Nachdem der Verein das „Bild des Anstoßes“ gelöscht hatte, veröffentlichte es der Botschafter (Bildmitte, rechts steht der Präsident)

Nachdem der Verein das „Bild des Anstoßes“ gelöscht hatte, veröffentlichte es der Botschafter (Bildmitte, rechts steht der Präsident)

Kolumbianischer Fußballclub löscht Bild mit israelischem Botschafter

Ein Fußballverein in Kolumbien ehrt den israelischen Botschafter mit einem Trikot. Das Bild auf Twitter führt zu hasserfüllten Reaktionen. Also entfernt es der Club von seinem Konto.

BOGOTÁ (inn) – Der kolumbianische Fußballverein Independiente Santa Fe hat nach Hasskommentaren ein Bild von seinem Twitterkonto entfernt. Es zeigte den israelischen Botschafter Marco Sermoneta, wie er ein Trikot des Clubs entgegennahm. Zugegen waren der Präsident des Vereins und sein Stellvertreter, wie die israelische Tageszeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.

Sermoneta hatte die beiden Funktionäre am Donnerstag zu einem Gespräch in die Botschaft eingeladen. „Als begeisterter Fußballfan freue ich mich, ihn in mein Tagesgeschäft einzubeziehen, vor allem in einem Land wie Kolumbien“, sagte er seinen Gästen. „Während meiner Amtszeit hier habe ich – manchmal als Gast – einige Spiele zwischen örtlichen Mannschaften besucht, ebenso wie Spiele der Nationalmannschaft.“ Bei dem Treffen wurde ihm das Trikot von Independiente überreicht.

Anschließend veröffentlichte Santa Fe das Bild von der Übergabe auf Twitter – mit dem Satz: „Wir begrüßen unseren Ehrenfan, den israelischen Botschafter in Kolumbien.“ Der Tweet zog viele Reaktionen verärgerter Fans nach sich. Sermoneta merkte dazu an: „Viele waren anti-israelisch und sogar antisemitisch. Dies brachte Santa Fe schließlich dazu, den Tweet von seinem offiziellen Konto zu entfernen, obwohl er Hunderte Likes erhielt.“

Persönlicher Anruf vom Chef

Präsident Juan Andrés Carreño rief den Diplomaten an und bat um Entschuldigung. Er erklärte, das Social-Media-Team habe den Tweet angesichts „wilder Angriffe“ entfernt, um „Unstimmigkeit“ zu vermeiden. „Der Präsident wiederholte seine freundlichen Worte und lud mich ein, bei einem der nächsten Spiele der Mannschaft ein Gast zu sein. Ich habe mich für seine guten Absichten bedankt, aber meine Haltung betont, dass man wilden Angriffen nicht nachgeben dürfe.“

Sermoneta indes veröffentlichte das gelöschte Bild auf dem Konto der Botschaft. Er fügte ein zweites Foto hinzu, das ihn mit dem Trikot vor einer israelischen Flagge zeigt. Dem kolumbianischen Radiosender „La FM“ sagte er: „Ich bin ein Liebhaber des kolumbianischen Fußballs und lasse mich durch Beleidigungen nicht beeindrucken.“ Er fügte an: „Leider lebt der Antisemitismus. Es gibt Ignoranz.“ Er sei enttäuscht, dass der Verein dem Druck nachgegeben habe. Doch vielleicht sei das Bild auch zu seinem Schutz entfernt worden.

Von: eh