Der Vorsitzende der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ), Gottfried Bühler, sieht einen biblischen Auftrag zur Alija

Der Vorsitzende der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ), Gottfried Bühler, sieht einen biblischen Auftrag zur Alija

Diskussion um „biblisches Mandat für Alija“

Haben Juden den biblischen Auftrag, nach Israel auszuwandern? Diese Frage wird im Rahmen des Israelkongresses debattiert. Eine eindeutige Antwort finden die Diskutanten jedoch nicht.

SCHWÄBISCH GMÜND (inn) – Juden haben ein biblisches Mandat, nach Israel einzuwandern. Diese Meinung vertrat der Vorsitzende der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ), Gottfried Bühler, im Rahmen einer Podiumsdiskussion am Freitag auf dem Israelkongress in Schwäbisch Gmünd. Jüdische Propheten hätten dies in den biblischen Schriften klar zum Ausdruck gebracht. Deswegen gebe es auch eine „Sehnsucht nach Israel“. Einwanderung von Juden aus aller Welt nach Israel nannte Bühler „eines der ganz großen Wunder der Neuzeit“.

Der Geschäftsführer des „Evangeliumsdienst für Israel“ (EDI), Armin Bachor, hielt dagegen, dass weder die Apostel, noch Jesus selbst, Alija thematisiert hätten. Aus biblischer Perspektive gebe es keinen Aufruf zur Alija. Vielmehr sei das Zusammenspiel zwischen Alija und Diaspora dynamisch. Dieses Miteinander sei mit dem Verhalten von Zugvögeln zu vergleichen. Auch diese seien an zwei Orten zu Hause. Die Aufgabe für Christen sieht Bachor darin, allen Juden in Demut und Dienstbereitschaft zu begegnen. Kritik übte er an Christen, die sich ausschließlich für Alija stark machen, um die Wiederkunft Jesus zu beschleunigen. Diese befänden sich auf einem Irrweg.

Der Geschäftsführer des „Evangeliumsdienst für Israel“ (EDI), Armin Bachor, machte sich für Diaspora-Gemeinden stark

Der Geschäftsführer des „Evangeliumsdienst für Israel“ (EDI), Armin Bachor, machte sich für Diaspora-Gemeinden stark

„Israel ist Lebensversicherung“

In der Diskussion betonte Bachor außerdem die Notwendigkeit von jüdischen Diaspora-Gemeinden. Diese seien aus einer geistlich-theologischen Sicht sehr wichtig: „Wenn Juden nicht mehr in der Diaspora sind, verliert die Kirche den Blick für ihre Wurzeln“. Der Öffentlichkeitsreferent der „Arbeitsgemeinschaft für das messianische Zeugnis an Israel" (amzi), Jurek Schulz, plädierte für eine vermittelnde Position. Sowohl Diaspora, als auch Alija seien legitim: „Beides ist von Gott angelegt und sollte nicht gegeneinander ausgespielt werden“, erklärte er.

Neben möglichen theologischen Gründen für Alija haben die Diskutanten vor allem Antisemitismus als Triebfeder ausgemacht. Wegen des aufkommenden Judenhasses sei Israel eine „Lebensrettung“ für Juden, erklärte Bühler. Schulz forderte ein entschiedenes Aufstehen für eine streitbare Demokratie und für den Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus. Die Christenheit sei oftmals eine „schweigende Masse“. Eine solche habe dazu geführt, dass Hitler an die Macht gekommen ist.

Auf die Frage, ob Christen jüdischen Mitbürgern Alija oder Diaspora empfehlen sollten, sagte die Journalistin Mirjam Holmer, dass Juden nicht vorgeschrieben werden sollte, wo sie zu leben haben. Vielmehr sollten Christen die Entscheidung akzeptieren und dort unterstützen, wo es nötig ist.

Den Israelkongress vom 23. bis 26. September im Gästezentrum Schönblick in Schwäbisch Gmünd besuchen inklusive der geladenen Gäste rund 400 Menschen. Die Christliche Medieninitiative pro, zu der auch das Christliche Medienmagazin PRO und Israelnetz gehören, ist einer der Mitorganisatoren.

Von: Martin Schlorke