Kirchenvertreter aus der Schweiz wollen sich in Israel engagieren

Kirchenvertreter aus der Schweiz wollen sich in Israel engagieren

Schweizer Kirchen bald in Jerusalem präsent?

Den „Verein Evangelische Schweizer Kirche in Israel“ gibt es bereits seit dem vergangenen Jahr. Doch wegen der Corona-Pandemie hat sich die offizielle Gründungsfeier verschoben. Sie ist nun für den 15. August geplant.

BASEL / JERUSALEM (inn) – Länder wie Deutschland, Österreich, Schweden oder auch Norwegen haben bereits das, was sich Schweizer Kirchenvertreter noch wünschen: Eine Kirche oder ein Institut in Jerusalem, der Hauptstadt von Israel. Am 21. Oktober 2020 gründeten deshalb vier Pfarrpersonen als Vertreter aus reformierten Kirchen und aus verschiedenen Kantonen sowie ein Jurist den „Verein Evangelische Schweizer Kirche in Israel“ gegründet. Dies war, wie im Jahresbericht 2020 steht, in einer Gründungsversammlung im Bischofshof in Basel.

Diese Vereinsgründung ist im übertragenen Sinn auch Grundsteinlegung für eine Schweizer Kirche in Jerusalem. Darauffolgend hätte im November auch eine öffentliche Feier stattfinden sollen. Ein persönliches Treffen sei wegen Corona-Schutzregeln dann aber nicht möglich gewesen und wurde auf den kommenden Sonntag verschoben.

Absicht des Vereins sind Aus- und Weiterbildungen, die er in Israel und in der Schweiz anbieten wolle. Außerdem sei auch ein Pfarramt in Jerusalem angedacht. Wie aus dem ersten Jahresbericht hervorgeht, steht der Dialog zwischen den Religionen und Kulturen im Vordergrund: „Wir haben gelernt, wenn wir rabbinische Texte verstehen lernen, lebt unsere christliche Identität. Wir haben erlebt, dass unser Glaube wahrhaftiger wird, wenn wir mit Rabbinern, Gelehrten und Dichterinnen und Dichtern im Dialog sind.“

Gegen Antisemitismus in Kirchen

Zentral ist auch die Bekämpfung von Antisemitismus. So steht im Jahresbericht weiter: „Wir sind den schwierigen Weg gegangen, eigene Hass-Traditionen kritisch zu durchleuchten, Hass aufzulösen und neu Vertrauen zu finden: im Christentum, in der Theologie, in der Geschichte unserer Wohnorte und Länder und im Reden in unserer eigenen Generation.“ Dieser Weg führe nun auch nach Jerusalem. In Lehrstuben, in die Hebräische Universität, zu lebendigen Begegnungen zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen und Religionen in der Stadt, in Synagogen, in Kirchen, in Moscheen, in Kulturhäuser und zu gemeinsamen Essen und Ausflügen.

Auch die Muse soll nicht zu kurz kommen. So ist in einem Projektbeschrieb der Kirchen die Rede von Kunst, Musik, Kulinarik und Genuss, was in Kulturprogramme bei Besuchen vor Ort, in Israel, einfließen soll. Zur Vorbereitung in der Schweiz sollen Aus- und Weiterbildungsprogramme angeboten werden: Kurse (Hebräisch-Sprachkurse etwa oder rabbinische Theologie als Grundlage des Christentums), Vorträge sowie Podien mit Vertretern aus Religion und Politik.

In Israel und in der Schweiz

Das Engagement des Vereins schlägt sich auch in politischen Äußerungen nieder. So geschieht es auch in einer Stellungnahme zum jüngsten Konflikt zwischen Hamas im Gazastreifen und Israel im Mai dieses Jahr: „Unsere Solidarität gilt der wahllos angegriffenen Zivilbevölkerung, der angegriffenen Koexistenz der verschiedenen Völker, Religionen und Kulturen in Israel, den internationalen Verträgen und den Wirtschafts- und Wissenschaftskooperationen mit Israel.“ Also eine Solidarität in Zeiten des Friedens wie auch in Zeiten des Krieges.

Das Echo zu den geplanten weiteren Aktivitäten sei bisher so ermutigend gewesen, dass der Verein künftig in beiden Ländern Begegnungen und Events verwirklichen wolle. Es gehe darum, Freundschaften in Israel und in der Schweiz zu pflegen sowie Studierenden und Forschenden zu helfen, Israel besser zu verstehen. Ziel des Vereins sei es auch, 1.000 Mitglieder und individuelle Unterstützer sowie unterstützende Institutionen zu finden.

Von: Georg Hoffmann

Georg Hoffmann wurde 1976 als Sohn europäischer Eltern in der Schweiz geboren und ist mittlerweile Schwiegersohn einer israelisch-amerikanischen Familie. Seit den 1990er Jahren hält er sich – nebst der Schweiz und den USA – immer wieder für kurze oder lange Zeit in Israel auf. Mit seiner Frau und den beiden Kindern ist er Teil von jüdisch-christlichen Netzwerken und erachtet Israel als seine dritte Heimat.