Sieht in Israel eine ähnliche Situation wie im Südafrika der Apartheid: Frank Chikane (Archivbild)

Sieht in Israel eine ähnliche Situation wie im Südafrika der Apartheid: Frank Chikane (Archivbild)

Weltkirchenrat distanziert sich von Äußerungen eines südafrikanischen Mitarbeiters

Eine amerikanische Zeitung zitiert anti-israelische Äußerungen eines Beraters des Weltkirchenrates. Dieser betont als Reaktion seine Ablehnung von Israelboykotten – solange diese keine Siedlungen betreffen.

LE GRAND-SACONNEX (inn) – Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) hat die amerikanische Zeitung „Algemeiner“ zu einer Korrektur aufgefordert. In einem Artikel vom 10. Februar zitierte sie einen Funktionär der Organisation mit anti-israelischen Äußerungen. Der Weltkirchenrat betonte, der Mitarbeiter habe die Sätze als Privatmann gesagt. Gleichzeitig gab er ihm teilweise recht.

„Dieser Artikel ist nicht korrekt“, sagte der geschäftsführende Generalsekretär Ioan Sauca in einer Mitteilung des Gremiums. „Der ÖRK hat nie zu einem wirtschaftlichen Boykott des Staates Israel aufgerufen. Aber er arbeitet mit Kirchen und anderen Organisationen für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel mit alle möglichen gewaltlosen, politischen und diplomatischen Mitteln.“

Die Zitate in der Zeitung stammen von Frank Chikane. Dieser „ist ein hochrespektierter Kirchenleiter in Südafrika, der eine wichtige Rolle beim Kampf gegen das Apartheidsystem in jenem Land spielte“, heißt es weiter. Als Moderator der ÖRK-Kommission der Kirchen zu internationalen Angelegenheiten (CCIA) habe er eine beratende Funktion für die Führung inne. Während des Treffens, in dessen Zusammenhang er im Artikel zitiert wurde, habe er jedoch in seiner persönlichen Eigenschaft gesprochen, nicht als Sprecher des ÖRK.

Chikane bestätigte dies: „Ich wurde als Südafrikaner eingeladen, persönlich auf den Start eines Filmes zu reagieren, der Leben und Dienst von Patriarch Michel Sabbah feiert, und nicht im Namen des ÖRK oder der CCIA. Die Ansichten, die ich bei der Veranstaltung geäußert habe, sind meine Ansichten und Perspektiven, die auf meiner Erfahrung in Südafrika basieren.“ Sabbah war von 1987 bis 2008 Lateinischer Patriarch von Jerusalem. Er weise die Behauptungen am Anfang des Artikels zurück, dass er „einen Krieg gegen Israel und dessen Unterstützer“ erklärt oder einen „feindlichen … Angriff auf die Legitimität des jüdischen Staates“ verübt habe, ergänzte der Pastor.

„Die ganze Welt gegen die Palästinenser“

An der Onlineveranstaltung hatten etwa 300 christliche Aktivisten teilgenommen. Chikane sagte mit Bezug auf die Palästinenser: „Ich bin überzeugt, dass sie es mit denselben Dämonen zu tun haben, mit denen wir in Südafrika zu tun hatten – außer dass in ihrem Fall die Dämonen viele andere Dämonen eingeladen haben, um ihren Kampf deutlich zu erschweren.“ Er fügte an: „Es ist fast, als wäre die ganze Welt gegen die Palästinenser, niemand kümmert sich. Jeden Tag werden Menschen getötet.“

In seiner Rolle bei der CCIA erhalte er täglich Berichte „über das, was in Palästina geschieht“, ergänzte Chikane. „Ich habe mir gesagt: ‚Deshalb würde ich nie Gott sein wollen, weil Gott dies jeden Tag, jede Minute, jede Stunde sieht. Und die Frage ist: Wie kann er die Welt beobachten und nichts tun?“

Zudem äußerte der Südafrikaner: „Es ist unsere Verantwortung, zu gewährleisten, dass die Welt die Brutalität der Geschehnisse in Palästina begreift und sie beendet.“ Er regte an, sich an Europa zu wenden: „Besonders an unsere christlichen Brüder und Schwestern, um ihnen zu sagen: ‚Ihr wisst, dass die Sünden der Vergangenheit, die gegen die Juden begangen wurden, nicht als Mittel und Grund benutzt werden dürfen, um zuzulassen, dass weitere Sünden gegen die Palästinenser begangen werden.‘“

ÖRK: „Israel von Anfang an unterstützt“

Der Ökumenische Rat der Kirchen merkte an: „Seit dessen Gründung im Jahr 1948 hat der ÖRK den Staat Israel und die legitimen Sicherheitsbedürfnisse seines Volkes anerkannt. Er hat immer wieder zu einem Ende der Gewalt aufgerufen, alle Formen von Antisemitismus abgelehnt, Widerspruch gegen die illegalen Siedlungen in den Besetzten Palästinensischen Gebieten geäußert und zu einer verhandelten Zwei-Staaten-Lösung für den Konflikt aufgerufen.“

Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Der ÖRK fördert keine Boykotte, die auf Nationalität in diesem oder einem anderen Kontext basieren. Ebensowenig unterstützt er wirtschaftliche Maßnahmen gegen Israel.“ Er habe allerdings eine „langjährige politische Haltung zugunsten des Boykottes von Waren oder Dienstleistungen aus Siedlungen (die international als illegal gelten) in den Besetzten Palästinensischen Gebieten“.

Infolge der Kritik hat die Zeitung „Algemeiner“ den Artikel nach eigenen Angaben „mit einer genaueren Beschreibung der ÖRK-Stellung zu Israelboykotten“ aktualisiert. Der ÖRK vertritt 350 Mitgliedskirchen und damit mehr als eine halbe Milliarde Christen in aller Welt. Die Katholische Kirche gehört nicht dazu.

Von: eh