Die muslimische Delegation, angeführt von Scheich Al-Issa, betet in Auschwitz

Die muslimische Delegation, angeführt von Scheich Al-Issa, betet in Auschwitz

Generalsekretär der Islamischen Weltliga in Auschwitz

Der aus Saudi-Arabien kommende Generalsekretär der Islamischen Weltliga betet in Auschwitz: Sein Besuch in der KZ-Gedenkstätte gilt als historisch.

AUSCHWITZ (inn) – Der Generalsekretär der Islamischen Weltliga (MWL), Scheich Muhammad al-Issa, sowie weitere hochrangige islamische Würdenträger aus aller Welt haben am Donnerstag die KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besucht. Im Anschluss betonte Al-Issa, der früher Justizminister von Saudi-Arabien war, die Weltgemeinschaft müsse sicherstellen, dass solch „schreckliche Verbrechen“ nie wieder geschehen.

Der islamischen Delegation gehörten 62 Vertreter aus mehr als 25 Ländern an. Auch der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Abdassamad El Yazidi, war mit dabei. Gemeinsam mit Vertretern des „Amerikanisch-Jüdischen Komitees“ (AJC), das sich für die Interessen von Juden weltweit einsetzt, und Angehörigen von Holocaust-Überlebenden suchten sie die Gedenkstätte auf. AJC-Direktor David Harris sprach gegenüber der Onlinezeitung „Times of Israel“ von einem „bahnbrechenden“ Ereignis. Es sei die „hochrangigste islamische Delegation“ gewesen, die jemals Auschwitz aufgesucht habe.

Der polnische Oberrabbiner Michael Schudrich sagte während des Besuchs: „Es ist eine große Veränderung, wenn ein führender muslimischer Politiker offen sagt, dass der Holocaust passiert ist, dass es schrecklich ist, dass wir uns daran erinnern müssen."

„Muslime müssen über Holocaust lernen“

Al-Issa nannte es sowohl eine heilige Pflicht als auch eine tiefe Ehre, unter den Kindern von Holocaust-Überlebenden und Mitgliedern der jüdischen und islamischen Gemeinschaft hier zu sein. Bevor er die Muslime zum Gebet anleitete, betonte er an die Besucher gerichtet: „Im islamischen Glauben haben wir keine doppelten Maßstäbe bei der Anerkennung dieser Art von Verbrechen. [...] Ich möchte Ihnen allen mitteilen, dass ich und meine Kollegen, die islamischen Führer, von diesen schrecklichen Verbrechen und Bildern, die wir hier gesehen haben, zutiefst berührt und betroffen sind." Der Geistliche sprach von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“.

Zwischen den jüdischen und muslimischen Teilnehmern habe es herzliches Händeschütteln und viele Umarmungen gegeben, heißt es in dem Bericht weiter. Für Freitag ist zudem in Warschau ein gemeinsamer Besuch des Museums für die Geschichte der polnischen Juden, einer Synagoge sowie einer Moschee geplant. Auch ein gemeinsames Schabbat-Essen steht auf dem Programm.

In Auschwitz wurden in der Zeit von 1940 bis 1945 rund 1,1 Millionen Menschen ermordet. Die meisten von ihnen waren europäische Juden.

Kein Gespräch mit israelischen Medien

Im Anschluss an den Besuch hatten internationale Medienvertreter die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Als sich Mitarbeiter der Zeitung „Times of Israel“ vorstellten, wurden sie von einem Assistenten Al-Issas darauf hingewiesen, dass der Geistliche hier vor all den Kameras keine Fragen von israelischen Medien beantworten könne. Er habe jedoch hinzugefügt: „Wir bleiben in Verbindung und sprechen bald.“ Israel und Saudi-Arabien haben keine diplomatischen Beziehungen. Hinter den Kulissen gibt es jedoch seit Jahren eine Annäherung.

Die Islamische Weltliga hat ihren Sitz in Mekka und wurde 1962 als Nichtregierungsorganisation gegründet. Sie wird maßgeblich von der saudischen Regierung unterstützt und gesteuert. Ihr Vorsitzender muss Saudi-Araber sein.

Von: dn

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