Will sich am israelischen Impfverhalten orientieren: Karl Lauterbach (Archivbild)

Will sich am israelischen Impfverhalten orientieren: Karl Lauterbach (Archivbild)

Lauterbach lobt Artikel über Corona und Israel

Die „Financial Times“ rät angesichts der aktuellen Corona-Lage in Israel zur dritten Impfdosis. SPD-Gesundheitsexperte Lauterbach stimmt dem zu. Die FPÖ zieht andere Schlüsse.

JERUSALEM (inn) – Die Welt sollte angesichts der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie auf Israel schauen. Das empfiehlt die Zeitung „Financial Times“ (FT) in einem aktuellen Beitrag. „Jetzt gehört eine der am meisten geimpften Nationen zu den ersten, die eine alarmierende vierte Welle von Infektionen – und stationären Behandlungen – erleben“, heißt es in dem Artikel. „Sie beeilt sich, Wiederholungsimpfungen zu verabreichen. Der Rest der Welt sollte davon Notiz nehmen.“

Die FT räumt ein, dass angesichts der kurzen Zeit noch keine gesicherten Schlüsse gezogen werden könnten – vor allem nicht im Zusammenhang mit der jetzt vorherrschenden Delta-Varinate. Aber der Trend sei klar: „Sechs bis acht Monate nach der zweiten Dosis beginnt die Immunität abzunehmen.“ 90 Prozent der Neuinfizierten beträfen die Gruppe der Israelis ab 50 Jahren, von denen relativ viele zweimal geimpft seien. Wenn die aktuellen Infektionsraten so blieben, würden Anfang September mindestens 5.000 Menschen im Krankenhaus behandelt werden müssen. Auch mit Rücksicht auf besondere Gegebenheiten in Israel ließen sich daraus Schlüsse für andere Länder ziehen.

Auf Lob stieß der Artikel beim SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Er bezeichnete das Editorial auf Twitter als „interessant“ und ergänzte: „Fasst Lage in Israel gut zusammen.“ Dort werde BionTech seit sechs bis acht Monaten eingesetzt. Nun würden auch viele Geimpfte überraschend schwer krank. Wenn sich das bestätige, werde eine dritte Dosis für Menschen ab 50 Gruppe auch in Deutschland bald nötig.

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Andere Rückschlüsse aus der Lage in Israel ergeben sich für den österreichischen Politiker Herbert Kickl. Der FPÖ-Chef sagte vergangene Woche, die Entwicklung habe die Darstellung der Impfung als „Gamechanger“ widerlegt. Damit reagierte er auf eine Äußerung von Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP). Kickl folgerte aus der steigenden Zahl der Infizierten, die bereits geimpft sind, dass eine Alternative zur Impfung gefunden werden müsse. Insgesamt warnte er vor einem „Impfdruck“, wie die österreichische Zeitung „Die Presse“ berichtete.

Impfung auf dem Schulgelände angeordnet

Am Mittwochmorgen waren den israelischen Behörden 59.278 aktive Fälle bekannt. Binnen 24 Stunden wurden 7.832 Neuinfektionen gemeldet, die Quote der positiven Tests lag bei 5,6 Prozent. Drei Impfdosen empfangen haben bislang 1,13 Millionen Menschen in Israel. Derzeit werden 578 schwerkranke COVID-Patienten in den Krankenhäusern behandelt. Am 20. Juli gab es nur 52 Menschen mit schweren Symptomen.

Der Generaldirektor des Gesundheitsministeriums, Nachman Asch, unterzeichnete am Mittwoch eine Order. Damit weist er laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ Schulen an, Impfungen auf ihrem Gelände zu erlauben. Demnach sollen Schüler von ultra-orthodoxen Einrichtungen, deren Schuljahr bereits begonnen hat, ab Donnerstag geimpft werden. Allgemein ist der Schuljahrsbeginn in Israel am 1. September.

Von: eh