Rekruten der Golani-Brigade: Die Armee will ihre Soldaten vor Missionierung schützen

Rekruten der Golani-Brigade: Die Armee will ihre Soldaten vor Missionierung schützen

„Missionare vom Wehrdienst ausschließen“

Eine israelische Organisation befürchtet christliche Missionsbestrebungen in der Armee – und appelliert an den Verteidigungsminister. Indes sorgt ein Bild von einem Soldaten mit Neuem Testament für Furore im Netz.

JERUSALEM (inn) – Die israelische Armee sollte missionarisch gesinnte Menschen, die an Jesus glauben, nicht zum Wehrdienst zulassen. Das fordert die jüdische Organisation „Yad L’Achim“ in einem Brief an Verteidigungsminister Benny Gantz (Blau-Weiß). Anlass ist ein Papier, das sich an messianische Juden beim Militär richtet.

Nach Einschätzung der Anti-Missions-Bewegung soll die Broschüre der Organisation „Natzor“ zwar Angehörigen der messianischen Bewegung helfen, ihren Glauben zu wahren. Doch sie trainiere die Wehrdienstleistenden auch darin, ihre Kameraden zum Glaubensübertritt zu bewegen. Denn gerade im Militärdienst seien Menschen häufig emotional verwundbar und deshalb leichter zu beeinflussen, heißt es in einer Mitteilung von „Yad L’Achim“. Demnach erfahren die messianischen Juden in dem Papier auch, welche missionarischen Argumente für Gespräche mit religiösen Soldaten einerseits und mit Säkularen andererseits nützlich sein könnten.

In dem Brief an Gantz schreibt „Yad L’Achim“, christliches Predigen in der Armee „steht in völligem Widerspruch zu den Anordnungen der Armee und der moralischen Logik“. Weiter heißt es: „Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte müssen eine harte Haltung gegen hemmungsloses Predigen in ihren Rängen mit dem Ziel der Konvertierung zum Christentum einnehmen. Es ist klar, dass kein Raum für missionarische Gottesdienstausübung ist, die die delikate Zusammensetzung der Armee verändern und der jüdischen Nation einen Dolchstoß versetzen will.“

In dem Zusammenhang verweist die Organisation auf den vor 26 Jahren ermordeten Regierungschef Jitzchak Rabin. Als Verteidigungsminister „entließ er den Missionar Richard (Arje) Sorku-Ram aus dem Reservedienst, der Christentum predigte“. „Yad l'Achim“ fährt fort: „Wir ersuchen Sie, den Militärdienst von Soldaten zu beenden, die tätig sind, um Juden zum Verlassen ihrer Religion zu bewegen. Außerdem sollten Sie keine Mitglieder der Sekte mehr rekrutieren, im Wissen, dass sie trainiert werden, zu ihren Kameraden zu predigen.“ Mit „Sekte“ meint die Organisation die messianischen Juden.

Foto: Soldat mit Neuem Testament erregt Aufsehen

Bereits am 8. Oktober hatte ein Foto, das die Bodentruppen der Armee auf Instagram veröffentlichten, die Gemüter erhitzt. Darauf ist ein Soldat zu sehen, der seinen Eid auf ein Neues Testament ablegt. Genauer gesagt handelt es sich um eine vollständige christliche Bibel in hebräischer Sprache. Auf dem Titel finden sich oben die Worte „Tora, Nevi'im, Ketuvim“. Das steht für „Tora, Propheten, Schriften“. Die Abkürzung „Tanach“ ist eine Bezeichnung für die Hebräische Bibel. Darunter steht „we-HaBrit HaChadascha“ – „und das Neue Testament“.

Die Bodentruppen verwendeten das Bild als Illustration für die Nachricht, dass zum ersten Mal seit der Corona-Pandemie wieder eine Vereidigung als Präsenzveranstaltung möglich war: „Erstmals seit dem Ausbruch des Coronavirus wurden am 21. August neue Rekruten der Bewaffneten Corps in einer traditionellen Zeremonie beim Monument der Bewaffneten Corps vereidigt!“

Der Soldat hat seinen Eid auf eine christliche Bibel in hebräischer Sprache abgelegt

Der Soldat hat seinen Eid auf eine christliche Bibel in hebräischer Sprache abgelegt

Laut der Nachrichtenseite „All Israel“ führte die Veröffentlichung zu einer „Explosion“ in den Sozialen Medien. Nutzer warfen der Armee vor, sie versuche, Rekruten zum Christentum zu bekehren. Viele Israelis reagierten verärgert, weil das Neue Testament im Verbund mit der Hebräischen Bibel erschien. Möglicherweise war ihnen nicht bewusst, dass für Christen das Alte und das Neue Testament Gottes Wort sind.

In der israelischen Armee dürfen Christen auf eine Bibel mit dem Neuen Testament schwören und Muslime auf einen Koran. Jüdische Soldaten verwenden bei der Vereidigung einen Tanach. Allerdings nehmen die Christen dafür meist eine arabische Bibel.

Auf dem Bild ist außerdem ein Logo von „Natzor“ zu sehen. Es deutet darauf hin, dass es sich bei dem Soldaten um einen messianischen Juden handelt, der Hebräisch spricht.

Die Armee teilte unterdessen mit, sie nehme Vorwürfe ernst, nach denen messianische Juden missionarische Schriften an Soldaten verteilten. „Die Israelischen Verteidigungsstreitkräfte sind ein Schmelztiegel der israelischen Gesellschaft. Daher ist es angemessen, sie vor missionarischen Aktivitäten zu schützen“, zitiert „All Israel“ aus der Stellungnahme. „Das Militäroberrabbinat arbeitet hart, um die Moral unserer Truppen zugunsten all unserer Soldaten zu stärken, aus allen Religionen. Die Realität, in der externe missionarische Kräfte versuchen, die Armee zu infiltrieren, ist seltsam und gefährlich.“

Rapper: Stolz auf jeden, der Israel beschützt

Zwei Tage nach der Veröffentlichung stellte der israelische Rapper Joav Eliasi das Foto ebenfalls online. Daneben platzierte er einen Soldaten mit einem Koran. Der Künstlername des rechtsgerichteten Aktivisten lautet „HaTzel“ (Der Schatten). Er schrieb dazu: „Ich habe gesehen, dass viele die Stirn runzelten wegen des Fotos von einem Soldaten, der seinen Eid auf das Neue Testament ablegt. Also hat die israelische Armee auch Christen. Das ist weder unheimlich noch seltsam. Jeder schwört auf das, was er glaubt.“

Der Rapper betonte: „Sie geloben, das Land Israel und das Volk Israel mit ihren Leben zu schützen. Christen und Aramäer schwören auf das Neue Testament, Muslime auf den Koran, Juden auf den Tanach. Ermutigt sie, deprimiert sie nicht! Die israelische Armee ist ein Schmelztiegel, und dies ist ein bewegendes Foto! Ich bin stolz auf jeden, der dieses Land beschützt.“

Dieser Beitrag erhielt mehr als 13.000 „Gefällt mir“-Angaben. Messianische Juden bemühten sich in Kommentaren, Verständnis für ihre Gruppierung zu wecken. Einer schrieb: „Ich bin jüdisch, israelisch – und ich glaube, dass Jeschua der jüdische Messias ist. Ich werde mich nicht wegen der Meinung einer Mehrheit umstimmen lassen.“

Von: eh