Das Filmprojekt wurde vom Verein der Sächsischen Israelfreunde ins Leben gerufen

Das Filmprojekt wurde vom Verein der Sächsischen Israelfreunde ins Leben gerufen

Der etwas andere Film über das Westjordanland

Ein neuer Film gibt seltene Einblicke in das Leben der Siedler in Judäa und Samaria. Die Macher wollen zeigen, „wie das Leben in der Westbank wirklich ist“. Dafür lässt er Juden und Palästinenser selbst zu Wort kommen. Eine Rezension von Dana Nowak

„Die mediale Berichterstattung in Deutschland über die Westbank und über das Zusammenleben von Juden und Palästinensern hier geht vollkommen an der Wirklichkeit vorbei.“ Mit diesen Worten beschreibt der Schriftsteller Chaim Noll die Berichterstattung über das Leben der Menschen im Westjordanland, dem biblischen Judäa und Samaria, in dem Film „Gestatten, ich bin ein Siedler! Wie leben die Menschen in der Westbank?“. Noll wuchs in der ehemaligen DDR auf und lebt mittlerweile selbst in Judäa.

Und tatsächlich vermitteln viele Beiträge in deutschen Medien das Bild, dass das Zusammenleben von Juden und Palästinensern in diesem umstrittenen Gebiet von Gewalt und Hass geprägt sei. Dass die Wirklichkeit anders aussieht, will dieser Film der Berliner Regisseurin Ilona Rothin zeigen.

„Wir haben Fakten gesucht“, sagt Rothin über die Dokumentation. „Fakten und Antworten auf die Frage, wie die Menschen in der Westbank leben. Wenn man mit dieser Einstellung durch die Westbank fährt“, ergänzt die Filmemacherin, „öffnen sich auch Türen.“

Israelis erklären in der Dokumentation, warum sie sich für ein Leben in Judäa oder Samaria entschieden haben. Zu Wort kommen jüdische Familien, palästinensische Arbeiter und israelische Sicherheitskräfte. Aber auch Experten aus Deutschland, wie der Historiker Michael Wolffsohn oder der Publizist Alex Feuerherdt, klären auf.

Der Film zeigt, wie Juden und Palästinenser zusammen arbeiten und leben. Wie sie gemeinsam Feste feiern und damit letztlich schon „Frieden leben“, wie es der palästinensische Vorarbeiter einer Süßwarenfabrik in der Stadt Ariel, Shanan Amer, beschreibt. Dabei wird auch deutlich, dass gerade diese gemeinsamen Feste noch selten sind, aber es gibt sie.

Der Schriftsteller Noll ärgert sich darüber, dass es über diese gute Zusammenarbeit zwischen Juden und Palästinensern kaum Berichte gibt. Man höre meist nur davon, dass Palästinenser unter den Siedlungen litten, dabei lebten Hunderttausende palästinensische Arbeiter von der jüdischen Bautätigkeit im Westjordanland, sagt Noll.

Palästinenser fürchten um Sicherheit

Auch wenn viele Palästinenser aus Angst vor radikalen Landsleuten nicht über ihre Arbeit sprechen wollen, so treten doch einige in dem Film vor die Kamera. Sie sind dankbar für die Arbeit in den Siedlungen, aber wütend über die Checkpoints mit den strengen Kontrollen. „Die Soldaten behandeln uns wie Feinde, aber die Leute, mit denen wir zusammenarbeiten, sind in Ordnung“, erzählt ein palästinensischer Arbeiter namens Mohammed.

Es gibt palästinensische Firmen, die fürchten so um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter, dass sie ihnen verbieten, mit den Machern des Films zu sprechen. Sie haben vor allem Angst vor der Hamas. Der Film zeigt dann auch anschaulich, wie palästinensische Kinder in Schulen und Ferienlagern zum Hass auf Juden erzogen werden. Zu sehen sind unter anderem von den Vereinten Nationen finanzierte Schulbücher, in denen sogenannte Märtyrer verherrlicht werden – weil sie Juden ermordet haben.

Der Film gibt den Siedlern in Judäa und Samaria ein Gesicht. Er zeigt Männer, Frauen, Kinder mit ihren individuellen Geschichten. Die Macher sprechen unter anderem mit Vered vom Weingut Tura in Rehelim. Sie sieht sich nicht als Siedlerin, sondern als eine Frau, die in ihre Heimat zurückkehrte, „in besiedeltes Land, das wir lieben“. Sie weist darauf hin, dass zu biblischen Zeiten in diesem Gebiet Juden gelebt haben und zitiert eine Verheißung des Propheten Jeremia, laut der Juden wieder in ihr Land zurückkommen und Weinberge pflanzen werden.

Der aus den USA eingewanderte Jude Ari Jehuda Abramovitz betont, es gebe nichts Natürlicheres, als dass ein Jude in seinem angestammten Zuhause in Judäa lebe. „Das ist Judäa, der einzige Ort, wo wir leben können – es ist unmöglich für einen Juden, Judäa zu stehlen. Deutsche werden Deutsche genannt, weil sie aus Deutschland kommen, Chinesen kommen aus China, Juden kommen aus Judäa, das ist unser Lebensraum.“

Das unschöne Gesicht einer kleinen Gruppe

Nun ist es nicht so, dass die Siedler in deutschen Medien kein Gesicht hätten. Doch es ist eben ein recht einseitiges, verzerrtes und fast immer ein unschönes Gesicht. Kommen in Beiträgen über Israel oder das Westjordanland Siedler zu Wort, sind es meist radikale Juden, mit sehr extremistischen Ansichten. Sie prägen bei den Lesern und Zuschauern das Bild vom radikalen Siedler, der die Palästinenser loswerden und keinen Frieden mit ihnen möchte – der auch vor Gewalt gegen die arabischen Bewohner nicht zurückschreckt.

Ja, es gibt diese Siedler, die nicht nur Palästinenser, sondern gelegentlich auch israelische Soldaten im Westjordanland angreifen. Aber sie sind eben eine Minderheit unter den Siedlern, sie sind nicht stellvertretend für die rund 600.000 Juden im Westjordanland – wie es in vielen Medienbeiträgen gerne vermittelt wird.

Diese radikalen Siedler werden in dem Film leider nicht gezeigt. Dabei wäre es eine gute Chance gewesen, hier aufklärend zu wirken und zu zeigen, dass sie eine Minderheit unter den Siedlern sind.

Warum Israel-Boykott vor allem Palästinensern schadet

In dem Film wird zudem verständlich erklärt, warum Juden, aber auch Palästinenser Ansprüche auf das Westjordanland stellen. Auch auf die umstrittene Bewegung BDS, die Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen den jüdischen Staat fordert, wird eingegangen. Palästinenser erklären, warum diese Kampagne ihnen schadet.

„Gestatten, ich bin ein Siedler!“ ist ein ungewöhnlicher und sehr zu empfehlender Film, der seltene Einblicke in das Leben der Juden im Westjordanland gibt und ihre Beweggründe für dieses Leben darstellt. Er kann dazu beitragen, die komplexe Situation des israelisch-palästinensischen Konfliktes besser zu verstehen.

Die Dokumentation entstand im Auftrag des „Sächsische Israelfreunde e.V.“ und wurde durch Sponsoren finanziert.

„Gestatten, ich bin ein Siedler! Wie leben die Menschen in der Westbank?“, 59 Minuten, DVD 19,99 Euro, erhältlich bei www.zum-leben.de.

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