Folge der Ausschreitungen in Bnei Brak: Ein Bus brannte völlig aus

Folge der Ausschreitungen in Bnei Brak: Ein Bus brannte völlig aus

Ultra-Orthodoxe protestieren gewaltsam gegen Schulschließungen

In einer neuen Runde treten einige Ultra-Orthodoxe gewaltsam gegen die Schließung von Religionsschulen auf. Religionsführer und Politiker geben der Polizei eine Mitschuld an den Ausschreitungen.

JERUSALEM (inn) – Ultra-Orthodoxe haben in mehreren Städten gewaltsam gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung demonstriert. In Jerusalem, Bnei Brak und Aschdod kam es am Sonntag zu Zusammenstößen mit der Polizei, als diese gegen die illegale Öffnung von Religionsschulen vorging. Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie ist der Schulbetrieb derzeit untersagt.

Bereits in der vergangenen Woche war es zu gewaltsamen Protesten gekommen. Auslöser für die neue Runde war offenbar eine Äußerung des Vischnitzer Rabbis in Bnei Brak, Israel Hager: Am Samstag verkündete er, die Religionsschulen würden am Sonntag öffnen. Die Regierung ignoriere die Bedeutung des Tora-Studiums, begründete er den Vorstoß. Zugleich wies er seine Zuhörer an, auf Gewalt zu verzichten und die Polizei an sein Büro zu verweisen. Die Vischnitzer Juden sind die drittgrößte chassidische Gruppierung in Israel.

Wie sich nun heraustellt, bewirkte der Aufruf zum Gewaltverzicht wenig. Bei Unruhen in Bnei Brak bewarfen die Randalierer Polizisten und Journalisten mit Steinen. Auf der Straße entzündeten sie Müll. Ein Polizist setzte Schüsse in die Luft ab, als Protestler ihn bedrängten. Am Abend gingen Ultra-Orthodoxe auf das Auto des Bürgermeisters Avraham Rubinstein (Degel HaTora) los, der daraufhin in Sicherheit gebracht werden musste.

Am Abend setzten sich die Gewaltaktionen fort: Eine nach Einschätzung von Beobachtern jugendliche Randgruppe setzte einen Bus in Brand. Zuvor zerrten sie den Fahrer aus dem Bus und schlugen auf ihn ein. Das Fahrzeug brannte vollständig aus. Da auch Stromleitungen in der Umgebung Feuer fingen, kam es zu einem Stromausfall in der Nachbarschaft. Das betroffene Busunternehmen Afikim kündigte an, es werde nun überprüfen, ob es weiterhin Bnei Brak ansteuere.

Ultra-Orthodoxe: Polizei provoziert

In einer Dringlichkeitssitzung der Stadtbehörde war auch der ultra-orthodoxe Abgeordnete Mosche Gafni zugegen sowie Wohnungsbauminister Ja'akov Litzman (beide Vereinigtes Tora-Judentum). Gafni sieht bei den Aufständen eine Mitschuld der Polizei: Diese sei bereits in der vergangenen Woche „provokativ“ gegen Demonstranten vorgegangen, indem sie etwa Tränengas eingesetzt habe. Es sei undenkbar, dass es zu derartigen Aktionen in Tel Aviv komme.

Gafni übermittelte bei der Sitzung eine Botschaft von Rabbi Chaim Kanievski, der in ultra-orthodoxen Kreisen als führende Autorität gilt. Der 93-Jährige forderte ein Ende der Demonstrationen, rief aber auch die Polizei auf, mit den „schrecklichen Dingen“ aufzuhören, die sie der Gemeinschaft antue.

Vandalismus gegen Stadtbahn

In Jerusalem schmiss eine Gruppe am Sonntag wenige hundert Meter nördlich der Altstadt die Scheiben einer Stadtbahn ein und bewarf sie mit Farbe. Auf die Gleise goss sie Beton. Der Betreiber der Stadtbahn, Citypass, sprach laut der Nachrichtenseite „Arutz Scheva“ von einer „sehr gefährlichen Sabotage“. Die Bahn hätte aufgrund des Betons entgleisen, Personen hätten zuschaden kommen können.

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Auch in Aschdod entzündete sich der Protest an den Maßnahmen der Polizei gegen die illegale Öffnung von Religionsschulen. Die Polizei gab am Montag an, dass seit Donnerstag landesweit 20 Polizisten wegen ihrer Verletzungen ins Krankenhaus mussten.

Der sephardische Oberrabbiner Jitzchak Josef verurteilte die Gewalt am Montag. Dies sei nicht der Weg der Tora, erklärte er laut der Nachrichtenseite „Yediot Aharonot“. „Wir alle sind Söhne Abrahams, Isaaks und Jakobs, und uns allen ist befohlen, den Nächsten zu lieben wie dich selbst.

Der Vorsitzende des Rechts- und Justizauschusses in der Knesset, Ja'akov Ascher (Vereinigtes Tora-Judentum), rief die Polizei am Montag auf, die Lage in Bnei Brak unter Kontrolle zu bekommen. Die Stadt dürfe sich nicht in ein „Schlachtfeld“ verwandeln. Der Großteil der Bürger halte sich an Recht und Ordnung.

Von: df