Regisseur Samuel Maoz 2009 in Venedig (Archivbild)

Regisseur Samuel Maoz 2009 in Venedig (Archivbild)

Silberner Löwe für israelischen Regisseur – Kritik von der Regierung

Der israelische Regisseur Samuel Maoz hat am Samstag bei den Filmfestspielen von Venedig für seinen Streifen „Foxtrot“ den zweiten Preis der Großen Jury gewonnen. Der Palästinenser Kamel El Bascha wurde als bester Darsteller gekürt.

VENEDIG / JERUSALEM (inn) – Ein Hauch von Nahost in Venedig: Bei den Internationalen Filmfestspielen von Venedig hat der israelische Regisseur Samuel Maoz am Wochenende für seinen Film „Foxtrot“ den zweiten Preis der Großen Jury gewonnen. Das Werk setzt sich kritisch mit der israelischen Armee auseinander.

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Kulturministerin Miri Regev, die früher Sprecherin der israelischen Armee war, kritisierte, dass „israelische Künstler einen Beitrag zur Hetze der jungen Generation gegen die moralischste Armee der Welt leisten, indem sie unter dem Deckmantel der Kunst Lügen verbreiten“.

„Rückenwind für Israel-Hasser“

Sie beschuldigte den Film, der Boykottbewegung „BDS und den Hassern Israels auf der ganzen Welt Rückenwind zu geben“. Die Likud-Ministerin rief den Staat auf, zukünftig keine Filme mehr zu fördern, die „eine Propaganda-Waffe für unsere Feinde werden“. Laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ hob sie eine Szene hervor, in der israelische Soldaten eine arabische Familie töten und diese begraben.

Der israelische Regisseur Maoz verteidigte seinen Film. Keine Gesellschaft könne gedeihen, wenn „Kritiker als Verräter benannt werden“. Seinen Film habe er aus Besorgnis heraus gedreht. „Wenn ich den Ort kritisiere, an dem ich lebe, mache ich das, weil ich mir Sorgen mache. Ich tue dies, weil ich ihn beschützen möchte. Ich tue es aus Liebe.“

Rivlin freut sich auf „Foxtrot“

Maoz erklärt, er habe den Film, der auch vom realen Leben inspiriert sei, wie eine griechische Tragödie in drei Akten aufgebaut. „Der Held erschafft seine eigene Strafe und kämpft gegen jeden, der versucht, ihn zu retten. Das Ergebnis seiner Handlungen kennt er nicht.“ Der Film „Foxtrot“ eröffnet mit der Szene, in der wohlhabende israelische Eltern in Tel Aviv informiert werden, dass ihr Sohn als Soldat gestorben ist. Der Film zeigt immer wieder Situationen des Schocks, die alle Generationen erleben.

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin freut sich darauf, den Film anzuschauen, berichtet die Tageszeitung „Jerusalem Post“. Er wisse noch nicht, ob er den Streifen „Foxtrot“ mögen wird. Aber der Staatsmann versuche, jeden israelischen Film zu sehen, „weil ich ein großer Fan bin“.

Für Maoz ist der Silberne Löwe die zweite Auszeichnung in Venedig: Vor acht Jahren hatte er den Goldenen Löwen für den Antikriegsfilm „Libanon“ erhalten. Das Geschehen des Libanonkrieges 1982 wird mit den Augen verängstigter Soldaten vom Inneren eines Panzers aus betrachtet.

Palästinenser als bester Darsteller ausgezeichnet

Als bester Darsteller wurde der Palästinenser Kamel El Bascha für sein Schauspiel in „The Insult“ von Ziad Doueiri ausgezeichnet. Darin spielt er einen palästinensischen Bauarbeiter. Der Streit mit einem Anwohner der Baustelle in Beirut gerät aus dem Ruder und führt fast zu einem Bürgerkrieg in der libanesischen Hauptstadt.

Wie der Berliner „Tagesspiegel“ nun berichtet, wurde der libanesische Regisseur Doueiri am Sonntag am Flughafen in Beirut festgehalten und schließlich von einem Militärgericht angehört. Er wollte zu der Premiere seines Films in den Libanon reisen. Aus Sicherheitskreisen heißt es, die Anhörung habe mit einem früheren Film zu tun.

Von: mab