Papst Franziskus bei einem Treffen mit Vertretern anderer Religionen in Ur, der Heimat Abrahams

Papst Franziskus bei einem Treffen mit Vertretern anderer Religionen in Ur, der Heimat Abrahams

Papst Franziskus: Vergebung ist nötig

Der Wiederaufbau im Irak erfolgt nicht nur durch Geld und Steine, sondern auch durch Vergebung, mahnt Papst Franziskus. Bei seinem Besuch kommt es zu mehreren interreligiösen Treffen – jüdische Vertreter fehlen jedoch.

BAGDAD (inn) – Papst Franziskus hat Christen im Irak dazu aufgerufen, angesichts der Gewalt und Spannung im Land Werkzeuge des Friedens und der Versöhnung zu sein. Die Versuchung sei groß, mit „menschlicher Weisheit“ auf die Umstände zu antworten, sagte das Oberhaupt der Katholiken am Sonntag während einer Messe in Erbil. „Jesus hingegen zeigt uns den Weg Gottes, den Weg, den er beschritten hat und auf den er uns gerufen hat, ihm nachzufolgen.“

Die Messe in der kurdischen Regionalhauptstadt war der letzte größere Termin auf der Irak-Reise von Jorge Mario Bergoglio, wie Franziskus mit bürgerlichem Namen heißt. Der 84-Jährige war am Freitag in dem Golfstaat angekommen. Auf dem Weg dahin ließ er es sich nicht nehmen, bei Eintritt in den israelischen Luftraum Staatspräsidenten Reuven Rivlin und die Einwohner des Landes per Funk zu grüßen: „Ich bete, dass der allmächtige Gott Sie alle segnet mit seiner Gabe der Harmonie und des Friedens.“

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Höhepunkt des Besuchs im Irak war am Samstag ein interreligiöses Treffen an der Stätte der antiken sumerischen Stadt Ur in der Nähe von Nasiria. In Ur hatte der biblischen Überlieferung zufolge Abraham seine Heimat, auf den sich Judentum, Christentum und Islam berufen.

Franziskus mahnte bei dem Treffen, es liege „vor allem an uns Gläubigen jeder Religion, Werkzeuge des Hasses in Werkzeuge des Friedens zu verwandeln“. Wer hasst und Gewalt anwendet, entweihe den Namen Gottes. Franziskus rief zudem die Weltgemeinschaft auf, die Produktion von Waffen einzustellen und stattdessen genug zu essen für alle zu garantieren.

Jüdische Vertreter fehlen

Bereits am Samstag hatte sich Papst Franziskus mit dem Schiiten-Führer Ali Sistani getroffen, dem wichtigsten Vertreter des schiitischen Islam außerhalb des Iran. Es war laut „Vatican News“ die erste Begegnung eines Papstes und eines Schiiten-Führers. Für den irakischen Regierungschef Mustafa al-Kasimi war das Anlass genug, den 6. März als nationalen „Tag der Toleranz“ auszurufen.

Ob in Zukunft bei diesem besonderen Tag auch Juden dabei sein dürfen, wird sich zeigen. Während der Papstreise waren jüdische Repräsentanten nicht vertreten. Laut einem Bericht der „Jerusalem Post“ sperrte sich die Regierung in Bagdad dagegen, während sich der Vatikan offenbar eine Beteiligung erhofft hatte.

Der irakische Blogger Omar Mohammed („Mosul Eye“) beanstandete das Fehlen der Juden: „Ich hoffe, dass der Besuch (des Papstes) dazu führt, dass die irakische Regierung ihre Haltung zu den Juden ändert und ihnen wieder eine gerechte Vertretung ermöglicht“, sagte er der amerikanischen Nachrichtenseite „The Algemeiner“. „Wir brauchen nicht nur Diversität, sondern auch Inklusion. Ohne Inklusion können wir unsere Verschiedenheit nicht behalten.“

Der israelische Rabbiner David Rosen hofft ebenfalls auf eine jüdische Beteiligung bei derartigen Foren. Positiv hebt er hervor, dass sowohl Papst Franziskus als auch der irakische Präsident Barham Salih das Judentum in ihren Reden erwähnten. Salih hatte am Freitag bei der Begrüßung des Papstes gesagt, Iraker seien „stolz darauf, seit vielen Jahrhunderten in Städten zu leben, in denen Muslime, Christen, Juden, Sabäer und Jesiden in den Stadtvierteln dicht beieinander leben, als wahre Geschwister“.

Rosen, der im interreligiösen Dialog engagiert ist, plädiert etwa dafür, dass das 2019 verabschiedete Dokument „Die Brüderlichkeit aller Menschen“ auch auf das Judentum ausgedehnt wird. Den Text haben Papst Franziskus und der Scheich der Kairoer Al-As'har-Universität, Achmed al-Tajeb, bei einem Besuch des Papstes in den Vereinigten Arabischen Emiraten unterzeichnet. Darin rufen die beiden zu einer Kultur der Toleranz und des Dialogs zwischen den Religionen auf.

Wiederaufbau und Vergebung

Am Sonntag begab sich der Papst nach Mossul. Die Stadt war zwischen 2014 und 2017 Hochburg der Terrorgruppe Islamischer Staat. Eine halbe Million Menschen flohen aus ihr, darunter 120.000 Christen. Die syrisch-katholische Al-Tahera-Kirche in der Altstadt befindet sich im Wiederaufbau. Auf dem dortigen Kirchenplatz betete Franziskus für die Opfer von Krieg und Terrorismus.

In Mossul gedachte der Papst im Gebet der Opfer von Terror und Gewalt

In Mossul gedachte der Papst im Gebet der Opfer von Terror und Gewalt

Im 20 Kilometer entfernten Karakosch (Bachdida) besuchte Franziskus die größte Kirche des Irak, die Große Kirche der Unbefleckten Empfängnis. In der Stadt lebten einst 50.000 Einwohner, zu 90 Prozent waren es Christen. Diese kehren nach der Herrschaft des IS langsam zurück. Franziskus ermutigte zum Wiederaufbau und mahnte zugleich, es gehe dabei auch um die Wiederherstellung der Beziehungen zu den muslimischen Nachbarn. Dabei sei Vergebung das Schlüsselwort. „Ich weiß, dass das sehr schwer ist. Doch wir glauben daran, dass Gott den Frieden auf diese Erde bringen kann.“

Von: df