Am Samstagabend bestreiten Manchester City und der FC Chelsea das Finale der Königsklasse

Am Samstagabend bestreiten Manchester City und der FC Chelsea das Finale der Königsklasse

Geldgeberduell zwischen den Emiraten und Israel

Die diesjährigen Finalisten haben gleich mehrere Gemeinsamkeiten: Beide Teams kommen aus England und werden von mächtigen Geldgebern unterstützt. Die Investoren selbst kommen jedoch aus ganz unterschiedlichen Welten.

Das Champions-League-Finale 2021 bestreiten zwei Mannschaften aus England: Manchester City gegen den FC Chelsea. Erwartet wird ein spannendes Spiel mit vielen Emotionen. Sogar Zuschauer sind wieder zugelassen. Doch auch außerhalb des Platzes gibt es einen interessanten Wettstreit. Beim Duell der Geldgeber heißt es: Vereinigte Arabische Emirate versus Israel.

Besitzer des Londoner Chelsea Football Club ist der milliardenschwere russisch-israelische Unternehmer Roman Abramowitsch. Bei Manchester City hat vor allem der emiratische Scheich Mansur Bin Sajed al-Nahdschan die finanziellen Zügel in der Hand. Sein Unternehmen, „Abu Dhabi United Group Investment & Development Limited“, hält etwa 77 Prozent der Holding-Gesellschaft „City Football Group“, der wiederum der Verein gehört. Zudem ist der ebenfalls aus den Emiraten stammende Unternehmer Chaldun al-Mubarak Vorsitzender der „Citizens“. Hauptsponsor ist seit 2009 die emiratische Fluggesellschaft Etihad Airways. Auch das Stadion ist nach ihr benannt.

Sowohl Abramowitsch als auch Al-Nahdschan haben über die Jahre mehr als eine Milliarde Euro in ihre Clubs investiert. Und es scheint sich gelohnt zu haben: Seit der Übernahme durch den Russen im Jahr 2003 wurden die „Blues“ fünf Mal englischer Meister und fünf Mal englischer Pokalsieger. Zudem gewannen sie zwei Mal die Europa League und einmal die Champions League. Bei Manchester City sieht die Bilanz auch gut aus. Nachdem der Verein 2008 von Al-Nahdschan gekaufte wurde, gewann das Team fünf Mal den englischen Meistertitel und zwei Mal den FA Cup, den englischen Pokal. Zu einem internationalen Titel hat es bislang aber nicht gereicht.

Russe mit jüdischen Wurzeln

Roman Abramowitsch wurde 1966 als Kind jüdischer Eltern im russischen Saratow geboren. Bereits im Alter von 18 Monaten verlor er seine Mutter, die an den Folgen einer Abtreibung starb. Wenige Jahre später verunglückte sein Vater tödlich bei einem Unfall. Mit gerade einmal vier Jahren war Abramowitsch Vollwaise. Infolgedessen wuchs er bei zwei Onkeln auf.

Im Alter von 21 Jahren gründete er sein erstes Unternehmen. Ab den 90er Jahren stieg Abramowitsch dann in das Öl-Geschäft ein. Gemeinsam mit dem russischen Oligarchen Boris Beresowski erschaffte er ein weitverzweigtes Firmenimperium. Später trennten sich die beiden Geschäftspartner. Mit seiner Holding-Gesellschaft Millhouse Capital hielt Abramowitsch zwischenzeitlich 80 Prozent von Russlands fünftgrößtem Ölkonzern Sibneft. Das Wirtschafsmagazin „Forbes“ beziffert sein aktuelles Vermögen auf umgerechnet 11,9 Milliarden Euro.

Neben seinen unternehmerischen Tätigkeiten betätigte er sich auch als Politiker. Von 2000 bis 2008 war er Gouverneur der Region Tschukotka im Nordosten Russlands. Zudem galt er lange Zeit als enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Im Jahr 2018 beantragte der Russe die israelische Staatsbürgerschaft. Gemäß einem Rückkehrrecht, dass es allen Juden erlaubt, israelische Staatsbürger zu werden, wurde dieser Antrag bewilligt. Der neue Pass machte Abramowitsch zum reichsten Israeli. Bereits vor seiner Einwanderung hielt er gute Kontakte nach Israel und investierte dort in vielfältige Projekte. Auch die jüdische Gemeinde in Russland hatte er mit mehreren Hundert Millionen Euro finanziell unterstützt.

Emiratisches Fußballimperium

Über Scheich Mansur ist weniger bekannt. Er wurde 1970 in Abu Dhabi geboren und ist Teil der dort regierenden Herrscherfamilie. Sein Bruder, Scheich Al-Chalifa, ist derzeit Präsident der Vereinigten Arabischen Emirate und zugleich Emir von Abu Dhabi. Scheich Mansur selbst ist ebenfalls politisch aktiv. Im Kabinett seines Bruders hat er den Posten des Ministers für Präsidentschaftsangelegenheiten inne.

Durch seine Anteile an der City Football Group ist er außerdem Mitbesitzer an weiteren neun Vereinen, darunter der New York City FC. Sein Vermögen wird auf etwa 22 Milliarden Euro geschätzt.

Während sich der Scheich eher im Hintergrund hält – seit seiner Vereinsübernahme war er erst einmal im Stadion –, ist Abramowitsch häufig bei den Spielen seiner Mannschaft zugegen. Ob zum Showdown am Samstagabend in Porto beide Geldgeber anwesend sein werden, bleibt also abzuwarten.

Von: Valerie Wolf