Die Bedingungen in der Synagoge entsprachen nicht den behördlichen Sicherheitsvorgaben

Die Bedingungen in der Synagoge entsprachen nicht den behördlichen Sicherheitsvorgaben

Zwei Tote bei Einsturz einer Synagogentribüne

Trotz Warnungen und Verboten feiern ultra-orthodoxe Juden in einem nicht fertiggestellten Gebäude das Wochenfest. Als eine provisorische Tribüne einstürzt, gibt es Tote und Verletzte. Die Polizei ermittelt.

GIV'AT SE'EV (inn) – Während eines Gottesdienstes in einer Synagoge in Giv'at Se'ev nordwestlich von Jerusalem ist am Sonntagabend eine Tribüne eingestürzt. Zwei Menschen kamen ums Leben, 167 weitere erlitten zum Teil schwere Verletzungen. Die Juden der ultra-orthodoxen Karlin-Gemeinde in der Siedlung wollten den Auftakt des Wochenfestes Schawuot feiern, das unter anderem an die Gesetzgebung am Sinai erinnert.

Bei den Todesopfern handelt es sich um einen zwölfjährigen Jungen und einen 40-jährigen Mann. Nach Angaben der Rettungsorganisation Roter Davidstern sind fünf Menschen infolge des Unfalls sehr schwer verletzt. Hubschrauber und die israelische Armee beteiligten sich an den Rettungsarbeiten, wie die Zeitung „Yediot Aharonot“ berichtet.

Für besondere Veranstaltungen stellen ultra-orthodoxe Gemeinden manchmal an den Seiten des Gottesdienstraumes Tribünen auf. Dort können Gläubige stehen oder auch tanzen. An einem Tisch in der Mitte sitzen die Mitglieder des Gemeindevorstandes.

Veranstaltung wegen mangelnder Sicherheit nicht genehmigt

Indes stellte sich heraus, dass sich die Synagoge in einem nicht fertiggestellten Gebäude befindet. Deshalb hatten die Behörden sie für unbenutzbar erklärt. Der Vorsitzende des Regionalrates von Giv'at Se'ev, Jossi Avrahami, sagte, das Gremium habe die Gemeinde gewarnt: Die provisorische Synagoge entspreche nicht Sicherheitsstandards. Das Gelände sei mit Warnschildern versehen worden.

Auch Feuerwehr und Polizei vertraten im Vorfeld die Ansicht, dass das Gebäude für eine solche Schawuot-Feier nicht geeignet sei. Der Polizeikommandeur für den Bezirk Jerusalem, Doron Turgeman, teilte mit, ein detaillierter Brief habe die Bedingungen für eine Veranstaltung dargelegt. Die Polizei ermittle, Festnahmen seien nicht ausgeschlossen. Laut der Onlinezeitung „Times of Israel“ hatten Regionalrat und Polizei sich gegenseitig die Verantwortung zugeschustert, das Veranstaltungsverbot durchzusetzen.

Der Vater eines Verletzten sagte der Sendeanstalt „Kan“, etwa zehn Minuten vor Einsturz der Tribüne habe es einen Sicherheitshinweis gegeben. Die Anwesenden seien aufgefordert worden, sich nicht mehr gegenseitig zu stoßen.

Erst Ende April war bei einer ultra-orthodoxen Festveranstaltung auf dem nordisraelischen Berg Meron eine Massenpanik ausgebrochen. Dabei kamen 45 Juden ums Leben.

Von: eh