Der Palästinenser ist stolz auf das Abzeichen der Wiener Polizei

Der Palästinenser ist stolz auf das Abzeichen der Wiener Polizei

Wie ein palästinensischer Retter zum Helden von Wien wurde

Während in der österreichischen Hauptstadt ein Attentäter um sich schießt, rettet ein Palästinenser einen verwundeten Polizisten. Die Autonomiebehörde und die Wiener Polizei würdigen seinen Mut.

WIEN / RAMALLAH (inn) – Nach dem Terroranschlag vom Montag spricht Österreich von drei Helden: zwei sind türkisch-stämmig, einer ist Palästinenser. Dieser hat nun auch eine Auszeichnung vom Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas, erhalten.

„Sie machen uns stolz“, zitiert die palästinensische Nachrichtenagentur WAFA den PA-Chef. „Denn wir erzählen der Welt, dass es die Palästinenser sind, die Terror bekämpfen und Leute beschützen. Deshalb haben wir entschieden, Ihnen eine Medaille in Anerkennung Ihres Mutes zu verleihen.“

Für verwundeten Polizisten in Lebensgefahr begeben

Osama Joda Abu El Hosna arbeitet in einer McDonalds-Filiale am Wiener Schwedenplatz, also unmittelbar am Ort des Attentats. Der 23-Jährige war mit seinem Filialleiter draußen, um Waren in das Restaurant zu bringen, als Schüsse fielen. Er versteckte sich hinter einer Betonbank. Der Attentäter eröffnete das Feuer auf Polizisten, ein Beamter wurde verletzt. „Da habe ich ihn hinter die Betonbank gezogen und versucht, die Blutung zu stoppen“, erzählte er der österreichischen Zeitung „Kurier“. „Der Attentäter hat aus etwa 20 bis 30 Meter weiter gefeuert. Überall war Blut.“

Der österreichischen Rundfunkanstalt ORF sagte er: „Ich komme aus Gaza. Ich habe dort genug Krieg erlebt. Ich habe dort meine Familie verloren, vor meinen Augen. Ich habe schon Angst gehabt, aber nicht so sehr, dass ich mich nicht bewegen oder nicht helfen konnte.“

Als ein Krankenwagen kam, seien die Sanitäter wie gelähmt gewesen und nicht näher gekommen. Also trug er den Polizisten zu dem Rettungswagen, während die Schießerei noch im Gange war. Auf den letzten 20 Metern erhielt er Unterstützung von zwei Kampfsportlern mit türkischen Wurzeln: Mikail Özen (25) und Recep Tayyip Gültekin (21).

Die beiden Freunde wollten den letzten Abend vor dem Lockdown im Stadtzentrum genießen. Sie halfen einer verletzten Frau und brachten eine ältere Dame in Sicherheit, die orientierungslos wirkte. Zwischendurch machten sie eine Zeugenaussage bei der Polizei – und kamen überdies dem Palästinenser zu Hilfe.

Vom unerwünschten Nachbarn zum Helden

Abu El Hosna indes ist in der östtereichischen Presse kein Unbekannter: Im vergangenen Jahr wollte er mit seiner Familie ein Haus im niederösterreichischen Weikendorf kaufen. Doch der Bürgermeister lehnte dies ab, weil der Islam nicht mit westlicher Kultur vereinbar sei. Vor Gericht erhielt der Palästinenser Recht. Das Haus hat die Familie mittlerweile erworben. Sie ist allerdings noch nicht eingezogen, weil vor allem die Mutter rassistische Angriffe befürchtet.

Doch jetzt gilt Abu El Hosna als Held. Von der PA erhielt er die Goldene Polizeimedaille. Vater Chalid dankte Abbas für die Auszeichung: Sie sei das bestmögliche Geschenk für seinen Sohn. Die österreichische Polizei übergab ihm als Dank einen Aufnäher. „Ich werde dieses Abzeichen bis zum Ende meines Lebens behalten“, freute sich der Palästinenser.

Rabbiner wollte Polizei informieren

Der 20-jährige Attentäter stammte aus Nordmazedonien und war als Islamist bekannt. Er hatte am Montagabend zunächst in der Nähe einer Synagoge, des Haupttempels von Wien, das Feuer auf Passanten eröffnet. Vier Menschen starben, unter ihnen ist eine Deutsche. Zudem gibt es viele Verwundete. Der Angreifer wurde von der Polizei erschossen.

Der Generalsekretär der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Benjamin Nägele, verdeutlichte gegenüber der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“, wie groß die Gefahr war: „Unser Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister, der direkt über der Synagoge wohnt, rief mich an. Er berichtete von Schüssen und bat mich, die Polizei zu rufen, weil er mehrere Minuten vergeblich versucht hatte durchzukommen und die Polizei bisher nicht vor der Synagoge erschienen sei. Seitdem war ich dann mit dem Krisenmanagement beschäftigt.“

Von: eh

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