Noch ist es nicht überstanden: In Israel gilt nach wie vor die Maskenpflicht

Noch ist es nicht überstanden: In Israel gilt nach wie vor die Maskenpflicht

Gelockerte Maßnahmen in Kraft

Es ist ein Versuch, der auch scheitern kann: Israel probiert, mit einer Lockerung der Corona-Maßnahmen die Wirtschaft zu beleben. Der Schritt stößt auch auf Kritik. Inzwischen macht ein verzweifelter Falafel-Verkäufer von sich reden.

JERUSALEM (inn) – Israel hat am Sonntag einige Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Krise gelockert. So dürfen einige wichtige Läden, etwa zum Verkauf von Computergeräten und Hausrat, ihre Tore wieder öffnen, während Einkaufszentren, Schuhläden und Frisöre weiterhin geschlossen bleiben. Die Zahl der genehmigten Arbeitsplätze wurde von 20 auf 30 Prozent der Arbeiterschaft erhöht. Vor allem aber ist es Israelis erlaubt, sich bis zu 500 Metern von ihrer Haustür auf der Straße zu bewegen. Bisher galt ein Abstand von 100 Metern.

Zudem sind Gebete im Freien mit bis zu 19 Teilnehmern erlaubt. Bei Hochzeiten oder Beschneidungen dürfen 10 Personen dabei sein, bei Ritualbädern sind 3 Personen zugelassen. Es gilt immer ein Mindestabstand von 2 Metern.

Schwierige Aufgabe für Polizei

Auf diese Weise will Regierungschef Benjamin Netanjahu die lahmliegende Wirtschaft ein klein wenig wieder ankurbeln. Doch nach Angaben der Polizei sind diese neuen Regeln so verwirrend, dass Ordnungshüter die Verstöße nicht mehr ahnden können. Ein Polizeisprecher erklärte daher, dass vorläufig keine Strafzettel mehr verpasst würden. Als die Regeln noch klarer waren, waren zur Strafe umgerechnet bis zu 150 Euro zu zahlen, wenn man ohne Atemmaske weiter als 100 Meter von seiner Wohnungstür auf der Straße „erwischt“ wurde und sich nicht auf dem Weg zum Einkaufen oder zur Apotheke befand. Im Wiederholungsfall waren bis zu 1.000 Euro fällig.

Einige Aufmerksamkeit erhielt ein verzweifelter Falafel-Verkäufer aus Aschdod durch einen Bericht in den Abendnachrichten vom Sonntag. Auch die Reporterin von „Kanal 13“ war zu Tränen gerührt, als Juval Carmi mit tränenerstickter Stimme seine Lage schilderte. Angesichts der wirtschaftlichen Einschränkungen sei er finanziell am Ende; er habe nicht einmal das Geld, um seinen Kindern etwas zu essen zu kaufen. Für „Kanal 13“ ist Juval Carmi „das Symbol des wirtschaftlichen Zusammenbruchs“.

Tags darauf veröffentlichte Netanjahu auf seinen Social-Media-Kanälen den Mitschnitt eines Gespräches mit Carmi. Dieser kritisierte: „Ich habe den Eindruck, man sagt ihnen nicht, was mit dem Volk passiert.“ Netanjahu erwiderte, er habe ihn gestern im Fernsehen gesehen und dies habe sein Herz berührt. „Ich verstehe das“, versicherte er. „Ich werde ihnen helfen. Ich werde allen helfen. Gemeinsam werden wir das überwinden.“

Angesichts von Schicksalen wie diesen scheint eine Lockerung der Maßnahmen das Gebot der Stunde. Der Schritt stößt aber auch auf Kritik. Aus dem Gesundheitsministerium hieß es, Israel sei nicht genügend auf eine zweite Ausbruchswelle vorbereitet. Umweltminister Se'ev Elkin warnte im Rahmen einer Kabinettssitzung, die Lockerung könnte einen solchen zweiten Ausbruch herbeiführen. Netanjahu erwiderte daraufhin laut der Onlinezeitung „Times of Israel“, er sei sich der Risiken bewusst. Letztlich sei es ein Ausprobieren. „Wir müssen uns ständig überprüfen“, sagte der Premier.

In Israel waren bis Montagnachmittag 13.654 Fälle von Corona-Infektionen bekannt; davon sind 3.872 Personen genesen, 114 werden beatmet. Die Zahl der Toten mit Corona-Infekt lag bei 173.

Von: df

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