Artem Dologpjat ist der zweite israelische Olympiasieger in der Geschichte

Artem Dologpjat ist der zweite israelische Olympiasieger in der Geschichte

Turner Dologpjat gewinnt die zweite israelische Goldmedaille in der Geschichte

In Tokio belegt der israelische Turner Dologpjat mit seiner Bodenübung den ersten Platz. Zum zweiten Mal in der Geschichte steht damit ein Israeli bei Olympischen Spielen ganz oben auf dem Treppchen. Versöhnlich enden die Wettkämpfe für die Judokas, die im Teamwettbewerb Bronze holen.

TOKIO (inn) – Der israelische Turner Artem Dologpjat hat am Sonntag eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio gewonnen. Für seine Übung am Boden erhielt der 24-Jährige von der Jury die beste Wertung. Es ist erst das zweite olympische Gold in der Geschichte, das an Israel geht. Zum ersten Mal war dem Windsurfer Gal Fridman 2004 in Athen ein Sieg gelungen. Er schrieb nun in der Zeitung „Yediot Aharonot“: „Artem, willkommen im Goldclub der israelischen Sportler, Du hast ihn heute verdoppelt. Glückwünsche zum Gewinn der Goldmedaille!“

Hinter Dologpjat belegte der Spanier Rayderley Zapata den zweiten Platz. Bronze ging an Xiao Ruoteng aus China. Der israelische Sieger stammt aus der Ukraine. Als er zwölf Jahre alt war, wanderte seine Familie nach Israel ein. 2017 erinnerte er sich in einem Interview an die schwere Anfangszeit mit der neuen Sprache: „In den ersten zwei Monaten saß ich in der Klasse in Rischon LeZion und verstand kein Wort.“ Dann wechselte er an eine Schule, in der viele russische Muttersprachler waren. Das habe ihm geholfen. Doch am meisten zu Hause fühle er sich in der Turnhalle.

Die erste Begegnung mit seiner Sportart hatte er im Alter von sechs Jahren, als er zum ersten Mal eine Turnhalle betrat: „Da sah ich ältere Kinder, die Überschläge und Salti machten, und ich verliebte mich sofort in den Sport“, sagte er nach dem Olympasieg in einer Pressekonferenz. Die Eltern hätten schon damals sein Talent erkannt. „Sie haben ab dem ersten Tag an mich geglaubt und mir gesagt, dass ich es zu den Olympischen Spielen schaffen würde.“

Mit 18 begann Dologpjat seinen Wehrdienst – in einem besonderen Rahmen für Athleten, wo ihm Zeit zum Trainieren blieb. Erste internationale Erfolge hatte er 2017: Im Mai holte er Silber beim Grand Prix im kroatischen Osijek. Im Oktober gewann er ebenfalls Silber bei den Geräteturn-Weltmeisterschaften in Montreal. Zwei Jahre später belegte er bei der WM in Stuttgart am Boden erneut den zweiten Platz. 2020 wurde er im türkischen Mersin Europameister.

Perspektive: Olympia 2024 in Paris

Nach dem Gewinn der olympischen Goldmedaille zeigte sich der israelische Turner motiviert: Er plane nun für Olympia 2024 in Paris, verkündete er am Montag in der Pressekonferenz. „Wir werden nicht aufhören, wir werden mit unserem Fokus auf Paris weitergehen und uns dafür vorbereiten und dem Land Ehre einbringen“, zitiert ihn die Onlinezeitung „Times of Israel“. Trainer Sergej Weissburg stimmte zu und ergänzte, das gelte auch für die Turnermannschaft.

Dologpjat dankte Alex Schatilov für dessen mentale Unterstützung und Freundschaft. Der heute 34-jährige Israeli war 2008 in Peking zum ersten Mal bei Olympischen Spielen angetreten. Auch 2012 in London und 2016 in Rio de Janeiro nahm er an den Wettbewerben teil. Dabei gewann er allerdings keine Medaille, was ihm auch in diesem Jahr nicht gelang. Umso mehr freute er sich mit seinem Freund über dessen Erfolg.

