Hat vollste Kontrolle über ihren Körper: Linoy Aschram

Hat vollste Kontrolle über ihren Körper: Linoy Aschram

Athletin mit großen Ambitionen

Mit einer olympischen Medaille würde Linoy Aschram Geschichte schreiben. Die 22-jährige Israelin gehört schon jetzt zu den erfolgreichsten rhythmischen Sportgymnastinnen ihres Landes. In Tokio möchte sie nun ganz groß auftrumpfen.

Ob mit Ball, Band, Keule oder Reifen – Linoy Aschrams Darbietung ist immer ein echter Hingucker. Mit unbändiger Energie und gleichzeitig leichtfüßiger Eleganz tanzt und turnt sie über die Wettkampffläche. Am Ende winkt meistens eine Medaille. Die 22-jährige Israelin gehört aktuell zu den vielversprechendsten rhythmischen Sportgymnastinnen der Welt. Auch bei den Olympischen Spielen in Tokio möchte sie dieses Jahr eine wichtige Rolle spielen.

Seitdem Aschram im Alter von sechseinhalb Jahren mit der Rhytmischen Sportgymnastik anfing, ging es stetig bergauf: Bereits mit 15 Jahren nimmt sie an den Jugendeuropameisterschaften sowie den Olympischen Jugendspielen im chinesischen Nanjing teil. Bei der EM in Baku gewinnt sie direkt Medaillen: zweimal Bronze mit Keule und Band. Ein Jahr später steigt sie vom Junioren- in den Erwachsenenbereich auf. Auch dort absolviert sie einen Wettkampf nach dem anderen. Sie tritt unter anderem bei den Weltmeisterschaften in Stuttgart an, wo sie mit dem israelischen Team auf Platz vier des Mehrkampf-Wettbewerbs landet. Teil der damaligen Mannschaft ist auch Neta Rivkin. Die mittlerweile pensionierte Sportlerin zählt zu Israels erfolgreichsten rhythmischen Gymnastinnen. Mit ihren drei Olympia-Teilnahmen ist sie auch für Linoy Aschram ein Vorbild. Schon als Kind habe sie Rivkins Wettkämpfe verfolgt und gedacht: „Sie ist fantastisch!“

Mittlerweile gehört Aschram selbst zu den besten israelischen Athletinnen in diesem Sport. Allein bei Weltmeisterschaften holte sie insgesamt elf Medaillen, sechs silberne und fünf bronzene. Bei der Weltmeisterschaft in Baku 2019 stand sie sechs Mal auf dem Podium und gewann somit in jedem Wettkampf, an dem sie teilnahm, eine Medaille. Auch auf europäischer Ebene hatte Aschram in den vergangenen Jahren Erfolg: Bei den Europameisterschaften der Jahre 2020 und 2021 gewann sie fünf Medaillen. Zweimals stand sie ganz oben auf dem Treppchen: im Einzelmehrkampf und im Wettbewerb mit Keule.

Ernsthafte Konkurrenz für Osteuropäerinnen

In dem von Osteuropäerinnen dominierten Sport möchte die ehrgeizige Israelin zeigen, dass dies auch anders geht. Aschram selbst hat jemenitisch-griechische Wurzeln, ihre derzeit größten Konkurrentinnen kommen aus Russland: die Zwillingsschwestern Dina und Arina Averina. Allein bei den diesjährigen Europameisterschaften gewannen die beiden neun Medaillen, Dina davon vier goldene. Wer von den Dreien bei den Olympischen Spielen die Nase vorn haben wird, bleibt mit Spannung abzuwarten.

Israelische Unterstützung bekommt Aschram unter anderen von ihrer Team-Kollegin und guten Freundin Nicol Selikman. Die 20-Jährige qualifizierte sich ebenfalls für die Spiele in Tokio. Dass sie sich gegenseitig unterstützen könnten, sei ein großes Privileg. „Wir wissen alles voneinander. Unsere Freundschaft ist sehr stark“, erklärt Aschram. „Wir sind wie Schwestern“, fügt Selikman hinzu. Die gemeinsame Olympia-Teilnahme ist für beide ein einmaliges Erlebnis.

Sie selbst sei eigentlich ein schüchterner Mensch, erzählt Aschram in einem Interview des Olympia-Veranstalters. „Sobald ich aber auf die Matte gehe, bin ich ein anderer Mensch. Ich werde zu einer Kämpferin und zeige alles, was ich kann. Es ist in etwa so, als würde man einen Tiger freilassen“, fügt sie schmunzelnd hinzu. Das „Gesicht Israels“ zu sein, sei von Zeit zu Zeit zwar stressig, erfülle sie aber auch mit Stolz. Bei den Spielen in Tokio kann Linoy Aschram endgültig israelische Sportgeschichte schreiben. Mit dem Gewinn einer Medaille wäre sie die erste Israelin, der das in dieser Sportart gelingt.

Von: Valerie Wolf

Diesen Artikel finden Sie in abgewandelter Form auch in der Ausgabe 4/2021 des Israelnetz Magazins, die Mitte August erscheint. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5 66 77 00, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online. Gerne können Sie auch mehrere Exemplare zum Weitergeben oder Auslegen anfordern.