Die jüdische Felsenfestung Masada ist die zweitwichtigste Touristenattraktion Israels

Die jüdische Felsenfestung Masada ist die zweitwichtigste Touristenattraktion Israels

Dem Mythos auf der Spur

Die Archäologin Jodi Magness schreibt in ihrem neusten Buch über die Felsenfestung Masada. In bestechender Form gelingt es ihr, den Leser in eine (fast) längst vergessene Zeit zu entführen, die aber bis heute Auswirkungen auf den modernen Staat Israel hat. Eine Rezension von Martin Schlorke

Vor knapp 2.000 Jahren verschanzten sich 967 jüdische Aufständische in der Felsenfestung Masada. Sie waren die letzten, die sich noch nicht den Römern gebeugt hatten, als ihr Anführer, Eleasar Ben Jair, eine folgenschwere Entscheidung traf – die Selbsttötung aller Rebellen. Die verbliebenen Männer töteten erst ihre Frauen und Kinder, bevor sie von zehn ausgelosten Kämpfern ebenfalls getötet wurden. Anschließend brachten sich auch die zehn Männer um. So berichtet es jedenfalls der antike jüdische Historiker Flavius Josephus, der zur Zeit des Jüdischen Krieges lebte. Diesen Massenmord, der endgültig das Ende des jüdischen Aufstandes besiegelt und den Mythos Masada begründet hat, untersucht die amerikanische Archäologin Jodi Magness in ihrem Buch „Masada. Der Kampf der Juden gegen Rom“.

Magness studierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem, unter anderem bei Jigael Jadin, einem der bekanntesten Archäologen Israels und Politiker. Unter Menachem Begin war er stellvertretender Premierminister. In den sechziger Jahren unternahm er gründliche Ausgrabungen auf dem Festungsplateau. Diese teils spektakulären Funde stellt Magness den Lesern knapp, aber dafür umso lebhafter vor. Dabei hat sie immer den aktuellen Forschungsstand im Blick. So sei die Entdeckung von jüdischen Ritualbädern ein klarer Beleg dafür, dass die Aufständischen großen Wert auf die Einhaltung jüdischer Reinheitsvorschriften legten. Angenehm für den Leser sind die ausführliche Bebilderung der Funde und skizzierte Grundrisse von Masada und anderen Bauprojekten des Herodes.

Magness selbst leitete Ausgrabungen in der Umgebung von Masada, um mehr über die römische Belagerung zu erfahren. Ihre Funde geben spektakuläre Einblicke in das Vorgehen und die Logistik des römischen Militärs.

Der Mythos lebt

An dieser Stelle könnte das Buch enden. Vorgeschichte und Kontext des Jüdischen Kriegs sowie eine lebhafte Erzählung der römischen Belagerung, inklusive des Falls der letzten Hochburg der Aufständischen, informieren den Leser sehr fundiert über die historischen Geschehnisse. Doch Masada sei mehr als nur eine antike Festung mit ihrer besonderen Geschichte. Masada beeinflusse bis heute die Geschichte des modernen jüdischen Staates, stellt die Autorin fest.

Im Buch erklärt Magness sehr gut nachvollziehbar und neutral, dass nicht wirklich nachgewiesen werden könne, „ob der Massenmord tatsächlich stattgefunden hat“. Die gefundenen archäologischen Überreste könnten unterschiedlich interpretiert werden. Diese Interpretationen gepaart mit politischen und nationalistischen Interessen seien es schließlich auch gewesen, die den Mythos geboren haben. Ein Beispiel: Die hochgefeierten Aufständischen gehörten zur Gruppe der Zeloten und wären als „jüdische Terroristen“ besser beschrieben. Neben dem bewaffneten Kampf gegen Rom, hätten sie ebenfalls jüdische Dorfbewohner angegriffen.

Doch vielmehr stehe Masada in den vergangenen Jahrzehnten als ein Symbol für Juden, die sich einem mächtigen Feind gegenübersahen, zusammenhielten und den Kampf für ihre Heimat nicht aufgaben. Dieses Motiv hatte vor allem nach der Staatsgründung Israels Hochkonjunktur. Die Erzählweise sei sehr ähnlich, nur das der Feind nicht aus Rom kam, sondern um Israel herum lagert.

Als kleines Schmankerl lädt Magness den Leser auf den letzten Seiten des Buches zu einem Rundgang auf Masada ein. Was kann es Besseres geben, als eine geführte Tour von einer der führenden Archäologen in Israel?

Jodi Magness: „Masada. Der Kampf der Juden gegen Rom“, wbg Theiss, 400 Seiten, 36 Euro, ISBN 9783806240771

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