„Bezirk Jerusalem“: Die Fernsehserie zeigt die Arbeit der Polizei in der Hauptstadt

„Bezirk Jerusalem“: Die Fernsehserie zeigt die Arbeit der Polizei in der Hauptstadt

Fernsehsender löscht Serie wegen manipulierter Szene

Die Macher einer israelischen Fernsehserie haben einem Ostjerusalemer ein Gewehr untergeschoben. Der ausstrahlende Fernsehsender kündigt daraufhin die Zusammenarbeit mit der Produktionsfirma auf. Auch die Polizei ist in den Vorfall involviert.

JERUSALEM (inn) – Bei Dreharbeiten für die israelische Reality-Serie „Machos Jeruschalajim“ (Bezirk Jerusalem) hat es eine Manipulation gegeben. Die neunteilige Serie begleitet israelische Polizisten bei ihrer Arbeit in der israelischen Hauptstadt. Wie die linksliberale Tageszeitung „Ha'aretz“ aufdeckte, haben Polizisten dabei in mindestens einem Fall eine Szene gestellt, um einen Fahndungserfolg dokumentieren zu können. Die Zeitung machte ihre Rechercheergebnisse zum Gegenstand eines Leitartikels und zahlreicher weiterer Beiträge.

Von der Manipulation betroffen ist der Ostjerusalemer Einwohner Samer Sleiman. Im November 2018 hatten Polizisten in seinem Haus in Issawia eine etwa zweistündige Durchsuchung durchgeführt, weil sie bei dem Mann illegale Waffen vermuteten. Der Verdacht erwies sich als falsch. Vor Ort stellte die Polizei Sleiman eine entsprechende Bescheinigung aus.

„Rassistische Propaganda-Show“

In der Serie „Machos Jeruschalajim“ stellt sich die Szenerie jedoch völlig anders da. Dort können die Zuschauer verfolgen, wie die Polizisten im Keller Sleimans auf ein Gewehr stoßen. „Gute Arbeit!“, freuen sich die Sicherheitskräfte über den Fund. Für das Fernsehen kommentiert einer der Polizisten das Geschehen rückblickend mit den Worten: „Und dann finden wir, wonach wir suchten.“ Das Problem: Sleiman hat mit der Waffe nichts zu tun. Die Macher der Serie selbst hatten die Waffe für die Kameras dort deponiert.

Der Hausbesitzer bekam davon nach eigenen Angaben nichts mit. Er wurde von seinen Nachbarn kontaktiert, als diese Sleiman einige Monate später im TV an dessen Stimme wiedererkannten. Sein Gesicht war unkenntlich gemacht worden. „Mein Klient ist Opfer einer rassistischen Propaganda-Show geworden, die keinen Platz in einem demokratischen Land hat“, zitiert die „Ha'aretz einen Anwalt der Sleimans. Den Polizisten sei es offenbar darum gegangen, „meinen Klienten und alle Einwohner Issawias als Sicherheitsrisiko hinzustellen“.

Polizei entschuldigt sich

In Reaktion auf die Recherche löschte der staatliche Fernsehsender „Kan“ sämtliche Folgen des Dokudramas aus seinem Online-Angebot. Am Donnerstag entschied die Fernsehanstalt zudem, die Zusammenarbeit mit „Koda Communications“, der verantwortlichen Produktionsfirma, „sofort“ einzustellen. Die Vorkommnisse widersprächen „der Natur des staatlichen Fernsehens“. Es gebe „keine Entschuldigung dafür, die Öffentlichkeit zu belügen und unschuldige Menschen zu kriminalisieren“. Die Polizei erklärte gegenüber der „Ha'aretz“, die Idee für die Szene sei vonseiten des Drehstabs gekommen. „Wir entschuldigen uns für den entstandenen Schaden“, hieß es in einer Stellungnahme am Dienstag.

„Koda“ bestätigte, dass die Szene „illustratives Filmmaterial“ enthalten habe. Jedoch werde der Zuschauer im Abspann darauf hingewiesen, dass Szenen in seltenen Fällen nachgestellt sein könnten, um die Einsatzkräfte zu schützen. Waffenfunde wie der dargestellte gebe es in großer Anzahl. Dennoch handle es sich um eine „Fehleinschätzung“, für die man sich entschuldige. Laut „Koda“ wussten nur zwei Angestellte der Firma von der Manipulation. Mit einem der beiden will das Unternehmen ein Gespräch führen. Der andere arbeitet nicht mehr für die Produktionsfirma. „Koda“ betont, dass die meisten der 145 gedrehten Szenen „vollkommen authentisch“ seien. Die „Ha'aretz“ verweist indes auf eine weitere Szene, in der sie Anhaltspunkte für Manipulationen gefunden haben will.

Von: ser

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