Mit der Goldmedaille um den Hals: die erste israelische Olympiasiegerin, Linoy Aschram

Mit der Goldmedaille um den Hals: die erste israelische Olympiasiegerin, Linoy Aschram

Historische Goldmedaille für Kunstturnerin Aschram

In einem packenden Wettkampf sichert sich Linoy Aschram olympisches Gold in der Rhythmischen Sportgymnastik. Damit schreibt sie Geschichte, wie auch eine rumänische Sportlegende feststellt.

TOKIO (inn) – Als erste israelische Frau in der Geschichte der Olympischen Spiele hat Linoy Aschram am Samstag eine Goldmedaille gewonnen. In Tokio entschied sie in einem spannenden Wettkampf die Mehrkampf-Konkurrenz der Rhythmischen Sportgymnastik für sich. Der Vorsprung vor der Zweitplatzierten Russin Dina Averina betrug lediglich 0,15 Punkte.

Aschrams Auftritt bei den Olympischen Spielen hatte denkbar schlecht begonnen: Zum Auftakt der Qualifikation fürs Finale der besten 10 am Freitag verlor sie den Reifen und beendete den ersten Durchgang auf dem 13. Platz. Doch die drei restlichen Übungen absolvierte sie bravourös und erreichte den Endkampf als Dritte hinter Dina Averina und deren Zwillingsschwester Arina.

Nach dem Fehler mit dem Reifen ließ Aschram in der Qualifikation nichts mehr anbrennen

Nach dem Fehler mit dem Reifen ließ Aschram in der Qualifikation nichts mehr anbrennen

Im Finale war von der Unsicherheit der allerersten Übung nichts mehr zu spüren. Mit Reifen, Ball und Keulen erhielt die 22-jährige Israelin hohe Wertungen und stand vor dem entscheidenden vierten Durchgang auf Rang 1. Eine ihrer schärfsten Konkurrentinnen, Arina Averina, musste wegen eines Knotens im Band das Handgerät wechseln. Dieser war offenbar durch die hohe Luftfeuchtigkeit entstanden. Durch das Missgeschick verlor sie wichtige Punkte, weil während der Zeit mit Knoten keines der Elemente in die Wertung einfloss. Am Ende verpasste sie mit 102.000 Punkten und Platz 4 einen Medaillenrang.

Jury macht es spannend

Aschram wiederum verlor in einer sonst exzellent dargebotenen Übung das Band, konnte aber schnell wieder danach greifen, so dass sich der Abzug in Grenzen hielt. Nun hieß es warten, denn Dina Averina kam als Letzte dran. Nach ihrer sehr guten Darbietung machten es die Kampfrichter spannend, doch nach bangen Minuten verkündeten sie die gute Nachricht für Israel: Aschram blieb mit insgesamt 107,800 Punkten auf dem Goldmedaillenrang. Dina Averina kam auf 107,650 Punkte und musste sich mit Silber begnügen. Bronze erhielt Alina Harnasko aus Belarus mit 102,700 Punkten. Die zweite Israelin im Finale, Nicol Selikman, erreichte mit 95,600 Punkten einen guten siebten Rang.

Der russische Einspruch gegen den zweiten Platz wurde indes abgelehnt, und so konnte Israel die dritte olympische Goldmedaille seiner Geschichte feiern. Nun entbrannte im politischen Israel ein Wettkampf, wer der frischgebackenen Olympiasiegerin als Erster gratulierte. Diesen gewann Oppositionsführer Benjamin Netanjahu (Likud). Der frühere Regierungschef wollte offenbar seinem Amtsnachfolger Naftali Bennett (Jamina) zuvorkommen. Dies brachte ihm allerdings Kritik von ultra-orthodoxen Parteien ein – denn er hatte das Gespräch am Schabbat geführt und ein Video davon ins Internet gestellt. Bennett und Staatspräsident Jitzchak Herzog wussten einen solchen Fauxpas zu vermeiden, während Netanjahu um Entschuldigung bat.

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Über die sozialen Medien erreichten Aschram Gratulationen aus Israel und dem Ausland. Auch die erste Kunstturnerin, die je die Traumnote 10 erhielt, meldete sich zu Wort. Nadia Comaneci twitterte: „Linoy Aschram, Glückwunsch. Du hast Geschichte geschrieben!“ Die heute 59-jährige Rumänin gewann bei den Olympischen Spielen 1976 und 1980 insgesamt fünfmal Gold, dreimal Silber und einmal Bronze.

Am Sonntag beim Teamwettbewerb belegten die Russinnen nach jahrelanger Dominanz ebenfalls Rang 2, sie landeten hinter den Bulgarinnen. Drittbeste Mannschaft wurde Italien, die Israelinnen belegten den 6. Platz.

Vier Medaillen: Beste Olympiabilanz für Israel

Neu war in Tokio, dass erstmals in größerem Rahmen an die Opfer des Terroranschlages 1972 in München gedacht wurde. Damals hatten Palästinenser elf Mitglieder der israelischen Olympiamannschaft ermordet. Eine Schweigeminute war diesmal in die offizielle Eröffnungsfeier integriert, was Israel als diplomatischen Erfolg wertete.

Doch in Tokio hat Israel auch aus sportlicher Sicht die bislang erfolgreichsten Olympischen Spiele erlebt. Israelische Athleten gewannen vier Medaillen. Gold errang neben Aschram der Turner Artem Dologpjat. Hinzu kamen Bronze im Taekwondo für Abischag Semberg und für die Judokas im erstmals ausgetragenen Teamwettbewerb. Damit nimmt Israel gemeinsam mit Irland Platz 39 in der Nationenwertung ein. Die Gesamtzahl der israelischen Medaillen hat sich in Tokio auf 13 erhöht: dreimal Gold, einmal Silber und neunmal Bronze.

Von: eh