Sichtlich gerührt: Sportministerin Regev erlebte den Triumph des Israelis Sagi Muki (3. v. l.) aus nächster Nähe

Sichtlich gerührt: Sportministerin Regev erlebte den Triumph des Israelis Sagi Muki (3. v. l.) aus nächster Nähe

Erstmals erklingt die Hatikva in einem Golfstaat

Wenn Gold zur Nebensache wird: Beim Judo-Grand-Slam in Abu Dhabi erreicht ein Israeli den ersten Platz. Tränen kommen aber deshalb auf, weil zum ersten Mal in dem arabischen Land die israelische Nationalhymne zu hören ist. Doch das ist nicht der einzige israelische Erfolg an diesem Wochenende.

ABU DHABI (inn) – Zum ersten Mal überhaupt ist am Sonntag in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) die israelische Nationalhynmne Hatikva erklungen. Anlass war der Goldmedaillengewinn des Israelis Sagi Muki beim Judo-Grand-Slam in der Hauptstadt der VAE, Abu Dhabi. Kultur- und Sportministerin Miri Regev, die beim Abspielen der Hymne vor Ort war, schrieb auf Facebook: „Wir haben Geschichte geschrieben! Das Volk Israel lebe!“

Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie die Likud-Politikerin während der Hymne mit den Tränen kämpft. Noch im März hatte sich das Emirat bei einem ähnlichen Turnier geweigert, die nationalen Symbole des Staates Israels zu zeigen. Und auch beim Judo-Grand-Slam im Oktober 2017 kam es zu einem Boykott dieser Symbole, die israelischen Teilnehmer durften sie etwa nicht an ihren Trikots tragen.

Dass es dieses Mal anders läuft, ist auf den Druck des Weltjudoverbandes zurückzuführen. Dieser hatte das Turnier wegen des Boykotts israelischer Symbole eigentlich bereits abgesagt. Die VAE lenkten schließlich ein, der Weltjudoverband ließ das Turnier wieder zu.

Erfolgreich in Sport und Sportpolitik

Neben der Goldmedaille in der Klasse bis 81 Kilogramm können die Israelis drei Bronzemedaillen als Erfolge verbuchen: Baruch Schmailov, Gili Cohen und Timna Nalson Levy holten in ihrer jeweiligen Klasse den dritten Platz. Das Turnier mit insgesamt 61 teilnehmenden Nationen geht bereits am Montag zu Ende.

Doch nicht nur das Abspielen der Hymne darf die israelische Regierung als Erfolg verbuchen. Regev war zudem offiziell zu einem Besuch in der Scheich-Said-Bin-Sultan-Moschee, der wichtigsten Moschee des Landes, eingeladen. Dabei trug sie sich als „erste hochrangige Persönlichkeit“ des Staates Israel in das Gästebuch ein, wie sie auf Facebook schrieb. Auf Hebräisch formulierte sie demnach eine „Botschaft der Brüderlichkeit und der Hoffnung auf Frieden unter den Nationen“.

Abgesehen von diesem symbolischen Erfolg konnte Regev auch Handfestes verbuchen: Mit dem Judoverband einigte sie sich darauf, dass zwei Wettkämpfe der Welttournée in Israel stattfinden: Im Januar 2019 und um Jahr 2020 nach den Olympischen Sommerspielen in Tokio. Damit trägt Israel zum ersten Mal einen Großen Preis des Judoweltverbandes aus.

Diplomatische Fortschritte

Die Vorgänge in Abu Dhabi gehören zu den neuesten Entwicklungen bei der Annäherung an arabische Staaten. Erst am Freitag war der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu von einem zuvor nicht angekündigten Besuch im Oman, dem südlichen Nachbarland der Vereinigten Arabischen Emirate, zurückkehrt. Am Samstag hatte der omanische Außeminister dafür plädiert, Israel als normalen Staat zu behandeln. Weder der Oman noch die Vereinigten Arabischen Emirate pflegen offizielle Beziehungen mit Israel.

Von: df

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