Im Raum für das Gedenken an gefallene Journalisten erscheinen die Namen der beiden Hamas-Kameramänner vorerst nicht.
Im Raum für das Gedenken an gefallene Journalisten erscheinen die Namen der beiden Hamas-Kameramänner vorerst nicht.

Keine Ehrung für Hamas-Journalisten

WASHINGTON (inn) – Entscheidung geändert: Ein Museum in Washington nimmt zwei Kameramänner des palästinensischen Senders „Al-Aksa TV“ vorerst nicht in seine Gedenkwand für gefallene Medienvertreter auf. Gegen den ursprünglichen Beschluss hatte unter anderen die Antidiffamierungsliga (ADL) protestiert.

Ursprünglich wollte das größte Medienmuseum der Welt, das „Newseum“, am gestrigen Montag die Hamas-Anhänger Hussam Salama and Mahmud al-Kumi mit 82 anderen Journalisten ehren, die im Jahr 2012 oder davor bei der Arbeit ums Leben kamen. Die Palästinenser waren während der israelischen Militäroperation „Wolkensäule“ im Gazastreifen getötet worden. Noch am Freitag verteidigte das Museum seine Entscheidung. Es argumentierte unter anderem damit, dass das Fahrzeug der Kameramänner mit dem Hinweis „TV“ markiert gewesen sei. Organisationen wie die Reporter ohne Grenzen verträten die Auffassung, die beiden seien im Dienst gestorben.

Dagegen legten mehrere Organisationen Protest ein, unter ihnen die Antidiffamierungsliga. „Es ist ein dunkler Tag, wenn Mitglieder einer terroristischen Organisation, die ihre Agenda durch mörderische Gewalt voranbringen, als Teil eines Tributes an Journalisten geehrt werden, die während der Ausübung ihrer Pflicht getötet wurden“, ließ die ADL am Sonntag verlauten.

Der nationale Direktor Abraham H. Foxman teilte mit: „Diese Entscheidung steht dem Gründungsauftrag des Newseum entgegen, ‚die Öffentlichkeit über den Wert einer freien Presse in einer freien Gesellschaft zu unterrichten‘. Salama und Al-Kumi waren terroristische Funktionäre, die für ein Netzwerk arbeiteten, das routinemäßig Antisemitismus und Aufhetzung zur Gewalt fördert. Dies Männer arbeiteten für ein Propagandamedium, nicht für eine legitime Nachrichtenorganisation.“ Das Journalismusmuseum forderte er dazu auf, die Namen der Hamas-Mitglieder von der Liste der zu Ehrenden zu nehmen.

Daraufhin hieß es am Montag aus dem Newseum laut der Zeitung „Washington Post“, die Verantwortlichen würden die Entscheidung überdenken: „Ernsthafte Fragen sind aufgeworfen worden, ob die beiden Einzelpersonen, die starben, als sie im vergangenen Jahr Bericht erstatteten, wirklich Journalisten waren oder ob sie an terroristischen Aktivitäten beteiligt waren.“ Der Terrorismus habe die Landschaft in vielen Gebieten verändert, auch im Zusammenhang mit Krieg. „Der Journalismus ist keine Ausnahme.“

Die Museumsvertreter fügten hinzu: „Wir nehmen die Bedenken ernst, die zu diesen beiden Männern geäußert wurden und haben beschlossen, ihre Aufnahme als Journalisten in unsere Gedenkwand neu zu bewerten bis zu einer weiteren Untersuchung.“

Der Sender „Al-Aksa TV“ wurde 2005 von der Hamas gegründet und ging im Januar 2006 nach ihrem Wahlsieg in Betrieb. Nach Auffassung der US-Regierung gilt die Organisation als Terrorgruppe.

Von: eh