Sprach als erster arabischer Knessetabgeordneter am Holocaust-Gedenktag: Mansur Abbas

Sprach als erster arabischer Knessetabgeordneter am Holocaust-Gedenktag: Mansur Abbas

Arabischer Politiker spricht bei Scho'ah-Gedenken

Vor der Knesset würdigt ein arabischer Abgeordneter am Gedenktag die Opfer der Scho'ah. Er lobt die Judenretter und verurteilt jegliche Holocaustleugnung. Ein Bezug zum Leiden der Palästinenser bleibt indes nicht aus.

JERUSALEM (inn) – Erstmals hat ein arabischer Abgeordneter des israelischen Parlaments am Gedenktag für Scho'ah und Heldentum gesprochen. In seiner Rede vor der Knesset am Dienstag wies Mansur Abbas auf Muslime hin, die Juden in der Zeit der Verfolgung beistanden.

Abbas ist Fraktionsvorsitzender von Ra’am und gehört damit dem arabischen Bündnis „Vereinigte Liste“ an. „Vor 26 Jahren verharrte ich zum ersten Mal zwei Minuten schweigend, vor allem gab ich den Mitstudenten auf den Lehrbänken die Ehre, an der Hebräischen Universität“, sagte der 45-Jährige laut einem Bericht der Zeitung „Yediot Aharonot“. Abbas studierte damals Zahnmedizin. „Heute stehe ich und spreche ein Gebet aus dem Koran für das Aufsteigen der Seelen von sechs Millionen Juden, die in der Scho’ah während des Zweiten Weltkrieges umkamen.“

Der israelische Politiker ergänzte: „Als palästinensischer Araber und religiöser Muslim, der erzogen wurde im Erbe von Scheich Abdullah Nimar Darwisch, Friede sei mit ihm, dem Gründer der Islamischen Bewegung, habe ich Empathie für den langjährigen Schmerz und das Leiden der Holocaust-Überlebenden und der Familien der Umgekommenen.“ Weiter sagte er: „Ich stehe hier und bekunde Solidarität mit dem jüdischen Volk, hier und in der Welt. Dem Volk, das von den Nazis als Ziel für Massenvernichtung und Völkermord ausgewählt wurde. Und ich sage hier: Nie wieder.“

Abbas würdigte den Heldenmut von Männern und Frauen, die am Warschauer Ghettoaufstand beteiligt waren. Zudem nannte er „Gerechte unter den Völkern“, die Juden in der Zeit der Verfolgung beigestanden hatten – Christen und Muslime. Vor allem das Verhalten eines Pariser Imams imponiert ihm: Er gewährte Juden Zuflucht in der Großen Moschee: „Albert Asulin, ein Jude, der aus einem deutschen Vernichtungslager floh, sagt, dass mehr als 1.700 Untergrundkämpfer, ein kleiner Teil von ihnen Nichtjuden, in der Moschee Schutz fanden. Vor allem dank des Imams der Moschee.“ Und in Albanien sei am Ende des Zweiten Weltkrieges die Zahl der Juden höher gewesen als zu seinem Beginn.

Holocaustleugnung vehement abgelehnt

Weiter sagte der Knessetabgeordnete: „Die Heftigkeit der Scho’ah zwingt uns als Menschen, die nationalen und religiösen Streitigkeiten einen Augenblick beiseite zu lassen, und selbstverständlich die politischen Meinungen, und sich mit dem Opfer zu vereinen und den Schmerz zu empfinden.“ Die Leugnung der Scho’ah bezeichnete er als Überrest der nationalsozialistischen Ideologie. Sie sei ein Verstoß gegen ein Grundprinzip im Islam – Zeugnis der Wahrheit und Gerechtigkeit.

Juden, die das „Nie wieder“ auf Juden beziehen, und solche, die es universal deuteten, hätten beide recht. „Als gläubiger Muslim und als Sohn des palästinensischen Volkes, das gelitten hat und immer noch Schmerz erleidet, bete ich, dass alle Bewohner des Landes, Juden und Araber, die menschliche Lektion erkennen und verinnerlichen“, fügt Abbas hinzu. Sie müssten lernen, „das Leiden des anderen Volkes anzuerkennen, mit seinen Rechten auf Freiheit und ein Leben in Würde“. Dann könnten sie „die Vision von Frieden, Sicherheit und Toleranz zwischen den beiden Völkern und den beiden Staaten“ verwirklichen.

Von: eh