Indes hat Dologpjats Mutter die neugewonnene Bekanntheit ihres Sohnes genutzt und darauf hingewiesen, dass er in Israel nicht heiraten könne, weil nur sein Vater Jude ist. Denn damit gelte er im jüdischen Staat als „konfessionslos“. Der Athlet wollte sich dazu nicht äußern: „Das ist mein persönliches Leben, und ich denke, es ist nicht angemessen, darüber vor dem gesamten Land zu sprechen.“ Der frischgebackene Olympiasieger gilt als bescheiden. Dazu passt seine Äußerung, er strebe nicht nach Ruhm, Sponsorenverträgen oder mehr Nachfolgern auf Instagram. „Ich möchte weiter so bescheiden sein, wie ich es bin. Ich möchte nicht über die Dinge um mich herum nachdenken, sondern einfach meine Arbeit tun.“

Nach Misserfolgen in Einzelwettkämpfen: Judo-Team gewinnt Bronze

Erfolgreich war auch das israelische Judo-Team, das im Mixed-Mannschaftswettbwerb nach enttäuschenden Platzierungen in den Einzelkämpfen Bronze gewann. Israel besiegte am Samstag das Team des Russischen Olympischen Komitees mit 4:1. Auch Deutschland war hier erfolgreich und errang nach einem Sieg über die Niederlande ebenfalls Bronze. Gold ging an Frankreich und Silber an Japan. Der Team-Mixed-Wettbewerb wurde in Tokio erstmals bei Olympischen Spielen ausgetragen.

Der israelische Judoka Sagi Muki sagte nach dem Erfolg: „Jeder hat Herz und Seele gegeben, und gemeinsam haben wir es geschafft.“ 2016 hatte Israel in den Judo-Wettbewerben zweimal Bronze gewonnen. Der Weg zur Medaille in Tokio führte nach einer Niederlage im Viertelfinale gegen den späteren Olympasieger Frankreich in die Hoffnungsrunde. Dort gelangen den Israelis Siege gegen Brasilien und eben gegen die Russen.

Mit den Erfolgen des Turners und der Judokas hat sich die israelische Medaillenbilanz bei Olympischen Spielen insgesamt auf zwölf erhöht: zweimal Gold, einmal Silber und neunmal Bronze. Bei den Spielen in Tokio konnten die Israelis bislang drei Medaillen für sich verbuchen. Den Auftakt hatte Abischag Semberg mit Bronze im Taekwondo gemacht.

Falsche Medaille geschnappt

Der erste israelische Bogenschütze bei Olympischen Spielen, Itaj Schanny, erreichte bei der Premiere überraschend die Runde der letzten Acht. Dort unterlag er dem Taiwanesen Tang Chih-Chun. Hannah Kanaizba-MinenkoIm beendete den Wettkampf im Dreisprung auf Rang 6. Im Schwimmen wurde erstmals eine Lagen-Mixed-Staffel über viermal 100 Meter ausgetragen. Dabei erreichte die israelische Mannschaft direkt das Finale und belegte am Ende den 8. Platz.

Einen kuriosen Vorfall gab es bei der Siegerehrung nach dem Tennis-Mixed-Turnier: Der russisch-israelische Tennisspieler Asland Karatzew hatte mit seiner Partnerin das Finale in einem hart umkämpften Match im Tiebreak verloren. Als Sieger ging das ebenfalls russische Duo Anastasia Pawljutschenkowa and Andrej Rublew hervor. Offenbar war Karatzew noch verwirrt, weil er so knapp vor dem Sieg gewesen war. Er griff versehentlich nach einer Goldmedaille und wollte sie seiner Partnerin umhängen. Diese machte ihn ebenso wie Offizielle auf den Irrtum aufmerksam, und er wurde korrigiert. Aufgrund der Corona-Pandemie verleihen sich die Sportler ihn Teamwettkämpfen gegenseitig die Medaillen. Karatzew stammt aus Russland, ist aber in Israel aufgewachsen.

Von: eh