Das neue Heim in Tel Aviv soll den Namen des 2016 verstorbenen, polnisch-amerikanischen Holocaust-Überlebenden Joseph Wilf tragen

Das neue Heim in Tel Aviv soll den Namen des 2016 verstorbenen, polnisch-amerikanischen Holocaust-Überlebenden Joseph Wilf tragen

Neues Heim für Holocaust-Überlebende in Tel Aviv

In zentraler Lage gibt es in Tel Aviv ein neues Wohnheim für israelische Senioren. Unter anderem Holocaust-Überlebende sollen hier in Würde altern können. Es ist nur eins von vielen Projekten.

TEL AVIV (inn) – In Tel Aviv, entlang der Straße Derech HaSchalom, ist eine neue Wohneinrichtung für Holocaust-Überlebende und andere israelische Senioren fertiggestellt worden. Das Seniorenheim wurde von „Amigur“, einer gemeinnützigen Tochter der Jewish Agency, gebaut. Das 1972 gegründete Unternehmen ist nach eigenen Angaben Israels größter Betreiber von Einrichtungen für betreutes Wohnen. Es unterhält über 50 Hausprojekte im ganzen Land, in denen mehr als 7.000 alte Menschen betreut werden, meist Überlebende des deutschen Völkermords.

Der Vorsitzende des Direktoriums von „Amigur“, Arieh Abir, sagte, es handle sich um ein „wichtiges nationales Projekt“. Zehntausende israelische Senioren und Holocaust-Überlebende warteten auf die Möglichkeit, in eine Sozialwohnung einziehen zu können. Der Chef der Jewish Agency, Isaak Herzog, erklärte, das Gebäude stelle sicher, dass die verbliebenen Holocaust-Überlebenden in Israel „in Würde leben können“. Es handle sich um Menschen, „auf denen der Staat Israel gegründet wurde. Wir schulden ihnen alles“, heißt es in einem Video von „Amigur“ und Jewish Agency.

Förderer aus den USA

Nach Angaben der Organisation „Jüdische Föderationen Nordamerikas“ wurde der Bau durch die Zuwendungen ihres Stiftungsratsvorsitzenden, des jüdischen US-Amerikaners Mark Wilf, sowie seiner „Wilf Family Foundation“ ermöglicht. Wilf ist Kind zweier Holocaust-Überlebender aus Polen. Das Gebäude soll den Namen des 2016 verstorbenen Vaters Joseph tragen, der mit seiner Stiftung zu Lebzeiten Millionenbeträge in jüdische Angelegenheiten investiert hat. Das Bauprojekt in Tel Aviv sei eine „Würdigung meines Vaters“, sagte Mark Wilf.

Laut Daten des israelischen Statistikbüros wohnten Ende vergangenen Jahres noch rund 190.000 Holocaust-Überlebende in Israel. Die Organisation „Aviv for Holocaust Survivors“ schätzt, dass etwa ein Viertel in Armut lebt. Bereits 2015 hatten die Jewish Agency und das Ministerium für Wohnungsbau eine Initiative zur Errichtung von 2.650 Apartments für alte Menschen vereinbart. Im September 2020 sammelte die israelische Spendenorganisation Keren Hayesod, auch mit der Hilfe zahlreicher prominenter Persönlichkeiten in Deutschland, über 600.000 Euro für ein Wohnbauprojekt in Be'er Sheva. Die Einrichtungen von „Amigur“ leisten auch über den sozialen Dienst hinaus eine wertvolle Arbeit: Nach eigenen Angaben haben sie über die Jahre Zeitzeugenberichte von über 1.000 Holocaust-Lebenden zusammengetragen und an die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem übergeben.

Von: ser