Jahren zur Universität. Zuvor hatte die Tochter von Margot, der Frau Einsteins, zusammen mit dessen Sekretärin Helen Dukas aus den Papierbergen 1.500 Dokumente auf 3.000 Seiten herausgefiltert. Vor allem private Briefe an Freunde und Freundinnen sollten erst 20 Jahre nach dem Tod Margots der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

„Dieser Corpus ist noch nicht wissenschaftlich aufgearbeitet und nicht komplett veröffentlicht. Aber es gibt da keine Geheimnisse mehr“, sagt Gutfreund. Der Einsteinbiograf Walter Harrison habe vollen Zugang zu diesem privaten Archiv gehabt und so ein positiveres Bild von Einsteins Familienleben zeichnen können.

„Noch Tausende Arbeitsstunden bis zur Atombombe“

Einstein gilt als „Vater der Atombombe“. Gutfreund reagiert ungehalten auf diese These. „Das ist ein großer Irrtum, der Einstein bis an sein Lebensende sehr bekümmerte.“ Mit der Relativitätstheorie habe Einstein festgelegt, dass Masse auch Energie bedeute. So funktioniere die Sonne und die Atombombe. Doch bis zum Bau einer Atombombe seien noch „Tausende Arbeitsstunden von Wissenschaftlern und Tests notwendig gewesen, womit Einstein nichts mehr zu tun hatte“, sagt Gutfreund. Einstein habe lediglich die gedankliche Basis dafür und Antworten auf viele andere offene Fragen der Physik geliefert.

Gutfreund hält Versuche, Einsteins Hirn zu untersuchen, um so auf die Spur seines Genies zu kommen, für „makaber“. Einstein habe die Fähigkeit gehabt, die richtigen Fragen zu stellen und dann alternative Antworten zu liefern. Dazu waren ganze Heere von Wissenschaftlern an den Universitäten unfähig. Gutfreund erzählt: „Mit 26 hat der junge Einstein in Bern beim Patentamt gearbeitet. So stieß er auf alle großen Dilemmas der Physik, wie sie an den Universitäten gelehrt worden sind. Ohne den Zwängen und Konventionen der Universitäten ausgesetzt zu sein, hatte Einstein die Chuzpe, eigene Standpunkte zu entscheidenden Fragen in fünf wissenschaftlichen Aufsätzen vorzustellen.“

Einstein habe schon als Zwölfjähriger wissenschaftliche Werke gelesen und dabei „jeglichen Respekt für Autoritäten“ verloren. Die Herausforderung war nun, ohne einem Dogma verpflichtet zu sein, neue Wege zu gehen und unkonventionelle Antworten für bestehende Fragen zu finden. „Denn es reicht nicht, nur Fragen zu stellen. Man muss auch Antworten liefern“, sagt Gutfreund. Das sei das eigentliche Geheimnis von Einsteins Genie.

Gutfreund berichtet von Plänen für ein weiteres „Einstein-Jahr“ 2015 aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Entdeckung der Relativitätstheorie. Geplant seien Ausstellungen und Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem Max Planck Institut und mit der FU in Berlin, sowie anderen Einrichtungen in Deutschland.

Von: Ulrich W. Sahm

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