Die ultra-orthodoxe Serien-Familie „Shtisel“ ist nicht nur in ihrer Heimat sehr beliebt

Die ultra-orthodoxe Serien-Familie „Shtisel“ ist nicht nur in ihrer Heimat sehr beliebt

Fernsehspaß für Jiddisch-Freunde

Die fiktive Geschichte über den ultra-orthodoxen Rabbiner „Shtisel“ und seine Familie wurde in Israel vor allem von säkularen Juden gern gesehen. Nun ist die Erfolgsserie auch mit deutschen Untertiteln zu sehen.

Akiva Shtisel ist auf Brautschau. Der ultra-orthodoxe Jeruschalmi ist das jüngste von sechs Geschwistern und lebt mit seinem Vater Shulem im Jerusalemer Stadtteil Ge'ula, die Mutter ist schon lange verstorben. Akiva ist Religionslehrer und verliebt sich in die Mutter eines seiner Schüler. Elisheva Rotshtein ist zweimal verwitwet und deutlich älter als Akiva, daher gilt sie weder seiner Familie noch dem Heiratsvermittler Kenigsberg als gute Partie.

Der Mann von Akivas Schwester Giti hat diese sitzen lassen, um nach Argentinien zu gehen. Giti versucht, so gut es geht, den Schein der intakten Familie nach außen zu wahren. Auch wenn die Probleme innerhalb der Familie nicht offen angesprochen werden, ist klar, dass Giti auf ihre Familie zählen kann.

Der 26-jährige Akiva ist ein Träumer und beginnt zu malen. Während in Künstlerkreisen sein großes Talent schnell erkannt wird, findet er in der ultra-orthodoxen Gesellschaft wenige Bewunderer. Währenddessen sucht auch Shulem nach einer passenden Frau, allerdings scheint er eher an den Kochkünsten als an den Bewerberinnen selbst interessiert.

Teilweise offen gegenüber säkularem Lebensstil

„Shtisel“ ist ein Drama, welches ein Lebensumfeld von Männern und Frauen beschreibt, die nicht selten an ihren eigenen Ansprüchen scheitern. Die Gemeinschaft wird als eine jüdisch-religiöse beschrieben, die klar den ultra-orthodoxen Bräuchen folgt, jedoch teilweise dem säkularen Lebensstil offener gegenübersteht, als das beispielsweise im Nachbarviertel Mea Schearim der Fall ist.

Die Hauptcharaktere der Serie sind säkulare Schauspieler – trotzdem besticht die Serie durch ihre Authentizität: Sicher ist es dem Umstand zu verdanken, dass die Kostümierung der Schauspieler sowie die Ausstattung der Drehorte von einer ehemaligen ultra-orthodoxen „Aussteigerin“ übernommen worden sind.

Auch einige der Nebendarsteller sind ehemals ultra-orthodoxe Juden, die während des Drehs immer wieder beratend zur Seite standen. Zudem erzeugen die scharf gestochenen Bilder aus dem romantischen Viertel Nachlaot sowie die zahlreichen Niggunim, die jüdischen Melodien in ihren vielen Improvisationen, eine melancholische Stimmung, deren Charme auch der nichtisraelische Zuschauer erliegen muss.

Wachsender Jiddisch-Redeanteil

Das große Verdienst von „Shtisel“ liegt darin, dass hier ultra-orthodoxe Juden der israelischen Öffentlichkeit unabhängig von politischen Ansichten dargestellt werden. Die sympathischen Charaktere erzeugen sofort eine Nähe, der sich der Zuschauer nur schwer entziehen kann. Ultra-Orthodoxe werden hier als Personen mit Problemen wahrgenommen, die in ähnlicher Form auch in jeder anderen Lebensgemeinschaft vorkommen könnten.

In den israelischen Medien wurde die Serie auch für ihren feinen Humor gelobt. Außerdem mischt sich auf natürliche Art die jiddische Sprache ins Hebräische. Die Redeanteile der zweiten Staffel bestehen zu 20 Prozent aus Jiddisch. So einen hohen Anteil hat es bisher in keinem israelischen Film gegeben.

In Deutschland mit Untertiteln

Die israelische Fernsehserie wird im Sommer sechs Jahre alt. Doch seit Dezember ist sie beim Streamingdienst Netflix im Original mit deutschen Untertiteln zu sehen. Sie stammt von Ori Elon und Jonathan Indurski. Letzterer ist einer ultra-orthodoxen Familie aufgewachsen. Bisher wurden insgesamt 24 Folgen in zwei Staffeln veröffentlicht.

Amazon hat die Produktion einer amerikanischen Version der Serie bereits im Herbst 2016 angekündigt. Auch wenn Netflix keine konkreten Zuschauerzahlen veröffentlicht, ist die Resonanz groß. Die Serie wurde in den sozialen Netzwerken so stark diskutiert, dass auch die israelischen Macher eine dritte Staffel erwägen. Nicht nur von vielen Israelis wird diese sehnsüchtig erwartet.

Von: mh

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