Die Jugendlichen aus Deutschland und Israel kommen nach Angaben der Organisatoren verändert von den Einsätzen zurück

Die Jugendlichen aus Deutschland und Israel kommen nach Angaben der Organisatoren verändert von den Einsätzen zurück

Messianische Juden immer mehr anerkannt

Beim Israelkongress in Schwäbisch Gmünd erhalten die Teilnehmer Einblicke in das Leben messianischer Juden. Ein Seminar fragt, wem Jerusalem gehört.

SCHWÄBISCH GMÜND (inn) – In Israel nimmt die Zahl der messianischen Juden zu. Davon berichtete Susanne Wustl vom Philippus-Dienst am Wochenende beim Israelkongress in Schwäbisch Gmünd. Das Werk will „eine versöhnende Brücke zwischen Israel und den Völkern“ sein.

Wustl erzählte, vor etwa 40 Jahren habe es in Israel 300 Jesus-gläubige Juden gegeben, heute seien es 30.000 bis 40.000. Sie würden in der Öffentlichkeit immer mehr wahrgenommen und seien mit ihren vielen Ethnien und Sprachen ein Abbild der israelischen Gesellschaft.

Die größte Gruppe bilden die russischen Juden, die an Jesus als ihren Messias glauben. Sie engagieren sich viel im sozialen Bereich – wohl auch deshalb, weil unter Einwanderern aus der ehemaligen Sowjetunion Probleme wie Alkoholsucht besonders verbreitet seien. Äthiopische Olim hätten mit Rassismus und mangelnder Bildung zu tun. Hier gebe es einen Generationenkonflikt, auch in den Gemeinden: Junge Äthiopier gingen zur Armee, sprächen besser Hebräisch als Amharisch. Das bringe die traditionelle Familienstruktur durcheinander, sagte Wustl. In hebräischen Gemeinden wiederum gebe es viele Übersetzungen, aber mitunter keine gemeinsame Sprache.

Zum Wehrdienst merkte sie an, viele messianische Juden wollten ihrem Land dienen. Oft erhielten sie hohe Posten wegen ihrer Tugenden, wie etwa Ehrlichkeit. Bei arabischen Christen stoße der Trend auf Unmut: „Dann schießt ihr auf unsere Verwandten“, laute ihre Befürchtung wegen der Militäreinsätze in den palästinensischen Gebieten. Ein messianisch-jüdischer Soldat sei in seiner Einheit oft der einzige Gläubige. Deshalb gebe es mittlerweile ein Programm zur Unterstützung gläubiger Soldaten.

Versöhnung: Jugendliche Hand in Hand

Zur Versöhnung zwischen Deutschen und Israelis beitragen will der Philippus-Dienst mit dem Programm „Yad B'Yad“. Der hebräische Ausdruck bedeutet „Hand in Hand“. Dabei besuchen israelische und deutsche Jugendliche, die an Jesus glauben, nach einer Vorbereitungswoche gemeinsam Auschwitz. Sie kämen verändert davon zurück. Das Programm gibt es seit einigen Jahren. Neu hinzugekommen ist „Yad B'Yad 2.0“, daran nehmen auch palästinensische Christen teil. Claudia Schaller war 2018 und 2019 bei einem Projekt dabei, wo junge Leute in Deutschland und Österreich Passanten zum Glauben an Jesus einluden. Beim zweiten Mal nahmen auch Palästinenser teil.

Im Gespräch mit Israelnetz erzählte die Lehrerin für Deutsch als Fremdsprache, sie habe jeweils eine wunderschöne Woche und große Einheit erlebt. Die Gruppe sei sehr schnell zusammengewachsen. Als sie von der Straßenevangelisation zurückkehrten, habe sie sich an die Aussendung der 70 Jünger durch Jesus erinnert gefühlt: Auch die Teilnehmer in Städten wie München oder Salzburg hätten Wunder und viel Freude erlebt. Dabei habe jeder Teilnehmer seine Stärken einbringen können, alle Parteien seien gebraucht worden. „Dadurch waren wir das größte Zeugnis.“

Auf die Frage, inwieweit sie in dieser Zeit Veränderung erlebt habe, erzählte Schaller von einer Jüdin aus einer messianischen Gemeinde in Netanja. Sie habe Araber gehasst, sich aber trotzdem für eine Teilnahme entschieden. Während der Einsätze habe sie arabische Christen kennengelernt – und ihre Einstellung geändert.

Biblischer Blick auf Jerusalem

Der Frage „Wem gehört Jerusalem?“ ging Jurek Schulz in seinem Seminar nach. Er ist Mitarbeiter der „Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel“ (amzi). Er verwies auf die Bibel, wo Gott das Volk Israel segnet, ihm das Land und Jerusalem gibt. „Gott ist Akteur, Israel Empfänger“, betonte der Referent. Der Tempel sollte auf Gottes Geheiß auf dem Berg Moria entstehen. Dort ereigneten sich laut Überlieferung bereits viele Jahre zuvor die Begebenheiten, die in 1. Mose 22 geschildert sind: Abraham band seinen Sohn Isaak an einen Altar, um ihn zu opfern. Im letzten Augenblick fand sich ein Widder als Opfertier.

Der Name Jerusalem kann als „Stadt des Friedens“ oder auch „Gründung des Friedens“ gedeutet werden. Gott habe gewusst, dass Frieden weit weg ist, sagte Schulz. Das zeige sich in Psalm 122,6: „Wünschet Jerusalem Frieden!“ Vor etwa 4.000 Jahren habe ein geheimnisvoller Mann gelebt, der im 1. Buch Mose vorkommt: Melchisedek, der „König der Gerechtigkeit“. Er war Priester des Allerhöchsten in Salem, also Jerusalem. Melchisedek gehörte zum kanaanäischen Stamm der Jebusiter. Salem war damals Teil des großägyptischen Reiches.

Jurek Schulz betonte Gottes Anspruch auf Jerusalem

Jurek Schulz betonte Gottes Anspruch auf Jerusalem

In 1. Chronik 11 ist zu lesen, wie das Volk nach Jerusalem, Jebus zog. „Kein Wort in der Bibel ist ohne Bedeutung“, verwies der Referent auf die jüdische Auslegungstradition. So stehe in Micha „Bethlehem Efrata“, weil es noch andere Orte mit diesem Namen geben könne. Dasselbe gelte für den Zusatz „Jebus“. Die Jebusiter seien nach der Eroberung ins Volk Israel integriert worden.

Angesichts des Tempelbaus sagte Gott laut Bibel: „Jerusalem habe ich erwählt“ (1. Könige 11,36). Der Herodianische Tempel sei das größte religiöse Bauwerk seiner Zeit gewesen, größer als die Pyramiden, ergänzte Schulz. Alte Landkarten zeigten, dass byzantinische Christen Jerusalem als Mittelpunkt der Erde gesehen hätten. Von Jerusalem gehe Heil aus, ein geistlicher Kampf tobe. Dies zeige sich auch daran, dass es 16-mal völlig oder teilweise zerstört und wieder aufgebaut worden sei – so oft wie keine andere Stadt. Eine „Zwei-Staaten-Lösung“, wie sie derzeit angedacht ist, würde eine erneute Teilung Jerusalems bedeuten, Juden könnten dann nicht an die Klagemauer.

Den Israelkongress vom 23. bis 26. September im Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd besuchen inklusive der geladenen Gäste rund 400 Menschen. Die Christliche Medieninitiative pro, zu der auch das Christliche Medienmagazin PRO und Israelnetz gehören, war einer der Mitorganisatoren.

Von: Elisabeth Hausen