Pro-palästinensische Demonstranten greifen Haifa-Spieler (in grünen Trikots) an.
Pro-palästinensische Demonstranten greifen Haifa-Spieler (in grünen Trikots) an.

Gewalt gegen Fußballer aus Haifa in Österreich

BISCHOFSHOFEN (inn) – Gaza-Konflikt auf dem Fußballplatz: Demonstranten haben am Mittwochabend in Österreich Spieler des israelischen Vereins Maccabi Haifa angegriffen. Das Freundschaftsspiel gegen den französischen Erstligisten OSC Lille wurde daraufhin in der 85. Minute abgebrochen.

Medienberichten zufolge stürmten die mehrheitlich türkischstämmigen Zuschauer den Fußballplatz in Bischofshofen, als Lille mit 2:0 führte. Sie hatten palästinensische und türkische Fahnen bei sich. „Es war ein Tumult am Spielfeld. Vorrangig sind israelische Spieler attackiert worden“, sagte Polizei-Sprecher Ortwin Lamprecht am Donnerstag laut der österreichischen Tageszeitung „Kurier“.

Die Demonstranten riefen anti-israelische Parolen und griffen mehrere Spieler von Maccabi Haifa an. Verletzt wurde niemand. Gemäß der israelischen Tageszeitung „Yediot Aharonot“ waren die Randalierer erst gegen Ende der ersten Halbzeit im Stadion erschienen. Das Spiel war kurzfristig angesetzt.

Der serbische Torhüter Wladimir Stojkovic und Feldspieler Shimon Abuhazira setzten sich zur Wehr. Serbische Medien lobten den Torwart für dessen Einsatz: „Der Held von Maccabi. Stojkovic hat seine Mannschaftskameraden gegen türkische Störer verteidigt“, schrieb die Boulevardzeitung „Kurir“.

Als sich die Spieler der israelischen Mannschaft in ihrer Kabine befanden, hörten sie aus dem Stadion israelfeindliche Slogans und Beschimpfungen. Polizisten geleiteten sie zu ihrem Hotel. Maccabi Haifa befindet sich derzeit zur Saisonvorbereitung in Salzburg. Das Team hat auch muslimische Spieler in seinem Kader.

Strafrechtliche Konsequenzen denkbar

Der österreichische Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ) verurteilte die Randale bei dem Testspiel in Bischofshofen auf das Schärfste. „Gäste, die sich in Österreich aufhalten, haben das Recht, das in Sicherheit zu tun; unabhängig von ihrer Herkunft und ihrer religiösen Zugehörigkeit“, wird er in einer Mitteilung des Kanzleramtes in Wien zitiert. „Übergriffe auf Sportler, die ihre Saisonvorbereitung in Österreich absolvieren, sind absolut nicht zu tolerieren. Österreich steht für ein friedliches Miteinander aller Religionen. Das soll auch in Zukunft so sein.“

Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) verurteilte die tätlichen Angriffe ebenfalls:. „Ich fordere eine vollständige Aufklärung dieser Vorfälle. Die Täter müssen zur Rechenschaft gezogen werden, denn in Österreich darf es gegenüber religiös oder antisemitisch motivierter Gewalt absolut Null-Toleranz geben. Auch wenn der Nahost-Konflikt berührt, darf dieser Konflikt nicht nach Österreich getragen werden.“ Das gute Zusammenleben der Religionen dürfe nicht gefährdet werden.

Das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung befasst sich mit dem Vorfall. Ermittelt wird, ob es auch strafrechtliche Konsequenzen für die Angreifer gibt. Polizeisprecher Lamprecht machte laut „Kurier“ deutlich: „Sicher ist, dass ein verwaltungsrechtlicher Tatbestand vorliegt. Eine Ordnungsstörung ist das auf jeden Fall. Es wird in alle Richtungen ermittelt, auch in Bezug auf gerichtliche Tatbestände.“ Die Identität der Personen sei der Polizei bekannt.

Schutzmaßnahmen für Spiel gegen Paderborn

Für den kommenden Samstag hat Maccabi Haifa ein weiteres Testspiel gegen Bundesliga-Aufsteiger SC Paderborn anberaumt. Es soll im österreichischen Kirchbichl bei Wörgl ausgetragen werden. Der deutsche Verein hat für die Begegnung besondere Schutzmaßnahmen angekündigt. Ein Clubsprecher sagte der in Bielefeld erscheinenden Tageszeitung „Neue Westfälische“, Paderborn werde das Spiel „nur mit Sicherheitsvorkehrungen durchführen“. Alle Paderborner Fans würden gebeten, ihren Personalausweis in das österreichische Stadion mitzubringen. Pressesprecher Matthias Hack betonte, dass für die Ostwestfalen eine Absage nicht in Frage komme: „Wir wollen dieses Testspiel, weil es einfach ein guter Gegner ist.“

Von: eh

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