Eine Aufnahme aus dem Jahr 1953: Ruth und Mosche Dajan mit einem Schauspieler des Tel Aviver Theaters „HaBima“

Eine Aufnahme aus dem Jahr 1953: Ruth und Mosche Dajan mit einem Schauspieler des Tel Aviver Theaters „HaBima“

Ruth Dajan mit 103 Jahren gestorben

Ihr Mann Mosche wurde als israelischer Armeechef mit der Augenklappe weltbekannt. Doch auch seine Frau Ruth Dajan war vielfältig engagiert. Nun ist sie im Alter von 103 Jahren verstorben.

NAHALAL (inn) – Die erste Ehefrau des früheren israelischen Armeechefs und Verteidigungsministers Mosche Dajan, Ruth Dajan, ist tot. Sie starb am Freitag im Alter von 103 Jahren. Die Beisetzung ist am Sonntag im Moschaw Nahalal bei Nazareth, wo sie einen Teil ihres Lebens verbrachte.

Ruth Schwarz kam im März 1917 in Haifa zur Welt. Ihre Eltern Zvi und Rachel waren Einwanderer aus dem heute westukrainischen Nowoselyzja und aus der moldawischen Hauptstadt Kischinjew. Als sie zwei Jahre alt war, zog die Familie nach England, wo ihr Vater sich weiterbilden wollte. Er war Rechtsanwalt. Als Ruth zehn war, kehrten sie zurück und lebten in Jerusalem. Mittlerweile war die acht Jahre jüngere Schwester Re'uma geboren – sie heiratete später den siebenten israelischen Staatspräsidenten Eser Weizmann.

Mit 17 Jahren kam Ruth für eine landwirtschaftliche Ausbildung nach Nahalal. Dort lernte sie Mosche Dajan kennen – und verliebte sich auf den ersten Blick in ihn. Sie heirateten 1935 und bekamen drei Kinder: die Politikerin Jael Dajan, den Bildhauer Udi Dajan und den Filmschauspieler Assi Dajan.

Potential der Einwanderer entdeckt

Im israelischen Unabhängigkeitskrieg war Mosche Dajan Kommandeur von Jerusalem, die Familie zog in den Stadtteil Rechavia, wo Ruth bereits früher gelebt hatte. Sie unterrichtete ab 1949 Einwanderer in landwirtschaftlichen Fertigkeiten. Dabei entdeckte sie, dass diese durch ihre unterschiedlichen Traditionen viel Potential auf dem Gebiet der Handarbeit mitbrachten. Und so gründete sie das Projekt „Eschet Chail“. Dieser Ausdruck ist dem biblischen Buch der Sprüche entnommen. Dort wird im 31. Kapitel die „tüchtige Frau“ gelobt. Der Abschnitt gehört an Freitagabenden in den Häusern zur Schabbatliturgie.

Erneut verbrachte Ruth Dajan ein paar Jahre in England, weil ihr Mann dort arbeitete. Sie lernte Weben und Spinnen. Nach ihrer Rückkehr gründete sie 1954 das Modehaus „Maskit“ als staatliches Unternehmen. Besondere Unterstützung erhielt sie von der damaligen Arbeitsministerin Golda Meir und dem Leiter des Premierministerbüros Teddy Kollek. Erstere wurde später Regierungschefin, letzterer Bürgermeister von Jerusalem. Hunderte Arbeitsplätze entstanden, und vor allem Einwanderer fanden dort ihr Auskommen und konnten ihre ursprüngliche Kultur einbringen. „Maskit“ wurde 1994 eingestellt. Doch 2013 gab es eine Neugründung.

Ruth Dajan setzte sich über viele Jahre hinweg für ein besseres Miteinander von Juden und Arabern ein. Eine enge Freundschaft verband sie mit Raymonda Tawil, der Schwiegermutter von Palästinenserführer Jasser Arafat. Zudem gehörte sie 1967 zu den Gründern der Organisation „Variety Israel“, die sich für Kinder mit Behinderungen einsetzt.

Scheidung nach 37 Jahren

Mosche Dajan wurde 1967 als Armeechef während des Sechs-Tage-Krieges weltweit bekannt. Mit der Ehe lief es indes nicht gut. Er hatte zahlreiche Affären. Deshalb reichte Ruth nach 37 Jahrern die Scheidung ein. Kurz darauf heiratete er seine langjährige Geliebte Rachel Korem, er starb 1981. Die Söhne Assaf und Udi starben 2014 und 2017.

Seit den Wahlen für die 11. Knesset im Jahr 1984 kandidierte Ruth Dajan für verschiedene Parteien, unter anderem Meretz. Allerdings befand sich ihr Name auf der jeweiligen Liste so weit unten, dass sie keine realistische Chance auf einen Sitz im Parlament hatte. Zuletzt trat sie 2020 bei den Wahlen für die 24. Knesset an – auf Platz 108 des linken Bündnisses Avoda-Gescher-Meretz. Ihre Tochter Jael befand sich auf dem 107. Platz.

Israels Staatspräsident Reuven Rivlin würdigte die Verstorbene am Freitag: „Ruth Dajan ist nicht mehr. Eine Frau, die noch zu Lebzeiten eine Legende wurde“, zitiert ihn die Zeitung „Ma'ariv“. „Ihre Lebensgeschichte ist eine Zusammenfassung der Verwirklichung des israelischen und des zionistischen Traumes.“ Auch Politiker der Parteien „Jesch Atid“ und Meretz bekundeten ihr Bedauern über den Tod der 103-Jährigen. Sie hinterlässt ihre Schwester, ihre Tochter sowie Enkelkinder und Urenkel.

Von: eh