Der Eingang zum Tempelinstitut in Jerusalem

Der Eingang zum Tempelinstitut in Jerusalem

Aktiv für den Dritten Tempel

Eines Tages wird das Wohnhaus Gottes auf Erden, der Tempel in Jerusalem, wiedererrichtet werden. Darüber herrscht in weiten Teilen des Judentums Einigkeit. Kontroverser wird dagegen die Frage diskutiert, wann und von wem der Tempel aufgebaut werden soll. Das Jerusalemer Tempelinstitut hat dazu eine klare Meinung.

Die Diskussion um den Dritten Tempel ist so alt wie die Zerstörung seines Vorgängerbaus im Jahr 70 nach Christus. Und auch der große jüdische Religionsphilosoph Maimonides hat sich bereits vor mehr als 800 Jahren mit dem Dritten Tempel beschäftigt. In seinem bedeutenden religionsgesetzlichen Werk „Mischne Tora“ hält er fest: „Der Messias wird einst erstehen und das Königtum des Hauses David zu seinem ursprünglichen Stand bringen, zur Herrschaft, wie sie war. Er baut den Beit HaMikdasch, den Tempel in Jerusalem, wieder auf und sammelt die Zerstreuten Israels ein. In seinen Tagen werden alle Toragesetze wieder so sein, wie es die damaligen waren. Man wird Opfer darbringen und die Brachjahre und Jubeljahre halten, so wie es die in der Tora enthaltenen Vorschriften vorsehen.“

Anhänger des Jerusalemer Tempelinstitutes ziehen dagegen andere Schriften Maimonides‘ zu Rate und erkennen darin eine religiöse Pflicht, den Bau des Tempels voranzutreiben. Im „Sefer Igeret HaSchmad“ lehrt der Philosoph, dass die Erfüllung aller Gebote nicht vom Kommen des Messias abhängig sei. Vielmehr müssten die biblischen Gebote jederzeit eingehalten werden. Nach Ansicht des Tempelinstituts gehören dazu auch sämtliche Rituale. Ohne den Tempel würde allerdings ein Drittel der alt­testamentlichen Vorschriften wegfallen. Das Tempelinstitut sieht es daher als seine Pflicht, „das Bewusstsein für den Tempel wiederherzustellen und die ‚vergessenen‘ Gebote zu reaktivieren“, heißt es in dem Onlineauftritt des Instituts.

Museum, Forschungszentrum und Ausbildungsort

Damit der Dritte Tempel, und damit die Einhaltung der Gebote, Realität werden kann, scheut das Tempelinstitut keine Kosten und Mühen. Die 1987 von Rabbi Jisrael Ariel gegründete Einrichtung hat in den Jahren seit ihrer Gründung unter anderem einen originalgetreuen goldenen Räucheraltar und eine Harfe, die der Messias bei seinem Kommen spielen soll, hergestellt. Für die Anfertigung einer Menora aus 24-karätigem Gold wurde sogar die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA zurate gezogen. Die amerikanischen Wissenschaftler berechneten die genaue Gewichtverteilung des siebenarmigen Leuchters.

Zu sehen sind die für den Tempeldienst nötigen Utensilien im hauseigenen Museum in der Jerusalemer Altstadt. Darüber hinaus versteht sich das Tempelinstitut als Ausbildungszentrum. Priesternachkommen sollen in den rituellen Abläufen für den Dienst im Tempel geschult werden. Ein dritter Aufgabenbereich ist die Erforschung bestimmter Inhaltsstoffe, die für einige Rituale notwendig, aber heute unbekannt sind.

Von: Martin Schlorke

Diesen Artikel finden Sie auch in der neuen Ausgabe 6/2020 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5 66 77 00, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online. Gerne können Sie auch mehrere Exemplare zum Weitergeben oder Auslegen anfordern.