Die Polizei koordiniert ihren Einsatz. Mehrere Beamte wurden bei den Auseinandersetzungen in der Nacht auf Freitag verletzt.

Die Polizei koordiniert ihren Einsatz. Mehrere Beamte wurden bei den Auseinandersetzungen in der Nacht auf Freitag verletzt.

Wieder gewalttätige Unruhen in Jerusalem

Bei Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern in Jerusalem sind in der Nacht erneut dutzende Menschen verletzt worden. Grund für die Gewalt sind Corona-Beschränkungen, die während des Fastenmonats Ramadan gelten.

JERUSALEM (inn) – Jerusalem kommt nicht zur Ruhe. Bereits seit einer Woche halten die nächtlichen Auseinandersetzungen zwischen Arabern und Juden an. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag wurden bei den gewalttätigen Unruhen mindestens 100 Menschen verletzt, 22 mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Nach Informationen der Onlinezeitung „Times of Israel“ griffen am späten Donnerstagabend palästinensische Demonstranten eine Gruppe von etwa 300 rechtsextremen jüdischen Aktivisten am Damaskustor an. Diese riefen zuvor: „Tod den Arabern“. Die Polizei versuchte die beiden Gruppen auseinander zu halten und geriet so selbst zwischen die Fronten. Dabei wurden Beamte von den Palästinensern mit Steinen beworfen. Mindestens 20 Polizisten wurden verletzt. Insgesamt nahm die Polizei mehr als 50 Angreifer fest. Die Ausschreitungen dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Nach Angaben der Polizei warfen auch die jüdischen Extremisten Steine und setzten Müllcontainer in Brand.

Hintergrund der seit Tagen anhaltenden Ausschreitungen sind die trotz der Impferfolge weiterhin geltenden Corona-Beschränkungen in Israel. Zu Beginn des muslimischen Fastenmonats Ramadan haben die Beschränkungen zu Wut bei Teilen der muslimischen Bevölkerung Jerusalems geführt. Besonders am Damaskustor entlädt diese sich. Bereits in der Nacht zu Donnerstag gab es heftige Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Die Polizei setzte Blendgranaten und Wasserwerfer ein. Auch Medienvertreter waren Ziel der Angriffe.

Empfohlene redaktionelle Inhalte

An dieser Stelle finden Sie externe Inhalte, die unser redaktionelles Angebot ergänzen. Mit dem Klick auf "Externe Inhalte anzeigen" stimmen Sie zu, dass wir diese und zukünftige externe Inhalte anzeigen dürfen. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden.

Weitere Hinweise finden Sie in unseren Cookie-Richtlinie.

Angeheizt wird die Stimmung zusätzlich von rechtsextremen jüdischen Aktivisten. Diese rufen in den sozialen Netzwerken zu Gewalt gegen Muslimen auf. Die rechtsextreme Gruppe „Lehava“ forderte am Donnertag auf Facebook im Bezug zu Arabern: „Wir müssen ihre Gesichter zerschmettern, müssen sie lebendig begraben“. Wie die „Jüdische Allgemeine“ berichtet, haben mehrere arabische Jugendliche TikTok-Videos verbreitet und ihrerseits zu Gewalt aufgerufen. Der Jerusalemer Polizeikommandant des Bezirks Kedem, Sami Marciano, bezeichnete die Videos als „besorgniserregend“. Die Polizei unternehme alles, um die Videos entfernen zu lassen.

Lob von der palästinensischen Führung

Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas (Fatah) verurteilte die Zusammenstöße. Er beschuldigte rechtsextreme Israelis, unter „dem Schutz der israelischen Armee und Polizei“ für die Gewalt verantwortlich zu sein. Die im Gazastreifen herrschende Hamas wittert hinter den Auseinandersetzungen eine israelische Verschwörung gegen die Al-Aqsa-Moschee. Der palästinensische Premier Mohammed Schtaje bezeichnete den Einsatz der Jugendlichen als „heldenhaft“. Unterdessen versucht die amerikanische Botschaft zu deeskalieren. In einem Schreiben auf Arabisch und Hebräisch heißt es: „Wir sind zutiefst besorgt über die Gewalt in Jerusalem in den letzten Tagen. Wir hoffen, dass alle Verantwortlichen ein Ende der Aufwiegelung, eine Rückkehr zur Ruhe und den Respekt für die Sicherheit und Würde aller Menschen in Jerusalem fördern werden.“

Wegen der anhaltenden Unruhen warnt das Auswärtige Amt in Berlin vor der angespannten Lage in der Jerusalemer Altstadt. Vor allem an Freitagen und zu den täglichen Gebetszeiten seien gewaltsame Ausschreitungen möglich.

Von: mas